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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1891-01-01 · 9.1891 · page 5

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
9.1891
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ganz nichtssagend und schwerlich aus der Situation heraus gedacht: „Meldet es nicht in Gat, in Askalon." Wer soll nicht verkünden? — In V. •.»:» erscheinen Saul und Jonathan nicht wie Vater und Sohn, sondern wie Freunde! Sollte erst später die Sage den Jonathan zu Saul* Sohn umgeschatVen haben, um seine Liebe zu Dawid um so edler erscheinen zu lassen? Hierzu kommt, dass 1. Sam. 13.2. wo Jonathan zum ersten Male erwähnt wird, er nicht Sohn Sauls genannt ist. Die* geschieht, erst 13,22 und H.i was sich freilich auch anders erklären lässt. — Verdächtig ist auch V. 2t. Nach der Erzählung, wie sie uns das Ilnch Samuel von Saul bietet, ist es ganz unglaublich, dass er die Töchter Israels „lieblich in Purpur gekleidet, auf ihr Oewand goldenen Schmuek gelegt" habe. So glücklich war Saul nicht: und der (ledankc ist für Dawid zu kleinlich; die Aufforderung „weinet* ist höchst fibei llüssig und passt gar nicht zu den Ausrufungen „wie..." und „wehe ist mir um dich, mein I.ruder Jonathan! Du warst mir sehr lieb!"* stammelnde Accente tiefster Innerlichkeit!*) 1 Es scheint mir aber ferner, als ob Dawid sich vor allem ein grofses Verdienst erworben , habe, von dem das Buch Samuel kaum eine Andeutung enthält, nämlich: den Stamm Juda. als welcher dieser sonst gedacht wird, und als welcher er später ein Königreich für sich bildet, erst geschaffen zu haben. Von solch einem Stamme war in der ganzen Kichterzeit noch gar keine Kede. Etliche unter sich nahe verwante und den israelitischen Stämmen nicht fernstehende Geschlechter wohnten im Süden unter und neben fremden Geschlechtern, staatlich und social auf niedrigem Standpunkte. Aus einem jener ersteren Geschlechter stammte Dawid. ein Betlehemit: ihm gelang es, die Bewohner ailer jener südlichen Städte, welche 1. Sam. 30,2.;—:; 1 genannt werden, worunter namentlich Hebron, Keniter und Jerachmeeliter, zu einem grofsen Stamme „Juda" zu vereinigen.5) Demnach scheint die Situation folgende gewesen zu sein. S;inl halte sich bei Gelegenheit der Bedrängnis der Stadt Jabes durch die Ammoniter aus eigener Machtvollkommenheit erhoben, der drängenden Pflicht folgend, ein Mann zu sein, wo ein solcher erfordert, aber sonst nicht, vorhanden war (1. Sam. 11). ganz wie alle Richter vor ihm. Niemals aber ward er von ganz Israel als König anerkannt;") wenigstens hatte er nie königliche Macht auch aufserhalb des kleinen Benjamin, welches kananäische Feinde in nächster Nähe hatte, und dazu den Einfällen der Philister ausgesetzt war. Von Efraim und den Xrd- und Oststämmen nicht unterstützt, konnte sich Saul auf die liinge seiner Feinde nicht erwehren. Dass er trübsinnig ward — was Wunder? Wenn nun Dawid, tapfer und schlau, unter den Augen der Feinde Israels, der Philister, sich ein Heich zu schallen suchte: so lässt sich wol annehmen, dass auch dies von Said, auch sonst schon melancholisch, nicht ohne Besorgnis mit angesehen ward. AVer bürgte ihm dafür, dass nicht er selbst das erste Opfer würde, wenn es Dawid geläuge, sich eine Macht zu erwerben? Dies könnte die historische Grundlage für die Feindschaft zwischen Saul und Dawid abgegeben haben, auch den Versuch Sauls erklären, Dawid au sich zu ziehen. Ks hat sich entschieden viel Mythisches au Dawid angesetzt: er ist eine ganz apollinische Gestalt geworden: Hirt, Krieger und Sänger; musisch, tapfer, listig, Muster der Freundschaft, weiberlustig, grausam, dankbar, demütig, mild. So hat er Juda geschalVen und Israel gewonnen und grofs gemacht. ,Wie dies im Einzelneu geschehen ist: wer will dies heute sagen? Wie mochten sich Efraim mit den nördlichen Stämmen entschließen, Dawid als ihren König anzuerkennen? auf ') Wenn es noch uötig wäre, zu beweisen, dass am Schlüsse unseres IJedes ~~r.V" *Sr -Krieger'* bedeutet (und nicht „Kriegs-Gerftt*), so würde ich Arnos <*>,.*> eitiren, wo ms* nicht Musik-Instrumente bedeutet1, sondern Musiker, wenigstens wenn man Johlsons Uebersetzung aunehmen will. Ks scheint mir aber in der Tat wenig passend, hier an Erfindung von Instrumenten zu denken: rl>ie zum Klang der Harfe faseln, dünken sich Musiker wie Dawid." Allerdings wird -jen sonst nicht so eonstruirt. Was hat wol die TAX an dieser -stelle gelesen? 5) Es war Wellhausens erste Tat (in >einer Doetor-Dissertation, Gotting«'!! 1870, Ar .jmtibn* rt familiü Jwlaei«), die Zusammensetzung Juda's aus verschiedenen Elementen dargelegt zu haben. Vergl. Stade, Geschichte des Volkes Israel l, S. 157—151). Ich muss mich aber hier gegen ein Missverstandiiis verteidigen. In der Philologie kann allemal ein Gegenstand für verschiedene Disciplinen belehrend sein. Wie viele Interessen kann eine antike Münze befriedigen! Und ebenso Namen: der Eine lernt aus ihnen Mythologie, der Andre Geschichte, ohne dass sich beide im mindesten widersprächen. a) Ii, n heifst es von Saul, er habe „die Herrschaft errungen"; also ist sie ihm nicht übertragen. Auch 10, 27 spricht deutlich.

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