Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 9.1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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— 10 - scheinlich. Es gab aber in Jerusalem nicht blofs eine Schreiber-Zunft, sondern auch Correctoren (]w;c), welche aus der Hebe der Tempelhalle (rCw'rn rcTrc) ihr Honorar bezogen (Keth. 106a). Das waren doch also geradezu angestellte Beamte. So war in Jerusalem das Handschriften-AVesen gut organisirt. Diese Organisation dauerte solange, als es in Judäa Könige gab; denn jeder die Regierung neu antretende König musste eine Abschrift des Pentateuchs anfertigen lassen, die unter Leitung od?r auf Befehl des grofsen Senats nach dem Tempel-Codex eorrigirt ward. Letzterer muss vorhanden gewesen sein, solange der Tempel bestand; denn aus demselben las der Hohepriester am Versöhnungstage den betreffenden Abschnitt dem Volke vor (Kelim 15, 6). Wie alt dürfte dieser Pmtotypos aller Bibel-Codices gewesen sein? Jedenfalls nicht filter als der Abschluss des Canon. Wenn er nun aber auch von späteren Entstellungen des Textes frei geblieben sein mag: ward er beim Tempel-Brande gerettet? lag er etwa den Mafsfsoreten vor? Schwerlich; oder vielmehr gewiss nicht! Und bei allem diesem hat es sich nur um den Consonanten-Text gehandelt. Wie stand es mit der Lesung N"y£? Auch diese Tradition1 war organisirt: es gab eine besondere Zunft von Bibelkundigen (Nj2, Leser), deren Aufgabe die richtige Bibel-Lesung war, wie es auch eine Zunft gab, welche Halachot (Mischnajot) im Gedächtniss aufzubewahren hatte bevor dieselben aufgeschrieben wurden. Von dem Qarä ward verlangt xpviz \TTC^ "•N^: {*r,vTX ^p", dass „er den Pentateuch und die Propheten und die Schriften exaet (3~». ii ä'/.vyi'zzazvj) lesen" könne (Qidushin 40). Auch nach der Zerstörung Jerusalems gab es doch sicherlich immer noch dem Tempel- Codex gemäfs corrigirte Handschriften. Beim Gottesdienst durften nur revidirte Manuseripte benutzt werden, und selbst zum Zwecke des blofseu Lernens ward eingeschärft, dass man sich eines revidirten .Exemplars bediene. Indessen „neben solchen waren die gewöhnlich eursirenden Exemplare sicherlich sehr willkürlich behandelt und sachlich vielfach mit Zusätzen versehen, überarbeitet und sprachlich verwildert; nur der geringere Teil diesei Corruptelen drang tiefer ein und erhielt sich trotz später scharf geübter Kritik" (Geiger a. a. 0. 07 f.); aber „soweit nicht frühere Umgestaltungen schon zu tief sich festgesetzt hatten, als dass die ursprüngliche Lesart zu ermitteln gewesen wäre", und soweit ferner nicht falsche Conjecturen durch falsche Voraussetzungen veranlasst wurden, ward ein viel correeterer Text hergestellt, der nicht, etwa das Erzeugnis eines Geschlechts oder Jahrhunderts ist; sondern die Mafsfsoreten setzten ihre Bemühungen um einen authentischen Text Jahrhunderte lang fort, „unbekümmert um den talmudischen Abschluss" (Geiger das. S. 100), bis in das 10 .Ih. Wie es scheint, (so nahm auch Olshauscn an) legten die Mafsfsoreten sogleich bei Beginn ihrer Arbeit eineu Codex zu Grunde, der sich durch Alter und die Autorität des Mannes und der Familie, aus deren Händen er stammte, eines besondern Ansehens erfreuen durfte. Die Lesarten, die er bot, wurden zwar für unantastbar gehalten; aber durch gewisse Zeichen, wie durch Punkte über gewissen Consonanten u. a.T ward die Richtigkeit derselben geleugnet/) Andrerseits musste mau sich bei „den Lesern* (diese S. oben) erkundigen, von denen doch auch der Eine meiu Vertrauen verdiente als der Andere. Ich denke mir also die Bemühungen und das Verfahren der Mafsfsoreten, um alles das herbeizuschaffen, was zum Behufe der (xipc)-Lesung zum Codex noch hinzukommen musste, etwa ,7) Vergl. zum Obigen nicht blos Geiger's „Urschrift-, .sondern auch seine Vorlesungen in den Nachgelassenen Schriften IV. „Der Text der biblischen Bücher- S. IS—54. — Die Wort-Abteilung scheint in dem von. den Mafsfsoreten zu Grunde gelegten Codex nicht nur durch die Schluss-Form der Buchstaben theilweise gegeben gewesen zu sein, sondern vielmehr durchweg irgend wie angedeutet Welchen Sinn hätte sonst z. B. die Bemerkung der Mafsfsora zu 2. Sam. 5,2 k*2V> ~>?r-, da man ja, wenn diese Wortteilung nicht vorgelegen hatte, ohne weiteres hätte '£.n theilen können. Nun scheint mir allerdings die Bemerkung der Mafsfsora hier nicht ganz richtig. Man könnte, scheint mir, annehmen, vor jtTW; sei irrtümlich ein rt ausgefallen. Denn die 2. pers. perf. wird im dritten Cap. (wie auch 10, n) nicht durch einfaches;% sondern geschrieben: 3, i nnSQ» 24 nr.'tt*?« ^ur *n dem aben Klageiiede steht V. 3« rhzi>