Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 8.1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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llalachot JehudaTs aufgenoinmen. Doch ist es auch möglich, dass hier eiue unsichere Meinung vorliegt, wel-he einerseits in dem Umstünde ihren Grund haben kann, das* auch ausführlich gehaltene Hesponsen JehudaTs im Umlaufe waren, anderseits cursierten die kurzen llalachot JehudaTs unter vielfachen Namen, was die Annahme rechtfertigte, es lägen mancherlei Rezensionen dieser Sätze vor.4) Zweifel in dieser Richtung waren um so natürlicher, als JehudaT die genaue Textirung seiner llalachot nicht selbst besorgt hatte, da er erblindet war. Seine Schüler waren es, welche die gesammelten llalachot abschrieben und den fernen Gemeinden zusandten. Diese Abschriften scheinen nicht immer dieselbe Form behauptet zu haben. Man liest auch Zusammenstellungen der Aussprüche des Meisters in Gestalt von Qucstioneii und sehr kurzen, oft einsilbigen Hesponsen. Eine grössere Ausgabe der Lehrsätze trägt den Namen ..Der Schüler" Jehudals.') Die kurzen llalachot wie auch die Hesponsen JehudaTs wurden daher von den späteren babylonischen Lehrern mit Vorsicht aufgenommen. Bei aller Verehrung vor dem grossen Meister, dem man mitunter wie einst Habi Jehuda dem Fürsten die Bezeichnung ..der heilige und reine'" beilegte, glaubten die Lehrer der folgenden Geschlechter doch, sich die Sätze erst besehen zu müssen, welchen man die Autorschaft K. Jehudals beilegte.4) War schon die Art des Abschlusses und der Textirung der Lehrsätze JehudaTs, welche übrigens ebenfalls meist in einem leichten Späthebräiscu abgefasst sind, eine ganz andere als die der Mischua Rabbis.so blieb der Erfolg der geonäischen Sammelschrift weit hinter der Bedeutung des grossen im 'Liberias angelegten Werkes zurück. JehudaTs Texte bildeten niemals den Ilauptgegenstand der Verhandlungen des Lehrhauses und das Grundthema der sich emporschwingenden rabbiuischen Literatur. Die Entscheidung selbst, wie sie in den Sätzen des Meisters und in seinen den „grossen HaIachotu einverleibten Aussprüchen ausgedrückt erscheint, behauptete Ansehen und Berücksichtigung in den Kcspousen und Commeutarien. blieb aber doch nur ein, wenn auch bedeutungsvolles Beweismittel. Nicht zu oft erbat ein Fragesteller in einem Briefe an einen Gaon Aufklärung . über einen Ausspruch in den „grossen llalachot", viel seltener über einen Text in den kurzen Festsetzuii" 'Ii.7) Im praktischen Leben des Volkes gelangten sie zu einiger Bedeutung. Neben der Meldung des Fragestellers aus der Mitte des neunten Jahrhunderts, dass ein grosser Theil des Volkes sich an die kurzen llalachot halte, hören wir, dass es im Anfange des zwölften Jahrhunderts in Spanien Leute gab, welche sich niemals mit dem eigentlichen Studium des Talmuds befasston, die aber viele Hesponsen der Geonen und Aufzeichnungen der llalachot lasen und auf Grund dieser Entscheidungen trafen und Lrtheile fällten. Isac ihn Migasch respondirt, dass er ein solches Vorgehen gerade für angezeigt halte. Diejenigen, meint er, urtheilen unsicher und schwankend welche, ohne mit grosser Belesenheit und Geistesgewandtheit ausgerüstet zu sein, doch ein Urtheil aus den Quellen richtig schöpfen zu können glauben. Wer sich aber an die geonäischen Antworteu hält, dem ist Lob zu zollen, denn diese sind ..kurze Sätze", klar und bündig ausgesprochene Ansichten. *) Schon früher, in geonäischen Zeiten hatte man in den Stunden des Gottesdienstes mit anderen Poesien abwechselnd Zusammenstellungen religiöser Gebote vorgetragen, welche gerade für das Volk berechnet waren.*) Eine weit grössere Bedeutung hat JehudaT für die Entwickelung der ganzen Literaturgattung, für das llalachot-Schriftthum. Die Geonen wandelten in seinen Wegen. Sie alle schrieben llalachot. In eigenen zusammenfassenden Stücken oder im Anschlüsse an ihren Hesponsen formulirten sie den Brauch und den l'sus des (Tcsctzcs. Wir sahen, wie ein angesehener Lehrer Spaniens dies als die grosse Bedeutung des geonäischen Schriftthumes hervorhebt. Eine ganze Literatur der feststellenden Decision entwickelte sich nun, welche sich zuerst in kleineren Versuchen einzelnen Punkten des Gesetzes zuwendete, deren llalachot nebeneinander gestellt wurden, bald nachher bei Saadia und Hai zur systemvollen Ausbildung gelangte, um endlich in Spanien durch Alfassi und Maimun nach zwei Richtungen hin den Gipfel der Vollendung zu erreichen, während die deutsch - lotharingische Schule des 11. und l >. Jahrhunderts dem einfachen Aneinanderreihen der Lehrsatze, der ursprünglichen Form der JehudaTschen llalachot näher blieb.10) - Waren die Sätze JehudaTs für die Erklärung der älteren rabbiuischen Literatur und für die Behaudluug neuer Fälle und Fragen von nicht ausschlaggebender Bedeutung, so blieben seine llalachot doch immerhin für die Festsetzung der Praxis sehr wichtig uud es galt schon in frühen