Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 9.1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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vird nicht nur in den folgenden Büchern fortgesetzt, sondern es hängt auch sowol tatsächlich, als auch nach der ausgesprochenen Ansicht und Tendenz nach vorn mit den Richtern zusammen. AVenn dieses Buch die oft höchst bedrängten, innner wenigstens ganz unsicheren Zustände des Volkes in der Richter-Zeit darstellt und mit dem Satze schliefst: „In diesen Tagen gab es keinen König in Israel; Jeder tat, was ihm geöelu: so ist hiermit das Thema unseres Buches Samuel deutlich genug bezeichnet: das Aufkommen des Königtums und die dadurch bewirkte gröfsere Sicherheit im Bestände des Volkes und zugleich höhere Sittlichkeit. Diese Tendenz, wird auch in unserem Buche entschieden ausgesprochen!>,»<"> f. u. ü. Nun aber wiederspricht es ganz entschieden dieser Tendenz, wenn Samuel e. 8 eine Rede gegen die Einsetzung eines Königs hält. So ist das Buch Samuel entstanden, und die Kritiker waren schon rüstig dabei die Quellen-Schriften zu sondern, und jedem Stück seinen Ursprung zuzuweisen. Woher aber flössen jenen Schriften die Quellen zu? Diese Frage ist ja dem Historiker noch wichtiger. Es handelt sich ja für ihn darum: welcher Erzählung ist eine geschichtliche Thatsache zu entnehmen? wie viel ist Geschichte, und wie viel ist Sage? Thenius unterscheidet: 1 A. Stücke, die kurze Zeit nach den betreffenden Vorgängen aufgezeichnet waren, 1. unmittelbar nach denselben, 2. etwas längere Zeit später. B. Stücke, in denen mündliche Ueberlieferungeu enthalten sind: 1. treue, 2. minder treue, 3 beträchtlich alterirte. Dies ist ein ganz allgemeines logisches Schema, das von Thonius, wie mir scheint, mit geringem historischen Takt ausgefüllt worden ist. Man könnte meinen, die strenge Methode fordere, dass man sich zunächst darauf beschränke, die Stellen in unserem Buche zu bezeichnen, wo der Ton der Darstellung sich plötzlich ändert und der Gang der Ereignisse nicht gerade und widerspruchslos vorschreitet, wo also der bisweilige Erzähler aufhört und ein anderer beginnt, der vielleicht vorher schon einmal das Wort hatte und es dann dem übergab, den er nun seinerseits unterbricht. Erst wenn diese Einschnitte sicher vollzogen seien, dürfe man zu tiefer eindringenden Fragen übergehen. Diese Forderung ist aber kaum theoretisch richtig, obwol gewiss jeder Kritiker so beginnen wird, weil er erst, nachdem er solche Einschnitte bemerkt hat, zu weiteren Fragen Veranlassung findet. In der Philologie aber sind nun einmal alle Fragen, die sich über ein Problem erneben, so in einander verschlungen, dass mau den Knoten nur löst, indem'man alle Fäden zugleich von einander bringt; denn, wie es gewöhnlich ausgedrückt wird, man bewegt sich immer in einem Kreise. Es kann also nur auf die Um- und Vorsicht ankommen, um den Bann des Kreises zu brechen; und weil man allemal in solchem steht, lässt sich eine Frage nur mit allen damit verbundenen Fragen beantworten. Schlimm ist es freilich, wenn des ^icht-GewuÄsien uud des Unsicheren so viel ist, dass der Knoten nur durchhauen werden kann, und man Vermutungen auf Vermutung bauen mus*. So scheint es mir nun vor allem nötig, über einen ganz allgemeinen Punkt klar zu sein, nämlich über die Möglichkeit der ganz verschiedenen Erzählungen, wie sie noch abgesehen von der Subjectivität der Erzähler (ihrer Parteistellung und ihrer Befähigung) in dem erzählten Stoffe objectiv gegeben ist. In dieser Hinsicht trete ich nun sogleich mit der Behauptung hervor, dass die Begebenheiten, welche unser Buch berichtet, noch gar nicht innerhalb der geschichtlichen Zeiten Israel» liegen, sondern noch in die Vorgeschichte fallen. Erst mit der Teilung des Reiches beginnt die Reichs-Chronik. Als Quelle für die Geschiehte Salomos wird 1. Kön. 11,4t ein Leben Salomos angegeben, das sehr wahrscheinlich existiit hat — bleibt nur fraglich, wann es verfasst war. Die Angabe der Chronik II, 9,29 ist so wertlos wie die über das Leben Dawids das. I, 29,*». Für Saal» und Samuels Leben wird nirgends eine Quelle angegeben. ' Es mag sein, dass schon unter Salomo eine hebräische Schriftstellerei begonnen hat, das* man bei Beginn der Reichs-Chronik nachträglich die Geschichte der drei ersten Könige, vielleicht aber auch nur erst Dawids und Salomos, geschrieben hat, und dass gleich mit der Teilung de» Reiches der Process der Idealisirung Dawids begonnen hat. Zur Zeit des Propheten Arnos war