Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 7.1889
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 14)
- Language
- German
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— 15 — Geld schuldig Wich. Rcsp. Ich glaubt«, dass der Vergleich, auf welchen Sin'on in Folge einer irripen Voraussetzung einging, ganz ungiltig ist. Doch muss man den Vergleich selbst genau prüfen. Hetrug die Forderung das Doppelte der Summe des erzielteu Ausgleichs oder mehr. so ist dieser nichtig. Simon leistet in Bezug auf die Höhe seiner Forderung den Eid und erhält dann die Bezahlung. Huben ist ja in diesem Falle unfähig, den Eid zu schworen, da er gerichtlich als Lügner befunden wurde. So urrheilte der Gerichtshof in Sura (vor mehr?) als vierzig Jahren. *3«I) Jacob vertauscht de» Garteu, de« ihm L<*a in die Ehe bringt, für das Feld des Chezron. Dieser giebt ihm ein Aufgeld. Lea willigt schweigend ein. Ihr Gatte lässt eine l'ikunde hierüber aufsetzen, Lea vollzieht aber die rechtlichen Besitzübertragujigsformen nicht. Das Feld verwendet Jacob dazu, das Stück in einen vorzüglichen Weingarten umzuwaudeln, dessen Flüchte er lange geniesst. Jacob, der aueh Rachel, die Wittwe seine.» kinderlosen Bruders: heimführte, stirbt. Lea sagt: „Ich muss das Feld, welches er umtauschte, in derselben Grösse, den mein ehemaliger (iarten hatte, erhalten-, Garte.igrösse und ein Fünftel desselben. R. Hat Lea die Ceberlassungsurkunde. die ihr der Hatte schrieb, in Händen, so zeigt dies, dass sie in den Tausch und in die Umschreibung willigte. Sic inu.-s jenen Thcil in dem umgetauschten Felde annehmen, den er ihr anwies. Ihr Einwurf, dass er ja das ganze "Feld für ihren früheren (Jarteu bekommen, und für die Auslagen seiner Aufbesserung längst Früchte genossen habe, ist hinfällig. Durch die Ausfertigung jener Urkunde ist erwiesen, dass er ihr diese Auslagen nicht nachsehen uud ihr auch nicht den ganzen Garten überlassen wollte. Allerdings muss das Ausmass des Stückes dem Ausmasse des alten Gartens gleich seiu, da dies iu der Urkunde so bestimmt ist. Wird aber die Urkunde nur von den Erben Jacob's vorgewiesen, und Lea schwürt im Wittweneide. dass sie mit dieser Festsetzug nicht einverstanden gewesen sei, so gehört der ganze neue Garten ihr. Man kann ihr nichts von den Auslagen, die Jacob für deuselbeu machte, abrechnen. Die Abfertigung, die Jacob der Tochter Lea's zuwies, ein Viertel Gartenmass und ein Fünftel desselben Mastes, gilt als Ausstattung. Die Kost bezieht sie von ihrem Bruder, bis sie heirathet oder grossjährig wird. "37) A. In der Ketuha einer Wittwe las man: »Ich habe meiner Frau N. 20 Goldstücke für ihre» Hausgebrauch und zur .sonstigen Verfügung zugewiesen.- Die Klage der Erben, dass der Gatte ihr demnach diese schon bei Lebzeiten bjar gegeben habe, ist nichtig. Wie die Ketuba selbst, so sind alle in diesen Ehepakten augeführten Bedingungen so zu verstehen, dass sie nach Auflösung der Ehe zu erfüllen und die Gelder auszufolgen seien. Allerdings kann iu dem Wittweneide der Punkt einbezogen werden, dass sie für diese Zwecke auch noch uichts bei Lebzeiten des Mannes erhielt. B. Die über die gesetzliche. Gebühr hiuaus erhöhte Summe der Ketuba kommt der Frau, welche dem Gatten die Ehegcmeinsehaft versagt, ebenso wenig zu, wie die