Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 9.1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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— 8 — nun so die Vereinigung Samuels mit Saul zu einem Contlict umgeschlagen, »1er zugleich benutzt ward, um den Untergang Sauls zu motiviren, so versuchte ein anderer Erzähler, die Entzweiung noch früher, kurz nach Sauls Erwählung zu setzen und in ganz sinnloser Weise herbeizuführen (13.7 — n)- Auf dritter Stufe ward Samuel zum Republikaner und Gegner des Königtums (c. 8), dies aber wol erst zur Zeit SerubabeFs. Hiernach muss ich nun schon mit Entschiedenheit den Satz hinstellen: nicht eine Geschichte Samuels ist die Aufgabe; sondern die Geschichte der Samuel-Sage. Den Anfang dieser Sage kann ich nicht bestimmen. Zuerst (c. '.)) erscheint Samuel als ein unbekannter Seher, der allerdings in einem engen Umkreise sehr angesehen ist. Solcher Seher wird es tatsächlich in Israel zur Zeit, als Saul auftrat und vorher, unzählige gegeben haben. Ob unter diesen sich einer Namens Samuel irgendwie ausgezeichnet hatte, gleichgiltig wann er gelebt hat: wer kann das wissen? aber es könnte sein. Und weil also im Volke von einem berühmten Seher Samuel die Rede war, so nahm das erwähnte Märchen die bestimmte Form an, dass Samuel der Seher war, zu dem Saul kommen musste, um eine Krone zu erhalten. Als später die Vorstellung herrschte, jeder König müsse gesalbt sein, so galt nun Samuel als derjenige, der die beiden ersten Könige gesalbt habe. Sauls Unglück und die Vernichtung Silos diente der Erhöhung Samuels, bis dieser zur Stufe eines Elija (I2,i; ff) ja eines Mose (7,»—12, l'2,:i—.-,) gedieh. So war er denn auch liichter geworden, und als solcher musste er gesiegt haben, aber nicht wie die anderen Richter, sondern durch das Gebet. So ward er ein Heiliger neben Mose und Ahron (Ps. (.)i),t)). Hatte er aber Könige gesalbt, und hatte er geopfert, so musste er auch priesterlichen Charakter haben, so geriet er als Kind zu Eli nach Silo, und es bildete sich die Geschichte von Samuels Geburt und Kindheit im Gegensatz zum Hause Elis, und die Chronik endlich (1,k,u.is) gibt ihm einen levitischen Stammbaum. Der Gegensat/., in welchen Saul zu Samuel versetzt worden ist, erklärt auch den merkwürdigen Umstand, dass l.ao der Name Samuel durch eine Etymologie erklärt wird, die gar nicht für diesen, aber wol für Saul passt, auf welche ausserdem schon V. 17 angespielt ist, worauf V. 27 zurückweist, und 28 heisst Samuel geradezu Saul vY? "3Wi2\ Man wollte also, so scheint mir, mit all dem andeuten, Saul sei zwar der vom Volke „Geforderte" gewesen, Samuel aber der echte Saul, der Gott „Geweihte." II. Unser hebräischer Bibel-Text und die LXX mit besonderer Rücksicht auf das erste Buch Samuel. Der uns vorliegende l) hebräische Text beruht auf einer dreifachen Ueberlieferung aus dem Altertum: 1. auf der sichtbaren Ueberlieferung der Handschriften. Dieselbe bot aber ursprünglich nur den consonantischen Text, mit welchem allerdings durch den Gebrauch des 1 und* auch die Vokalisation in bestimmten Fällen schon gegeben war. Diese Ueberlieferung hiefs im Talmud moo *)• ») „Vorliegende* ist nicht ganz richtig; wir haben noch keine vollständige Ausgabe des Bibel-Textes, welche genau nach der Mafsfsora eingerichtet wäre. Doch dürfen wir hoffen, dass uns die Gelehrsamkeit des Herrn S. Baer, wie wir derselben schon einige Bücher der Bibel verdanken, nachgerade sammtliche Teile der-, selben in mafsfsoretischem Texto liefern werde. -) Dieses Wort ist zu lesen fPCO mnf-trrä. (und nicht mv.jnra); es i.st gebildet wie rP£2» rP?2 (Bleek- Wellhausen S. 567, Olshauscn § 183 d), und so lautet auch die übliche Aussprache der Juden (s. Pirke Aboth 3,11 in den jüdischen Gebetbüchern), während rrCÖ im Hehr, gar keine Analogie fände. Denn das in Ez. 20, 37 vorkommende P^CC ist ein ganz andres, von einem andren Stamme (-^N) abgeleitetes Wort mit andrer Bedeutung.