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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1892-01-01 · 10.1892 · page 15

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
10.1892
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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— 16 - er die Gesellschaft mit dem Körper eines Mensehen vergleicht8): so wenig dieser, wenn die Hand den Fuss oder irgend ein anderes Glied verletzt hat, die erster«' dafür bestrafen wird, weil er den Sehmerz eines jeden Gliedes gh-iehmässig empfindet, so wenig sollen aueh in der Gesellschaft Beleidigungen und Kränkungen gerächt werden, da die Hache in jedem Falle der Gesammtheit zum Schaden gereicht. Ferner fol. Iii», wo er den Stolz ein „Königtum ohne Krone" (iÖ2 Nr^önennt, weil der Stolze die menschliche Hinfälligkeit und Nichtigkeit nicht bedenkt. Sodann fol. 12a ff., wo er den Geizigen mit dem harten Felsblock vergleicht dem kein Labetrunk entquillt, und den nichts auf Krden zu bewegen vermag. Endlich fol. 12b, wo er von dem-Neidischen sagt, er gleiche der Schlang«', die ihr Gift ausspritzt, ohne dass sie selbst davon einen Xutz«'ii hat. Von den Antithesen heben wir nur zwei hervor, erstlich das Wort von den Gefrassigeii: „sie leben um zu essen, sie essen nicht um zu leben*); sodann das feine Wortspiel von den sieben Todsünden: „sie beginnen "p "ETI und sie endigen "P--»1*3> Schliesslich sei noch auf die allegorische Deutung des Verses Spr. 2ä,21 ff. hingewiesen: Der hungrige und durstige Feind sei der gesi hh'chtliche Trieb, der zu Ausschweifungen verleitet, und der durch ..das Brot der Lehre und die Wasser d«>r Busse und der Gottesfurcht" gedämpft werden muss.*) Emilich zeigt sich diese grossere Geschicklichkeit auch in der Formulirung der Frage. Die Fragen des Kl. K. Canisii sind zwar nicht so dürftig und formlos wie die des lutherischen Kl. K., die fast durchweg laut«*n: „Was ist das?* Aber auch j«»ne enthalten zumeist nur wenig des Annagenden und : ch weniger des entwickelnden Elementes, sie richten sich nur an das Gedächtnis* und fast gar nicht an das logische Denken. Dagegen bemerken wir in den Fragen J.'s manche Vorzüge, die wir in denen seiner Vorlage vermissen. So schickt er seinen Fragen nicht selten die Billigung der vnraufgegangenen Antwort des Schülers vorauf5), was diesen erfreuen und zu fernerer Aufmerksamkeit ausponu-n muss. Häulig fasst er auch in der Frage das Voraufgegangen«' kurz zusammen, bevor er auf die' Behandlung des neuen 'Gegenstandes eingeht'1). Durch dieses retardierende Zusammenlassen sammelt die Frage zunächst die zerstreuten Gedanken des Schülers und richtet sie auf d«'ii Tunkt, welcher mit «lern Vorangegangenen entweder als Folge, oder als Voraus.M'tzung, «»der als Ergänzung iu Beziehung steht. Endlich kommt es auch vor, dass seine Frage die Antwort schon andeutet und so durch Anregung des Denkens dem Gedächtnisse des Schülers zu Hülfe kommt7). Was wir oben über die Selbstständigkeit des Verfassers gesagt haben, bestätigt sich uns jetzt erst recht, da wir alle Vorzüge des Z"'C rph überschauen. Er war trotz seiner Anlehnung an die Schrift des Cauisius «'in sclbststäudigcr Geist, der das für seinen Zweck Geeignete zwar aus dieser wie aus anderen Quellen schöpfte, aber Alles in der ihm eigenen Weise bearbeitete. Jetzt finden wir auch vollkommen zutn-ffeud das Urteil, welches Ludovieus de Compiegne de Weil in seinem Proömium a.a.O. über unser Buch gefällt hat: „Nihil reperias a Rabbinorum ullo magis caste pureque conscriptum, nihil magis distinete concisum, nihil undiqne magis nptum rotundum, ac simile sui."s) Um so verwunderlicher ist nun aber die unbestreitbare Thatsache, dass das Buch seinen Zweck vollständig verfehlt hat. Denn unser Buch wurde zwar viel gelesen, ja auch studiert, jedoch nur von Erwachsenen, zu einem Lehrbuch für die Jugend aber, wie es der Verfasser beab- ') Umgekehrt: Babl. Nedarim fol. 3*2b, wo der Körper unter dem Bilde einer Stadt betrachtet wird. -) Fol. Hb unten: rmS *m.2 B'Sr» sS ViixS "*2 ir'ffl. 3) Fol. Ma: «poa D'a^'jn "p "C2 Donnen. «) Fol. 12a: nr.rrn inpsw, rr.Tn nzrk v&rxn i^cm^ nr jww 2j?i c« irzn icx nrVi vpbxb -xthi. s) Vgl. fol. 4b, 5b, 13b. «) Vgl. Ca, 8a, 8b, 10b. 0 Vgl. 4b, Ca, 7a, 8b, 9a, Ha, 14b, 15a. *) Vgl. auch das beifällige Urtheil des R. Meschullam b. Isak Salam in.dem Gedichte desselben, das unserem Buche angehängt ist.

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