Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 10.1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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der Apologie (Hase S. "21*2) sagt, dass „apud adversarios nulla prorsns //ZTf(yr.a»; pnerorunv' vorhanden sei, vom Katholieismus abzuwälzen und zugleich der gefährlichen Propaganda1) der Protestanten wirksam zu begegnen, verfasste Peter Canisius auf Veranlassung des Kaisers Ferdinand V. 1554 seinen grossen und 15GG seinen kleinen Kateehimus. Diese Bewegung konnte nicht ohne Einfluss auf die jüdischen Kreise in Italien sein, wo die Juden sich in früheren Zeiten weit mehr als ihre Glaubensgenossen in Deutschland um die geistigen Vorgänge in ihrer Umgebung bekümmerten (vgl. Steinschneider II. B. XX, S. TS). Schon die äussere Form unseres Buches, worin zur Behandlung des Stoffes die unter den Juden völlig neue*) katechetische Methode angewandt wird, zeigt, wie sehr sich der Verfasser von der Zeitstromung beherrschen Hess. Sowie wir aber erst den Inhalt des Buches auf seine Abhängigkeit von den gleichzeitigen litterarischen Erscheinungen ähnlicher Art prüfen, wird es uns zur vollen fiewissheit, dass die Scheidung der Bekenntnisse, die sich um diese Zeit vollzog, und die in der Schöpfung von Katechismen nach einem prägnanten Ausdrucke rang, auch unseren Verfasser anregte, den Lehrinhalt des Judenthums in genauer Formulierung seinen Glaubensgenossen zum Zwecke des Jugendunterrichtes vorzulegen. Diese Abhängigkeit des Verfassers von den katechischen Schöpfungen seiner Zeit ist den christlichen wie den jüdischen Gelehrten Jahrhunderte lang völlig unbekannt geblieben. Christliche Katechismen wurden von den Juden viel zu selten gelesen, um zur Vergleichung herangezogen werden zu können; und da der Verfasser überall, selbst da, wo die Entlehnung aus dem fremden Gebiete am offenkundigsten ist, die vorgetragenen Ansichten durch Citate aus der heiligen Schrift, aus Mischna und Gemara, sowje durch die bekannten Lehren der jüdischen Religionsphilosophen belegt; da ferner die Ausführungen im Allgemeinen von echt jüdischem Geiste durchhaucht sind, und an passenden Stellen, zwar ohne ausgesprochene Polemik, der Gegensatz zwischen der jüdischen Lehre und dem christlichen Bekenntnisse klar angedeutet erscheint: so konnte in dem jüdischen Leser der Gedanke an Entlehnungen aus fremden Iieligionsgebieten auch nicht entfernt auftauchen. Dass aber auch den verhältnissmässig zahlreichen christlichen Bearbeiten des Buches der wahre Zusammenhang desselben mit den zeitgenössischen Bestrebungen auf christlicher Seite verborgen blieb, hat seinen Grund darin, dass diese sammt und sonders protestantische Gelehrte waren, denen, wie wir weiter an einem eklatanten Beispiele sehen werden, der Katechismus des P. Catiisius, den unser Verfasser benutzte, nur dem Namen, schwerlich aber seinem Inhalte nach bekannt war. Sagt doch selbst heute noch der Oberconsistorialrath Dr. Karl Buch rucker3): „Wie werthvoll es ist, diese Xormalbüeher einzeln zu kennen und unter einander zu vergleichen, so wenig darf jene Bekanntschaft im allgemeinen voraus gesetzt werden". Ist aber heute diese Bekanntschaft eine noch so geringe, so war sie in früheren Jahrhunderten ganz und gar nicht vorhanden. JeneStellen unseres Buches, in denen die Uebereinstimmung mit den'entsprechenden christlichen Lehren allzudeutlich hervortritt, wurden darum vou diesen Bearbeitern einfach damit erklärt, dass die einen dem Verfasset grosse Belesenheit in nichtjüdischen Schriften, besonders im neuen Testamente') zuschrieben, andere sogar, gestütztauf den vou Bartoloecius:>) verbreiteten Irrthum, wonach unser Autor identisch sei mit dem Convertiten Camillo JageP), der im Anfange des 17. Jahrhunderts Censor war, eine Hin- ') Vgl. die Klagen über die von den protestantischen Katechismen her drohende Gefahr in der Instruction Kaiser Ferdinand's I. zu dem Katechismus P. Canisius'. '-') Schon Wolf, ßihliotheca hebr. 1, S. .Vi, A. z, bemerkt: Paucissimos habent Judaci hujus gencris libros. 3) «Die Normalkatechismen der christlichen Kirchenvon Dr. Karl Buchrueker, Nürnberg 1890, Vorwort. *) Wolf 1. c. S.;>5: imo novi instrumenta et praeeeptiones et 'tylatts interdum adhibere mihi visua est, quas forte animo co tempore, ut videtur, non alienus a Christianorum sacris ex illius lectione hausit s) Ludovicus de Compiegne de Veil, dessen lateinische Uebersetzung unseres Buches unter dem Titel „Catcchismus Judaeorum etc.- London 1G79 erschienen ist, weiss noch nichts von der angeblichen Apo3tasie A. J.'s, trotzdem er in seinem Prooemium sagt: Ilic vero licet praeeeptionem de vita et moribus ceraere cum doctrina vere Christana mirifice congruentem etc.- Auch Laurentius Odhelius, der unser Buch in seiner 1691 zu Frankfurt a/M. erschienenen „Synagnga bifronslateinisch übersetzt und mit zahlreichen gelehrten Noten versehen hat, weiss noch nichts von dem Religiouswechsel unseres Verfassers. ' «) Dass hier eine Verwechslung vorliegt, darf heute bereits als ausgemacht angeschen werden. Rcggio war der erste, der sie nachgewiesen hat. Den diesbezüglichen Nachweis, den ihm der Censor aus seinem Berichte ^Bikkurc-Haittim- IX, 14, gestrichen, hat er in seinem „ Jalkut Jaschar-, Göns 18T>4, S.SGff., abgedruckt.