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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1891-01-01 · 9.1891 · page 2

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
9.1891
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273563--0304-2274068
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Zur Geschichte Sauls und Dawids. Ein Beitrag zur Kritik der Bücher Samuel. I. Historische Betrachtung. Das erste Buch Samuel enthält äufsciTich die umfangreichste, innerlich die verschlungenste einheitliche Erzählung der Bibel. Dieselhe hat vier Helden; aher nicht nur sind die Taten und Schicksale derselben aufs engste mit einander verflochten, sondern die hervorragende Gestalt Samuels bildet einen Mittelpunkt, um den sich nicht nur während seines Lebens, sondern schon vor seiner Geburt und noch nach seinem Tode alle Begebenheiten drehen. Ks erinnert an dramatische Kunst, wenn Samuel, etwa wie Cäsar bei Philippi, noch nach seinem zeitlichen Ende wirkend und siegend vorgeführt wird; es erinnert an homerische Kunst, welche den grollenden, auf seinen Schiffen zurückgezogenen Helden Achilleus den Niederlagen der Griechen vor Troja zum Hintergründe gibt, wenn der trauernde Samuel bei Sauls anwachsendem Unglück beständig in Erinnerung gehalten wird. — So zeigen auch die Einzelheiten der Erzählung, namentlich in den Reden, die den Helden in den Mund gelegt werden, viele ergreifende Momente. AVenn man liest (c. lo,i): „Samuel sprach zu Saul: Mich hatte Golt gesandt, dich zum König über sein Volk Israel zu salben; und nun gehorche dem Worte Gottes* so steigt in unserer Erinnerung ein grofses Stück Weltgeschichte auf: der Kampf zwischen geistlicher und weltlicher Macht. Dennoch ist jene Einheitlichkeit nicht die künstlerische Conception eines individuellen Schriftstellers, sondern das nnbewusst gewordene Ergebnis der Sage, ähnlich wie alle epischen Einheiten, wejm man auch nicht leicht eine Epopö Huden wird, in welcher so viele Eäden so fest mit einander verschlungen sind. Auch scheint zwar und mag wol wirklich die Einheit unserer Erzählung anderer Art sein, als die .-«»nstige epische. Letztere beruht immer auf einer hervorragenden Tat. um welche sich wieder andere gruppiren. Im Buche Samuel ist es vor allem die moralische Wirksamkeit eines Mannes, welche alle Ereignisse beherrscht. Indessen bleibt doch erstlich überhaupt zu bedenken, dass unser erstes Buch Samuel, wie ich es oben charakterisirt habe, in solcher Einheit für sich niemals existirt hat. Es setzt sich in das >. Buch und selbst in die Könige fort; also war doch die Einheit nur tatsächlich, nicht beabsichtigt. Ferner aber zeigt unser Buch, wie es vorliegt, so viel klaffende Widersprüche in sich, dass diese keinem Leser entgehen können, wenn er nur bei der einen Seite nicht vergessen hat, was er auf der vorangehenden gelesen hat. Ein Schriftsteller lässt sich solche Widersprüche nicht zu Schulden kommen; dergleichen begegnet nur einem lledaetor, welcher unter dem Hanne der Autorität mehrer ihm gleich mafsgebend scheinender, aber von einander durchaus abweichender, Quellen-Schriften steht. Teils bemerkt er die. Widersprüche gar nicht einmal, teils sucht er dieselben, weil doch diese wie jene Autorität rechthaben müsse, durch kurze Einschiebsel auszugleichen, während er allerdings auch sich wol genötigt sieht, eine Stelle, die ihm mit anderen ganz unvereinbar scheint, ganz auszulassen, wodurch dann der Zusammenhang verdunkelt oder abgeändert wird. Das glaubt er im Interesse der Wahrheit tun zu müssen. Ein Ueberarbeiter der Schrift mag dann abermals nach seiner Ansicht sowohl manches auslassen, als auch manches aus unbenutzter Quelle nachträglich einschieben, wodurch neue Verdunkelungen, neue Widersprüche. — Ja, noch mehr: unser Buch ') "Vs* hat hier den Sinu des I'Ius^uamperf „ und y^'Z" ""t bedeutet nicht „hören*, sondern „auf jem. hören, gehorchen.* * l*

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