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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1892-01-01 · 10.1892 · page 13

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
10.1892
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273565--0342-2274107
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_ U — Hiermit ist der Katechismus zu Ende, d. h. es ist Alles durgelegt und begründet, was dem Israeliten zur Erlangung der Glückseligkeit hieniedeu und im Jenseits zu wissen nötig ist. Aber sowie der Kl. K. am Schlüsse noch von den sogenannten „evangelischen Raten*' handelt, „welche im Evangelio nicht zwar als notwendig zur Seligkeit, aber denen, so selben wollen nachkommen, hierzu sehr beförderlich und nützlich, von Christo nicht befehlsweise, sondern ratsweise vorgetragen worden", so fugt auch J. seinem Katechismus noch einen Epilog hinzu, worin der Lehrer dem Schüler nützliche Katschläge zur sichern Erlangung eines gottgefälligen Lebens erteilt. Zu diesem Epilog lässt sich der Lehrer von seinem Schüler auffordern, indem dieser seine Bitte mit der richtigen Bemerkung begründet, dass die Kenntnis* dieser auswendig gelernten Sätze sich noch lange nicht vergleichen lasse mit der Weisheit desjenigen, dem sie sich in den Erfahrungen des Lebens als wahr und zuverlässig bewährt haben.1) Hierauf beginnt der Lehrer seine Ermahnungsrede*), worin er. wahrscheinlich noch unter dem Einflüsse der im Vonuifgehemlen so hautig wiederkehrenden Siebenzahl, seine Lehren in sieben Gnippen ordnet. Er spricht zuerst von der Gottesfurcht als dem Anfange aller Weisheit und Erkenntuiss, von der allein es abhängt, ob uns selbst die religiöse Bildung zum Heile oder zum Verderhen gereicht; sodann von dem Bestreben, sich das Wohlgefallen der Menschen zu erwerben und durch seine Lebensführung im Verkehr mit Xichtjuden die Religion Israels zu Ehren zu bringen; hierauf von der unentwegten Wahrheitsliebe und von dem zufriedenen Sinn, der sich mit seinem Antheile freut. Sodann ermahnt er seinen Schüler. Gott stets vor Augen zu haben und an ihn zu denken bei jedem Lebensgenüsse; und nachdem er ihn noch vor böser Gesellschaft eindringlich gewarnt, beschwört er ihn Gottes Gebot über jedes Menschen Gebot zu stellen. Vor Allem aber möge er nicht ermatten in seinem Eifer für das Studium der Thora und nicht hissen vom Gebet, damit ihm die Pforten der Weisheit und der Gotteserkeimtiiiss erschlossen werden. Denn Gott fürchten und seine Gebote halten, das sei der ganze Mensch.. Aus der voraufgehenden Vergleichung des npb mit dem Kl. Katechismus wird sich die Abhängigkeit des ersteren von dem letzteren Jedem als völlig unzweifelhaft erwiesen haben. Und zwar geht diese Abhängigkeit, wie wir gesehen, so weit, dass J. von Canisius nicht blos angeregt wurde, sondern dass er diesem die ganze Anlage des Buches und in dem vierten Hauptstücke desselben nicht blos den Plan sondern auch vieles von der Ausführung selbst verdankt. Diese Abhängigkeit hört aber nicht blos da auf, wo sein jüdisches Bewusstsein dem Verfasser die Trennung gebietet; sondern auch dort, wo er seinem Vorbilde sich anschliesst, ist er in der Begründung und Ausgestaltung des Einzelnen durchaus selhstständig, ja man merkt es dem Verfasser an, dass ersieh dieser seiner Selbstständigkeit vollkommen bewusst ist und durchaus nicht fürchtet, der unerlaubten Entlehnung aus einem fremden Keligionsgebicte geziehen zu werden. Was er entlehnte, schien ihm beiden Religionsgebieten gemeinsam zn sein. Wir begegnen hier einem jener zahlreichen Beispiele, welche die Weise mittelalterlicher SchriftstWIer kennzeichnen: man kennt noch nicht den Begriff des schriftstellerischen Eigenthnms, die Güter des Geistes sind Allen freigegeben. Mau unterscheidet wenigstens nicht genau, was dem einen uutl <leni anderen angehört; es findet ein gegenseitiges Geben und Empfangen statt, und man erwägt dabei nicht ängstlich, ob dieses oder jenes überwiegt. Unser Verfasser zumal, der in seinem Lehrbuch ausgesprochenermaassen alles das in leicht fasslicher Weise zusammenstellen wollte, was seine Vorgänger über die Grundlagen der setzt, und zwar erstlich, weil dieses selbstverständlich ist (vgl. ib. Tossaphoth Jom-tob), sodann weil es auch iu sein System nicht-passt. Auch das dortige rrc." r**"r ist weggeblieben, weil sonst die Zahl zwölf überschritten werden müsste, und weil es sich überdies den voraufgehenden Stufen, die sämmttich Eigenschaften bezeichnen, nicht gut anreihen 15sst. *) Fol. 15a ff. ») Fol. 15b—17 a.

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