Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1892-01-01 · 10.1892 · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
10.1892
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2273546-2273565--0333-2274098
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ncigung zur christlichen Lehre liei ihm voraussetzten'\ trotzdem er dieses Buch noch als Jude geschrieben haben sollte3). Erst in neuerer Zeit ist man der Quelle auf die Spur gekommen, die auf Anlage wie auf Inhalt unseres Buches «'inen hervorragenden EiuIiuss gebäht hat. I). Oppenheini hat in seinem kurzen aber aufsrhlussreichen Aufsätze „Abraham .lagel und sein Cateehismus'' II. B. VII, 19 ff., die Vermutung ausgesprochen, dass ,.A. .1. bei seiner Arbeit wahrscheinlich de!« Cateehismus Roinanus, welcher 15(5(1 erschienen, oder die von I\ Canisius 1554 herausgegebene Summa doctrinae zum Muster genommen". Für diese Annahme sprächen in unserem Buche die Eintheilung der Sünden in 7 Hauptsünden <"":> in 6 Sünden wider den heil. Geist er, s:ü» -rs r-.m> und in 4 himmelschreiende Sünden <~"p: z't^z^. ppv.stt» pp'r: rrs Feiner dass darin von den drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe <n:nK.r. pnss.T.- n:icsn) abgehandelt wird. Eudlirh die ganz in christlichem Sinne gehaltene Definition des Glaubens: rtsrö S'n nr.5«n ".r. "CS *;r*U'c;2 CV.'rs Vr;n Aus diesen Angaben ist indessen ersichtlich, dass auch Oppenheim eine vollständige und genaue Vergleichung unseres Buches mit der von ihm vermuthetten Quelle desselben noch nicht augestellt hat. Er hätte sonst seine Behauptung nicht in das Gewand der Wahrscheinlichkeit gekleidet, er hätte auch keinen Augenblick geschwankt in der Annahme, ob der Cateehismus Homanus oder die Summa doctriuae unserem Buche zur Quelle gedient habe; er hätte sodann nicht gesagt, das J. die Sünden in 7 Hauptsünden etc. eintheilt, da er nicht blos so eintheilt, sondern sogar in allen Kategorien genau dieselben Sunden wie der kleine Katechismus aufzählt; er hätte endlich nicht blos so wenige Entlehnungen aus dem christlichen Katechismus angeführt. Freilich verstand es der Verfasser, wie bereits erwähnt, seine Eut- R-Imuiigen so geschickt an Verse aus der heil. Schrift und Stelleu aus der rabbinischen Litteratur anklingen zu lassen, dass selbst aufmerksame Leser leicht getäuscht werden, und dass nur durch die genaueste Vcrgleiehung mit seiner Quelle ermittelt werden kann, wo'er jüdischen Autoren und wo er seiner christlichen Vorlage gefolgt ist. Eine solche Vergleichung soll hier augestellt werden, um die Frage über die Entstehung und Bedeutung unseres Buches zum Abschlüsse zu bringen. Wir werden aus dieser Vergleichung zuerst ersehen, dass unserem Verfasser nicht der Cateehismus Romauus, der trotz der Begünstigung des Papstes von dein im gleichen .lahre erschienenen kleinen Katechismus des P. Canisius vollständig verdrängt wurde, zur Vorlage gedient hat. Sein Vorbild war eben dieser kleine Katechismus, obgleich er sich hin und wieder, wo er nach einem volleren Ausdruck oder einer genaueren Delinition strebte, auch an die Summa doctriuae desselben Verfassers hielt. Sodann wird sich zeigon, dass ihm seine Vorlage nicht blos dazu diente, um ihr hier und da einen Gedanken, eine Delinitiou oder eine Ausführung zu entlehnen, sondern dass er ihr die ganze Au- Kr sagt: Wäre Caniillo Jagd, der ben-its 1GK» ,nacli .Steinschneider II. H. XIX, ."»r>, A. 2, schon 1011) Censor war, mit unserem Verfasser identisch, so hatte dieser in seinem grossen Werke ~*2 nicht noch 1617 das folgende schreiben können: r~"S- Z'yzV. ryZZ". r*S2 U'br r:tt* S\"iÄ» rsm niTZ '2 WXib r.M nens \t. jr^xcc c*.r-n* v.2C "j^n cy •cras'en b%h: r±-xz er. 'JS'riTn njnr. cS*.p yss'j iar, nn b%bn b"Z? Z~*b? \yy IZyb. So schreibt kein Mann, der bereits seit .Jahren getauft ist. Hier?-» hat sodann D.Oppenheim 1. c noch das Zcugniss des K. Jesaia Hurwitz hinzugefügt, der in seinem bereits 1023 geschriebenen Werke .Sclmc-Luelioth-lIabberitunseren Autor in ehrendster Weise citiert, und der „ohne Zweifel vou dem Abfall des J. etwas gehört und das Werk-cines Getauften nicht benutzt haben würde.- Vgl. auch «£;n mrtö H'Se'X u. Marco Mortara, Padova 18SG, S. 2.*», A. wo noch andere Beweise luv die Nicht-Identität des Ccnsora Jagel mit unserem Verfasser erbracht werden. Um so unbegreiflicher ist es, dass üüdemanu in seinen Quellenschriften cte. S. 203 unseren Verfasser gradezu Abr. (Oamillo) Jagel nennt und von ihm sagt, dass er .nachmals zum Christenthum übergegangensei. ») Vgl. Judaismus detectus a. M. Hcurieo .Scharbau, Lubecae 1722, .S.G<>: _Quac utut ita se babeant, id tarnen mihi videtur cx eodem libro magis adhuc verisimile, auetorem ex lcctione librorum novi foederis sapientiorum fuifse redditum animumque ejus ad Christianismum proniorem.* *) Die Ansicht desdustavus Peringerus cbei Wolf 1. c), dass der Verfasser bereits Christ war, als er unser Buch schrieb, eine Ansicht, die hauptsachlich auf das Vorurtheil zurückgeht, dass die edlen Lehren des Verfassers ex mente Synagogae nicht geschöpft sein können, wurde schon vou Wolf widerlegt. Vgl. auch R. Abr. Jagel's 3**2 ripb von Carl Anton, Brauuscbweig 1756, Vorrede § 13.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.