Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 10.1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Abraham Jagel's Katechismus Lekaeh-töb, ein Beitrag zur Geschichte des jüdischen Religionsunterrichtes. Die Geschichte des jüdischen Religionsunterrichtes beginnt erst mit der Mendelssohn sehen Zeit. Religionsunterricht in unserem Sinne setzt noch einen Unterricht in anderen Erkenntnissgebieteu voraus, neben welchem er einhergeht. Diese Voraussetzung fehlte aber bei den Juden in der vonneiidelssohnseheu Zeit, aller Unterricht ging da von der Bibel aus und entfernte sich nur selten voll dem Boden der Religion; man kann daher von einem eigentlichen Religionsunterrichte iu dieser Zeit kaum sprechen. Demgemäss fehlte es damals fast fiberall an jeglichem HülhV mittel zur leichtern und schnellem Aneignung dieses Unterrichtsstoffes, ohne dass dieser Mangel sich irgendwie fühlbar machte'). Da die ganze Unterrichtszeit der Aneignung dieses einzigen Uiitem'chtsstoiVes gewidmet war. so waren sogenannte Hand- und Lehrbücher vollkommen überflüssig. Erst in der niendelssohn'schen Zeit, wo man die Jugend in die allgemeine nationale Bildung einzuführen begann, regte sich das ßedürfniss nach Lehrmitteln für den Religionsunterricht, um diesen Gegenstand in kürzerer Zeit bewältigen z^i können. Dennoch giebt es'ein Büchlein aus früherer Zeit, das von dem Verfasser in seiner Vorrede ausdrücklich für den Religionsunterricht der Jugend bestimmt wurde, und das daher von der Geschichte desjüdiseheiiReligionsunterrichtes berücksichtigt werden muss,— wir meinen das Lekaeh-töb von Abraham Jagel*)ben Chananja ausMonselise in Italien, das wahrscheinlich 15U.33)in der Officin des Juan di Gara in Venedig erschien und nachmals häufig übersetzt, erklärt und gedruckt wurde4). Indessen war auch dieses Buch nicht so sehr aus einem inneren Bedürfnisse der Juden hervorgegangen, als Vielmehr aus einem äusseren Anlasse. Schon D. Oppenheim5) bat in Hinblick auf unser Buch richtig bemerkt, dass es der allgemeinen Bewegung in dem Jahrhunderte der Reformation, welche in allen Kirchen zur strengen Formulierung des Glaubensbekenntnisses führte, seine Entstehung zu danken hat. Ein Blick auf die um diese Zeit schnell aufeinanderfolgenden Katechismen unter den christlichen Sekten genügt schon, um diese Vcrmuthuug zur Wahrscheinlichkeit zu erheben. 1529 erschien, nachdem bereits die Lehrbüchlein von Jonas, Rhegius, Melanchthon. Kreutz und Agricola vorausgegangen waren, der grosse und der kleine Katechismus Luthers, 153(1 der nach Luthers „Enchiridion" umgearbeitete Catechismus minor von Johann Brentz, 15G3 der Heidelberger oder Pfälzer Katechismus von Olevianus und Ursinus; und um die Schmach, wie Melanchthon in ') Die Lehrmittel, welche B. Srrassburgcr in seiner Geschichte der Krzichung etc. S. 277, 282 und 284 aus der vonueudclssohu'sclien Zeit aufführt, sind keine Lehrmittel für den Jugendunterricht. •) l'cber diesen Begleitnamen siehe Steinschneider, Hebräische Bibliographie XIX, S. 05. Ueber die nur spärlich bekannten Lebeusschiekpale des Verfassers siehe ib. XXI, S. 76. LVber die sonstigen Schriften desselben ib. und Catal. Bodl. 694 ff. Ileggio, Biccure-haittim IX, 14; Igroth Jaschar I, 21 ff. 3) Nach Bartoloccius, Bibliotheca magna rabbinica, Horn 1675, S. 20", So. 65, was schon deshalb wahrscheinlich ist, weil J. d. Gara der hebr. Druckerei in Venedig von 1573—1600 vorstand, und weil der Verfasser sein Buch Joseph de Fano, dem Günstlinge Vinccnz Gonzaga^ (vgl. Kmek habbacha, übers, v. Wiener, S. 127) widmete, der erst 1587 nach dem Tode seines Vaters, des Herzogs Wilhelm von Mantua, zur Regierung kam. Vgl. auch Steinschneider, H. B. XIX, 55. A. 2. *) Ueber diese späteren Ausgaben vgl. Catal. Bodl. 1. c. « *) II. B. VII, 19 ff.!•