Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 7.1889
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 3)
- Language
- German
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des Talmuds neben der aramäischen Redeweise der Schuldialektik erhalte« hatte, wich iu den Responsen der filteren (lernten der strengeren aramäischen Form. Aber gerade in den geonfüschen Briefen der späteren Kpoche gelangt der leichtere, hebräiseh-misehnisehe Ausdruck zur Herrschaft*). Ks war ein gutes Vorzeichen für die Kinheit der Kntwickelung der jüdischen Wissenschaft auf der iberischen Halbinsel, dass dort die ersten Meister der Gesetzeskunde ihren Aussprüchen eine Form zu geben wussten, welche sich, wenn auch oft in harten Redewendungen, doch in reinerem Klange der Xeublüthe der hebräischen Sprache anpasste. Damals hatte der Fürst Chasdai, am Hofe des Chalifen thätig und einllussreich. die Sprachforscher Menachem ben Saruk und Dunasch ihn Librat berufen. Zahlreiche Schüler sammelten sich um diese berühmten Grammatiker. Der poetische Brief tritt uns hier unter den rabbinischen .luden zum ersten male entgegen. Kr behandelt oft auch sprachlich ernste Fragen. Seine Form ist eine doppelte. Oft spricht sich der Gedanke in kurzen Sätzen aus, die der Keim au ihrem Ausklange «lern Hörer angenehm macht. In aller Zierlichkeit tritt auch die gebundene liede auf. welche das Versmaass nach arabischem Beispiel festhälte). Die Schrift stücke, welche von den ersten Gesetzeslehrern Cordobas auf uns gekommen sind, geben an gestaltender Abrundung. au Klarheit und Bestimmtheit, au logischer Folgerung und an sichtender Umschau den Ausführungen der Hebraisten wenig nach. .Mose b. Chanoeh, dessen Amtswirksamkeit etwa die Zeit von (.)48—i»70 umfasst haben dürfte f). hielt sich nicht nur an die Form der geistesklaren babylonischen Meister, er und sein Sohn pflegten auch die Kunde des alten Gesetzes nach allen Richtungen, in denen sie in jenen asiatischen Schulen ausgebildet und weitergeführt wurde. Die Krklärung der talniudischen Verhandlungen, die Festsetzung der gesetzeskraftigen Krgebnisse derselben und das Rcspnnsum bilden die drei Zweige der geonfüschen schriftstellerischen Thüfigkeit. In Spanien nahm Mose vor Allem die Krklärung des Talmud auf. „Wer in Spanien und im Abeudlamle Kenntnis* des Talmud anstrebte*, so berichtet Abraham b. David aus Toledo, der Historiker des, 12. .Jahrhunderts, „der kam in die Schule,des R." Mose". Als Ausleger einer verschlungenen Talmudstelle tritt dieser zuerst iu der Synagoge zu Cordoba auf. Für die ganze Richtung der spanischen Gesetzesichre der kommenden Jahrhunderte war es bestimmend, dass der Meister der Taimiuikunde dort die in Babylon übliche einfache, sachliche und schlichte Krkärungsweise des alten Schriftthums zur Geltung brachte, die sich von jeder Spitzfindigkeit ferne hielt, den gewundenen Knoten durch logische Folgerichtigkeit, «He Zweifel durch Beweisstellen aus der reichen Literatur zu losen suchte. Diese Methode war vor R. Mose in Spanien wohl wenig zur Anwendung gekommen. Der genannte Geschichtsschreiber erzählt, „dass damals die spanischen Juden in den Schriften der Rabbiner nicht belesen waren, aber das Wenige, welches sie wussten, unter Anwendung von Folgerungen und Schlüssen midrasehisch behandelten, den Gedankenllug hebend und senkend" s). — An der Schule, welche R. Mose begründet hatte, wirkte später dessen Sohn und Schüler R. Chanoeh, der R. Mose im Amte folgte, in dem Geiste desselben. Ein Schützling Chasdais, ward er von der ganzen Gemeinde anerkannt. Seine Amtsdauer währte, wenn wir den Tod Moses 1)70 ansetsen, von diesem Jahre bis 101*2. Einige Tage nach dem Herbstfeste dieses Jahres starb er. Aber noch in dem ersten Jahrzehnte der Waltung Chanoclfs, nach »lein Tode des Fürsten Chasdai, trat eine Spaltung in der Gemeinde ein, da ein Theil derselben an Joseph ihn Abitur hielt, der ebenfalls ein Schüler R. Mose's war. Die Sache kam vor den Chalifen. Dieser rieth R. Joseph, Cordoba zu verlassen. Der Lehrer befolgte den Wink. Noch einmal drohte der Streit, die Stellung Chanoch's zu erschüttern» als Jacob ibn Gau von Almanzor zum Haupte und Richter der Juden des Chalifats ernannt wurde. Jacob untersagte dem Lehrer jede richterliche Amtshandlung. R. Joseph wurde zurückgerufen, damit er das Rabhinat übernehme. Dieser aber lehnte ab, und bezeichnete Chanoeh als den Würdigsten, das Lehramt in Cordoba zu bekleiden. Xun blieb dieser unangefochten an der Spitze der Gemeinde h). — Während der langen Auitsdauer des Meisters erwuchsen unter seiner Leitung hervorragende Schüler; die Kenntniss der rabbinischen Schriften verbreitete sich im ganzen tande. Seine Methode war die seines Vaters. Die einfachen Erklärungen, welche Chanoeh zu jenen Talmudstelten giebt, die er in seinen Briefen als Beweise anführt, die ungekünstelte Art, mit der er Distinctionen aufstellt und Widersprüche löst, zeigt ihn als einen Lehrer, welcher die alten Sätze nicht nur mit klarem Auge durchdringt, sondern ihre Bedeutung auch gern mit wenigen, präeisen, genau bestimmenden