Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 9.1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Abner\s Zureden? Gleichviel — jetzt erst erobert er Jebus und baut daraus Jerusalem, uud nun wendet er sieh ernstlieh gegen die Philister in mehreren Kriegszügeu. Was vorher von seinen Kämpfen gegen die Philister erzählt ist, überhaupt wie Dawid zuerst mit Saul in Berührung gekommen sein soll, ist ungewiss. Sein Kampf mit Coljat ist reiner Mythos — um so bemerkenswerter, weil er in den nordisch-isländischen Sagen sein übereinstimmendes Seitenstfick findet. Wenn aber Dawid Grofses vollbracht hat, eben die Schöpfung Judas, wozu das Buch Samuel nur dunkle, offenbar vom Bedactor nicht mehr verstandene Andeutungen gibt: so hat vielleicht auch Saul mehr geleistet, als von ihm erzählt, wird. Geiger (Xaehgel. Sehr: IV. '202 ff) hat eine wahre Kettung Sauls versucht, welcher ich mich jedoch nicht völlig anschliefsen kann. Die Ammouiter hat er mir abgewehrt, die Philister nicht bewältigen können, die Amalekiler höchstens so gedemütigt, wie ein solches Xoniadenvolk es werden kann. Emilien' scheint es, und Geiger sucht es mit guten Gründen zu erweisen, dass Saul Gibeon, Kephira, Becroth und Kirjat-Jeariin erobert habe, und dass sich auf diesen Kampf das alte Lied Jos. .10,12—ia beziehe. Hieran mag etwas, mag viel sein. Klar wird leider die Sache nicht. Mein „leider" bezieht, sich auf die schreckliche Erzählung 2. Sam. *21,i—u. AVenn kein Bundes-Verhältnis zwischen Gibeonitern und Benjamin bestanden hat, wenn Gibeon kurzweg eine kanaanitische Stadt, war: welche Veranlassung konnte vorliegen, dass ein Priester, dem die Gibeoniter als Tempeldieuer untergeben waren, sagen konnte, diese heischen Bufse? Was Geiger sonst noch von Verdiensten Sauls um die Cultur und Religion sagt, scheint mir ganz unhaltbar. — Vielleicht zeigt sich eiu religiöser Fortschritt in der Tatsache, dass das Volk den durch einen Schwur des Vaters und Königs dem Tode geweihten Jonathan „auslöst" (14,*:,). Wie fand diese Auslösung statt? Jefta konnte seine Tochter nicht lösen — warum nicht? Dass Jonathan unwissentlich den Schwur des Vaters verletzt hatte, wird nicht als Grund der Lösung angeführt, konnte es auch nicht sein. Ich komme jetzt auf Samuel und auf Sauls Verbindung mit demselben. Geschichtlich ist an derselben durchaus nichts, folglich auch nichts an dem Zusammenhange Dawids mit Samuel. In denjenigen Kapiteln, welche die ältesten, treuesten Berichte enthalten, ce. 11, 13, 14, 17—27 bis 2. Sam. e. 5 wird Samuels nicht gedacht,7) soviel Veranlassung auch dazu gegeben war; Saul und Dawid, so oft sie Gott befragen wollen, wenden sich nicht an Samuel, von ihm erbitten sie sich nicht Bat; sondern sie wenden sich an den Priester mit dem Efod. Die erste Verbindung Sauls mit Samuel ward in der Volkssage dadurch vollzogen, dass das weit verbreitete Märchen von einem jungen Manne, der auszieht, um eine Kleinigkeit zu suchen, aber eine Krone gewinnt, auf Saul, den ersten König, übertragen ward. Dieser Anfang ward auf zweiter Stufe von der prophetischen Sage fortgesponnen, zuerst in dem Zuge gegen Amalek. Diese Sage hat uns den schönen Spruch 1/>,-_••„'f. erhalten1"), obwol au unrechter Stelle; als ob es sieh nach Samuels Befehl nicht auch um ein (.'herein, d. h. Schlachten und Opfern, gehandelt hätte.'') War 7; Denn in 11, 7 sind die Worte ^x'CI? "\~}0 spät eingeschoben, wie.auch 10, is—24, das nur eine Variante von 10, io— in ist Audi von Nathan und Gad kann historisch nicht die Rede sein. Wo. waren deun diese Propheten 2. Sani 21, \'i Sie hätten doch diesen Graue!, der im Namen Jahwe'* vollzogen ward, unmöglich veranlassen oder auch nur dulden können! Sie lebten eben imch nicht; d. Ii. man kannte den wahren Jahwe noch nicht und befand .-ich noch im lleidenthum. Uud so liegt wirklich eine Kutschuldigung Dawids in der Parallele, welche Stade (a. a. 0. I. S. 271) in dem Verrate, den der Archon von Athen Megaklcs gegen die Kyloniden beging, und in der unter Solon's Mitwirkung erfolgten Bestrafung desselben, herbeibriugt «) Diesen Spruch, eiue Umwandlung von Hos. 0, r zu einem Hiegendeu Worte, übersetze ich: „Besser ist Gehorsam deuu Opfer, besser Acht haben als Fett der Widder." Das Wort y.\Z in der Mitte kann weder Attribut von ni: sein (weuu auch Mafsfsora und LXX es so nehmen},'weil es sinnlos ist, noch kann es Prädicat zu ™3P sein, denn dauu niQsste es voranstehen. Also nehme ich es als Prädicat zu rcpr.Sj und ergänze ein ausgefallenes z"C Vür >Cf. 1*"« Verbindung von mit n^j ist in Rücksicht auf V. s>. 15 gemacht. ») 1"), 2:1 heifst es von Jahwe rrt? S1? und V. 35 en* ,T..Tl Wenn man mit mir die geschichtliche Existenz Samuels (d. h. eiues solchen Sarauels, wie er uns vorgeführt wird) völlig leugnet, so kann schon deswegen Num. 24, ih Samuel uicht genannt sein. Aber auch wer die Tötung des Agag durch Samuel für geschichtlich nimmt, möge bedenken, dass Prophezeiungen immer so taktvoll gemacht werden, dass bestimmte Nomina proprianicht genannt werden. — Ebenso wenig kann von irgend einem Einflüsse Samuels auf die Prophctie die Rede sein. Was man damals, zur Zeit Sauls, da Samuel gelebt haben soll, unter einem Nabi verstand, zeigt ja klar Ii». 24.