Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 9.1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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— 11 — so, wie jemand verfährt, der .sich von einer Tatsuche unterrichten möchte und dazu die möglichen Zeugen abfragt, und die Angaben der vertrauenswürdigsten Zeugen als wahr annimmt. Nicht einen authentischen Text herzustellen, ist ihre Absicht; sondern nur den Text einer bestimmten Phase, etwa den von 100 post. Chr. — aber ohne diesen Unterschied zu sehen. Es scheint zwar, dass die Mafsfsoreten ihr Qere oftmals nur aus Mss. hätten gewinnen können. Doch könnten alle diese Fälle lediglich auf Erinnerung der Lese-Kundigen beruhen. Sie lesen statt des Ketib rsOT Jer. 15, 4 u. ö. rng,. aber hissen jenes Jcs. "28, VJ unverändert, weil es ihnen, meine ich, so vorgelesen war. Das Ketib np*s? 'I J)2,6 lesen sie ~r6)j;, aber lassen jenes Hiob 5, ic. Das K. \$T33 Xum. 1, ig wird 'Wp gelesen; aber das. 20, y ist das K. Wip, und sie lesen ^xnp. Sechs mal findet sich das K. ra? (Jer. 4», 3». 2«.), n. Ez. 16,5:1. 39,25. Job 42,10. Thren. 2, n)' und sie lesen r^ir, umgekehrt findet sich vier mal pnes? (Ez. K>, 5:1. Zeph. 2, t. 6 85,2. 12(5, *) und sie lesen rrzz\ „Jer. 15), 23 gibt das Q. r^r-r statt des gewöhnlichen r^n? un K.B, was nun auch unsere Grammatiker dazu sagen mögen. (Olshauseu S. 203 „ohne Zweifel in Xachahmuug jener Formen rn?] und rbn:, statt deren man, wie hier, eine Form mit dein SulT. der 1. prs. sg. Tb~: erwarten durfte." Ebenso Stade, Gramm. S. 183),—danken wir der Treue der Mafsfsoreten; aber nicht den Mss. haben sie ihre Ueberlieferung entnommen, sondern dem Gedächtnis der Vorleser. Ebenso wo es sich um Eigennamen handelt, wie z.B. 2. Sam. 13* wo das K. "vrver, das Q. "TifTO bietet An alles dies, da es ja für den Sachkenner nur Bekanntes enthält, sollte blofs erinnert werden, um folgendes Verhalten zum mafsfsoretischen Texte und dem der LXX zu rechtfertigen: Gesetzt, es sei den Mafsfsoreten gelungen, den Prototypos, der, ihnen doch nicht mehr vorlag, vollständig und genau wieder herzustellen und auch die begründetste Vocalisation der Consonanten zu finden: so ist doch, wie wir wissen, keine Handschrift ohne Fehler und gelegentlich hat eine im Ganzen fehlerhaftere die richtige Lesart oder eine Lesart, die zwar nicht minder falsch ist, aber das Richtige erkennbar durchscheinen lässt. So dürfte denn unter allen Umständen die LXX immer für die Constituirung des Bibel-Textes von Wichtigkeit sein. Auch Geiger verhält sich derselben gegenüber in dieser Weise. Obwol er den mafsfsoretischen Text „im Allgemeinen für den richtigem" hält (Urschrift S. DD), und der LXX Text-Aenderungen aus Tendenz (Urschrift S. 77) und aus halachischer und haggadischer Auffassung, zum Behufe von Ausgleichungen, in Rücksicht auf die Ehre Israels oder auf Decenz, endlich aus Misverständnissen zum Vorwurf macht (Xächgel. Schrift IV. 70—82): so erkennt er doch an: „Sie hatten offenbar alte Lesarten, von denen viele mit dem Samaritaner übereinstimmen" (das. S. 79) und wenn er sich nicht immer „für die Ursprünglichkeit derselben entscheiden mag", so „bleibt doch eine grofse Anzahl von Stellen, in denen sie uns kritische Führer sind" (das. 80—8217) Es bedarf also jeder einzelne Fall einer besonderen Erwägung; aber wie kein Glaube au die Mafsfsora, den Olshauseu endgültig verurteilt hat, so darf auch kein Vorurteil für die LXX entscheidend sein. Immerhin muss man bedenken, dass, so sicher der homerische Text eines Zenodot (3. Jh. ante Chr.) schlechter war als der eines Herodian (2. Jh. post Chr.) eben so sicher der Bibel-Text in ungefähr denselben Jahrhunderten und darüber hinaus verbessert und nicht verschlechtert worden ist. , Vorzugsweise scheint miraber hier die Warnung nötig, sich durch die leichtere Lesart der LXX nicht verführen zu lassen Die Mafsfsora mag zuweilen sei es Sinnloses, sei es Ungrammatisches bieten — seien wir ihnen dankbar, dass sie nicht conjicirt haben. Die LXX, weil sie Uebersetzung war, musste einen erträglichen Sinn herstellen und tat es oft durch Conjectur, wodurch der Fehler des Textes verklebt, aber nicht geheilt ward. Die sogenannte niedre Kritik darf nicht ohne Rücksicht auf die höhere geübt werden, wie sehr auch letztere wieder von der erstem abhängig sein mag. So will nun z. B. Stade (Geschichte des Volkes Israel L 212) in 1. Samuel 10,21 7) Ich habe ebenfalls schon einmal auf die LXX gestützt eine Correctur der Mafsora gewagt (Zcitscbr. f. Yölkerspyeli. XII, 287), indem ich Deut. 1, 23 le-cn will c;\~X und zZ22b statt des niass. v/r»» und 1533*7. Die Rede des Volkes schliej-st mit dem Worte e,l?>. Das Folgende spricht Mose. 2*.