Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 8.1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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— 6 — Zeiten als Grundsatz, das* mau sich in zweifelhaften Fällen unbedingt an Jehudai halten müsse. Die „grossen Haidehofin welchen zum Theile Jehudais Decisionen aufgenommen Erscheinen, wurden bald als von den ältesten Lehrern überkommene, überaus gewichtige Lehrsätze angesehen.11) Auch für die Kunde der Zeit sind die Responsen und Sätze JeluidaTs von sehätzenswerther Bedeutung. .Sittheilen uns mit. dass JehudaT den öffentlichen Gottesdienst, soweit dieser von dem Vorbeter zu leiten ist. ordnete. Er übergab den Chasanim Gebetformelu für die Rüstabende der festlichen Tage.") Auf ihn ist der Ausspruch zurückzuführen, dass ein Vorbeter, welcher den Inhalt des Gebetes gut versteht, dem Unkundigen vorzuziehen sei, wenn dieser auch mit einer klangvollen Stimme begabt wäre.") Die pädagogisch bemerkenswert he Sitte, bei der Einführung des grossjährig gewordenen Sohnes in die Gemeinde ein Segenswort zu sprechen, während der Jüngling zur heiligen Rolle tritt, stammt ebenfalls von diesem Lehrer.1*) Die von einem Samaritaner eingegangene Ehe glaubte er als eine nach jüdischem Eherechte giltige ansehen zu sollen.1*) reher den Wein, welchen ein Perser berührte, von dem zu befürchten stand, er habe eine Libation vorgenommen, sprach er sich also aus: ..Die Magier haben wohl die muhamedanische Religion angenommen, und die Muhameduuer verwerfen den Genuss des Weines. Allein es giebt noch viele unter den Convertitcn, welche im Herzen der Lehre der Magier zugeneigt sind. Sie dürften noch während eines oder zweier Geschlechter in Glauben wanken. "*) Derjenige, welcher sich au seinen Nächsten vergreift, wird zu Stockstreichen, zu dem Einhalten ein monatlichen Fastens und dazu vorurtheilt, sich den Bart schecren zu lassen.'r) Der Gaon erklärt, dass es ganz unstatthaft sei, Eide aufzulösen, und selbst von Gelübden dürfte man nur dann entbinden, wenn dies zur Ausführung eines frommen Werkes ndthig wäre.1') Er traf die Entscheidung, dass mau dort, wo die Meinungen der Lehrer über den Sinn einer Schriftstelle auseinandergehen, sich an die Autfassung der aramäischen Uebcrsetzung zu halten habe.19) Als man, dem wissenschaftlichen Streben unseres Jahrhunderts folgend, sich auch der Ergründung der altem Quellen der religiösen Praxis zuwendete, waren auch die Lehrsätze Jehudais Gegenstand der forschenden Betrachtung. Nicht nur seine iu den ..grossen llalachot-' bewahrten Sätze unterwarf man einer Prüfung, es wurden auch die Reste der kurzen Ilaluchot, welche den Namen Jehudais oder seiner Schüler tragen, in den Bibliotheken abgeschrieben und herausgegeben. Es sind eben nur Reste und lässt >i<h nicht bei allen die Aechtheit beweisen und behaupten. Bei einem alten Schriftthum, welches nach seiner ursprünglichen Couception nicht mit Sicherheit auf den Meister zurückgeführt werden kann, und welches im Zuge der geonäisehen und spanischen Epoche so viel Nachahmung fand, mögen Abschreiber gerne Lehrsätzen, unter denen sieh einige Aussprüche Jehudais oder seine Responsen befanden, den Namen und die Aufschrift „Lehrsätze Jehudais'' gegeben haben. Von solcher Natur sind die in einem „Glossen und Responsen Melrs aus Rothenburg" enthaltenden Manuskripte der jüdischen Gemeinde zu Prag auf besonderem Blatte geschriebenen geonäisehen Lehrsätze umv Responsen. vor welchen am Rande des Blattes die Aufschrift „Kurzgefasste llalachot JehudaT Gaous" gesetzt ist.") — Von den llalachot, deren grösserer Theil uns als Antwort schreiheu vorliegen.'') können wir nur etwa 5 Jehudai zuweisen, dessen Ausspruch überdies indem letzten Responsum angeführt erscheint.") Einige der andern Sätze gehören späteren habytan&eheu Lehrern an. oder haben Verwandtschaft mit den Aussprüchen dieser Meister.215) Die Sprache jener Tage ist in den meisten der Sätze zu erkennen, nur bei sehr wenigen dürfte man vielleicht spätere Umschreibungen vermuthen.*1) Alle Lehrsätze, die wir im Urtexte und in sachlicher Uebertragung ihres Inhaltes folgen lassen, tragen das Gepräge des babylonischen Lebens aus dem Zeitalter der Geouen. I. Spricht von den Waschungen der Männer. Das Sturzbad wird dort empfohlen, wo das Tauch- oder Flussbad nicht in Anwendung kommen kann. Es ist, offenbar im Hinblick auf das muhamedanische Gesetz, hinzugefügt, dass man in dieser Form des Bades nicht die Nachahmung einer niehtjüdischeu Sitte finden könne. II. Führt uns, denselben Gegenstand behandelnd, in ein Badegemach. Wir glauben in der Besehreibung ein Schwitzbad zu erkennen. III. Giebt Antwort auf die Anfrage, wie diese Waschungen bei einem Kranken vorzunehmen seien. Auch im Koran wird dieser Fall erwähnt. Bevor die Waschung stattfindet, darf der Manu