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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1891-01-01 · 9.1891 · page 4

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
9.1891
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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IRI
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dieser Proeess schon weit gediehen (G, 5), zur Zeit Jesaja's hatte er schon seine volle Höhe erreicht (9,i—7, 11,1—5). Zwei Geschlechter aber reichen hin, um historische Persönlichkeiten völlig sagenhaft auszugestalten, und während die Sage wächst, ist die (leschichts-Kuude in Gefahr, sieh immer mehr zu verflüchtigen. Ich muss an Karl den flrofsen erinnern. Er lebt geradezu doppelt: einmal geschichtlich, nach den glaubwürdigsten Schriftstellern, und einmal sagenhaft; die Geschichte und die Sage aber von Karl berühren sich kaum. Man sieht hier auch deutlich, wie schwer es ist, aus Sage Geschichte zu machen, wenn letztere schweigt Der Dawid des zweiten Buches Samuel gleicht ganz dem schwachen Karl dcrrSage, der unaufhörlich in Kampf gegen seine Vasallen liegt. Dass sich Absalon gegen den Vater Dawid empörte (wie Karl Aelmliehcs begegnet ist), ebenso Adonija, ist sehr glaubhaft; aber die Beschreibung, die 2. Sam. 17,** gibt, „ein Held, grimmiges Gemütes, wie ein Bär, dem man die Jungen genommen hat* passt gar nicht auf Dawid. Er ist überhaupt kein „Kriegsmann",' er schickt seinen Schwestersohn Joab in den Kampf, wie Karl den seinigen, Roland.*) In das unglückliche Familienleben Dawids ist ein religiös sittlicher Pragmatismus hineingebracht worden durch die Erzfihlung vom Urias-Briefe. Historisch wird sein, dass eine Gattin Dawids Bat-Seba geheifsen habe, welche die Mutter Salomos ward. Wie sie aber zu Dawids Gattin geworden ist, wissen wir nicht; denn die Erzählung von der Weise, wie sich Dawid in sie verliebt habe, ist physiologisch unmöglich, und der Urias-Brief war schon von Prötos, König von Tiryns, erfunden, ura Bellerophon zu verderben. Dawid konnte unmöglich, auf dem Dache seiner Zionsburg wandelnd (:>. Sam. 11, u) eine Dame in der untern Stadt (das. V. 8 ff.) also ziemlich fern, im Bade sehen, so sehen, dass er sich in sie verlieben konnte. Und war es denn Sitte in Jerusalem, dass die Frauen so öffentlich badeten? — Diese Sünde Dawids sollte durch blutige Streitigkeiten in-der'eigenen Familie bestraft werden (das. 1*2,10). Als wirkliche Ursache oder Veranlassung zu diesem Familien-Unglück wird das Benehmen Amnoifs gegen seine Halbschwester Tamar angegeben — eine Sage, die lediglich eine Nebenform des arabischen Mythos von dem Isaf und der Näila (Wellhausen, Reste arabischen Heidentums S. 73) ist. Des eigentlich Geschichtlichen, das uns beide Bücher Samuel zusammen erzählen, dürfte sich auf ein einziges Blatt schreiben lassen; es ist wenig und dürftig. Der Rcdactor wollte uns nicht historisch belehren, sondern ein Refigions-Buch geben. Dafür bin ich ihm beinahe dankbar. Das Einzelne über Dawids Kriegszüge hätte mich wenig interessirt; aber die Parabel des Propheten Xatan voir dem Lamme des armen Mannes (2. Sam. 12) mit dem niederschmetternden s^xn npsc gehört in die Welt-Literatnr. Die eage Verknüpfung der Anfange Dawids mit dem Ende Sanis mag historisch begründet sein; so wie uns erzählt wird, kann der Verlauf nicht gewesen sein. Was über die Eifersucht Sauls gegen Dawid erzählt wird, ist alles echte Volkssage. Saul hatte keine Zeit, sich so viel um den Abenteurer Dawid m köatrneru, der ihm ja gar nicht schadete. Das Lied: „Saul hat seine Tausende geschlagen, Dauid at*er seine Myriaden" kann unmöglich zu Sauls Lebzeiten gedichtet sein; denn was eiu Krieger tut, wird seinem Könige angerechnet, damals wie' heute, in Israel wie unter den europäischen YiEktra. Abner und Joab erhöhten den Ruhm ihres Königs; so David den Ruhm Sauls. Erst als Da<sri*l König geworden war, konnte man ihn mit Saul vergleichen und, ohue ungerecht gegen Sa«! zu seiu, dessen Verdienst gerecht würdigend, David doch höher stellen. Hier ist auch Dawids Klagelied über das unglückliche Eude Sauls und Jonathans (2. Sam. 1,19—27) zu erwähnen. Man muss es wol für ein Lied Dawids halten, so lange es nicht möglich ist, sich einen anderweitigen Dichter vorzustellen, der es gedichtet haben könnte.3) Ob es aber nicht Aenderungeu, Einschiebungen erlitten hat, ist vielleicht eine müfsige Frage, weil sie nicht exaet zu beantworten ht. So will ich nur zwei verdächtige Punkte bemerken. Sogleich V. 20 ist ») Da ich in der Zeitecbr. t Völkerpsych. V, '23 Roland für völlig sagenhaft erklärt habe, so muss ich wo! hier ausdrücklich bemerken, dass ich dies in Bezug auf Joab nicht kann. Wo uns so wenig Geschichte überliefert ist, kann man auch der Sage nur wenig aneignen. 3) Geiger, Nachg. Sebnftes IV, 203 meint, unsre Elegie sei bei Sauls Fall gesungen worden, nur nicht von Dawid. Später seien die Verse sc. 27 hinzugefügt, um das Lied dem Dawid anzueignen.

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