Ketuba selbst. ~3S) A. Verfügt der Todtkranke über sein ganzes Vermögen, ohne etwas zurückzulassen, zu Gunsten seiner Gattiu «»der Seines Sohnes, und berücksichtiget die andern Söhne nicht, so wird angenommen, dass er den Sohn oder die Flau damit nur zum Vormunde bestellt habe. B. Wenn die Aeltesten wissen, dass Chezron Waare und Handel nicht versteht, und sein Schwager Lewi, den er sich zugesellt hat, den Garten Chezrons, welcher von ihm verkauft wurde, zur Zahlung seiner eignen Schulden verwendete, und zu besorgen steht, es könnte Alles bei ihm verloren gehen, da er keine Güter besitzt, um das Geld sicherzustellen, so ist Chezron, wenn es gewiss ist, dass er sich .selbst nicht vertreten kann, wie ein Minderjähriger zu behandeln. D;is Geld soll man auf Grundstücke ausleihen, *o dass Chezron die Früchte der Güter als Zinsen, unter jährlichem Abschlag eines Thcilcs des Zinsenwei thes von dem Kapitale der Hauptschuld, zugewiesen erhält. Mau gebe Chezrons Geld nicht Leuten in Handelsgesellschaft. Sie könnten ihm statt des Gewinnes Verluste verursachen. *3D) Di«* Wittwe des Kinderlosen ist verpflichtet, mit einein der ledigen Brüder desselben die. Leviratsehe zu schliessen. Da die Wittwe die Ehe mit einem Aroniden eingehen kann, so verliert sie, wenn sie das Eintreten in diese Ehe verweigert, de« Anspruch auf die Ketuba aus dem Gute des Verstorbenen. 40} Die minderjährige Waise, welche ihre Brüder mit Simon ehelich verlobten, kann, wenn sie auch schon in die Ehe trat, ihre Weigerung iu Bezog auf diese Ehe aussprechen. Tiitt sie dann, schon grossjährig geworden, wieder in Ehe mit diesem Manue. so innss die Form der Trauung nochmals vorgcimuitucn werden. Ebenso müssen die früheren Ehepakten nun «•«•der tu rechtlicher Form übernommen werden. r *41) Zwei Brüder wohnen in versdärdemn, zwei Tagereisen von einander entfernten Provinzen. Ein Bruder starb. Ein Posthumu-s, der nur etuen Tag M»te, wurde ihm geboren, sonst hatte er keine Kiuder. Nach sechs Jahren verlobte sich die Wittwe mit Simon aus einem andern Lande. Er sandte zu ihrem Schwager, dass er ihm berichte, ob sie besonders für Hm passe.' Sodann nahm er sie in die Ehe. Einige I,eute bemängeln die Ehe. Wir kennen die gesetzliche Bestimmung uicht. R. Da d»c damalige Lebensfähigkeit des Kindes in Zweifel steht, so muss sie die Chaliza an ihrem Schwager vornehmen. Ist sie, ohne d-.iss dies vollzogen wurde, in die Ehe getreten, muss sie ebenfalls die Chaliza vollziehen. Hat sie aus dieser neuen Ehe bereits Kinder gewonnen, so bleibt sie, um diesen keinen Makel anzuhaften, iu derselben. Ist dies nicht der Fall, so muss sie aus der Ehe treten. *42) Die Mutter der Gjährigen Waise Dina hat diese getäuscht und den 40jährigen Ruhen mit ihr die Trauung vollziehenlassen. Drei Jahre war er mit ihr. Er starb. Nun fällt sie zur Leviratsehe dem 50jährigen Schwager zu,\ler Weib uud Kinder hat. Wir schrieben schon darüber uud du, o Lehrer, befahlst, dass Dina als Minderjährige die Weigerung ausspreche, mit iüm in die Ehe zu treten. Der Weigerung «.rief wurde ausgeführt Als man ihn schrieb, sagte Diua: Ich halte von dem Nachlasse des Verstorbenen ein Pu?nale zu erhalten. Jetzt fordert sie es durch ihre Verwandten.' R. Wenn Rüben sie Verstössen haben würde, hätte sie das Ptenale erhalten.