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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1891-01-01 · 9.1891 · page 14

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
9.1891
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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— 15 — stehen sie nur im Sinne des Hedactors im oben abgegebenen Zusammenhang, und nicht an sich; und darum könnte der erste Teil des Spruchs als störend, da er auf einen ganz anderen Gedankengang hinwies, ausgelassen wurden sein. Dass aber der Spruch ursprünglich den Sinn hatte, den ich ihm beigelegt habe, geht aus V. '11 sehr klar hervor, und wie er vorn verstümmelt ist, so wird er auch seines Endes beraubt sein. Denn wahrscheinlich enthielt er weiter in kür/.ster Form, was das Gebet V. 28—53 ausspricht. Ich mache mir wenig Hoffnung auf Zustimmung zu meiner Conjeetur. Ks ist mir wolbekanut, wie schwierig es ist, Lücken auszufüllen, wenn nicht besonders günstige Verhältnisse obwalten, wenn sogar der Zusammenhang nicht einmal einen unbestreitbaren Gedanken, der zu erganzen ist, erraten lässt, ja sogar die Lücke selbst bezweifelt werden kann. So scheint mir zwar die LXX im»»ier besondere Beachtung zu verdienen, wenn ich auch die Meinung zurückweisen muss, als böte sie ^überhaupt den besseren Text"4. Dies scheint mir eben so wol für ausgelassene oder überschüssige Stellen der Fall, wie au«-h für einzelne Lesarten. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass weder die hellenistischen Febersetzer in allen Büchern der Bibel dieselben waren und nach derselben Methode verfuhren, noch auch ihre hebräische Vorlage und unser überlieferter hebr. Text in allen Büchern gleich gut oder schlecht ist. In Hüeksicht auf einzelne Wörter will ich nun einige Fülle aus dem I. Buche Samuel besprechen, nachdem ich nur noch wiederholt daran erinnert haben möchte, wie. getreulich uns die Mafsfsora in den wiederholt vorkommenden Stücken die Varianten erhalten hat, fern von jeder Gleichmacherei sowol die Consonanten (rr,Z-2) als die Vokale (X'",f~) lediglich nach der Ueberlieferung festhaltend. So liest sie Sam. ü,3i die Consonauten migdol und 'l> IS magdil. Diese treue Pietät kindlicher Naivität, die gerade das tut, was wir heutige Philologen fordern würden, scheint mir rührend, oder, wenn dieses Wort unpassend scheint, eine uns höchst willkommene Tatsache. Man wolle auch folgendes nicht übersehen. Kein Buch unserer Bibel hat einen so. fehlerhaften Text als das 1. Buch Samuel. Woher dies? Weil dasselbe von Anfang an schlecht redigirt, darum überarbeitet und entstellt ward, aufserdem weil schon der Kedactor seine Quellen nicht immer verstanden hat, die Abschreiber seine Worte noch mehr misverstanden und durch schlechte vermeintliche Correctureu noch mehr voll dem authentischen Text entfernt haben (oben S. 1). Darum sind hier die kleinen Mittel der Text-Kritik, wie Buchstaben-Verwechslung u. dergl., ganz unfruchtbar, und Vermutungen über die Lesung eines Wortes leicht gemacht, aber unerweisbar'1). Darum .stimme ich allerdings meist für den mafsfsoretischen Text und komm» selten über den Zweifel hinaus zu einem bestimmten Ansatz. Man muss der Gefahr entgegen arbeiten, dass der alte Aberglaube an den mafsfsoretischen Text in den neuen Aberglauben an den griechischen umschlage. Ich beginne mit zu welchem Verse Thenius bemerkt: „Auch die eifrigsten Verteidiger der Unversehrtheit unseres Textes müssen in dies-.'in cap. eine Lückenhaftigkeit desselben anerkennen, indem die im folgenden cap. (Vers 4. f>. IL 18) vorkommenden C^ZZ'J gar keine Beziehung hätten, wenn dieselben nicht in unsrem cap. und wahrscheinlich in diesem Verse erwähnt worden wären. LXX gibt uns den ursprünglichen Texf. Danach sei in unsrem Text dem b*. Verse zuzufügen: r.~i~; r-c rc\"*.£ v*.ri Z*~ZZ'J V?J ro>"X "yrri Dies heisst: Thenius hat den Text geuau so misverstanden wie die Uebersetzer und wie diejenigen Schreiber, welche in 0,5 CT«\~2'cn y~\$r> PN eingeschoben habeirr Merkwürdiger Weise fehlen in LXX ß, * die Mäuse, das. s und n die Beulen. Indessen hat schon Hitzig bemerkt: „Die Maus ist das Bild der Beulen,* was nun wol nicht ganz richtig ist. Aber die Maus ist hier jedenfalls Idofs symbolisch. Man denke an den A pol Ion Smintheus, den Mäusler. Die Maus war auch dem indischen Uudra geheiligt, der, wie Apollo, ein Heil-Gott war. Aach im deutschen Märchen und Aberglauben spielt die Maus ,:') Text-Acudcruugen aus Teudcuz, wie sie Geiger mit Vorliebe aufsucht, hat er sogleich im 1. cap. des 1. Sam. mehrfach in der LXX nachgewiesen (V. 21. --'2.21). Ob in solchen Fällen der hellenistische Uebersetzer seh«« einen geänderten hebräischen Text vorgefunden, oder ob er zwar untern Text vor sich hatte, aber eine abweichende Ucbersetzung geben zu müssen geglaubt hat, ist wol kaum sicher auszumachen, aber, auch völlig gleichgültig.

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