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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1888-01-01 · 6.1888 · p. Seite 7

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
6.1888
Date
1888-01-01
Page
Seite 7 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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— 7 — That geht es über diese» Form weit hinaus. Es geht auf die tahnudisehe Quelle zurück**), bespricht sämmtüche ihm bekannt gewordene, der Anführung nicht unwürdig gehaltene Autoren59), geht mit kritischer Schärfe auf die verschiedenen Aeusserungen ein, sucht auch falsche Lesarten richtig zu stellen, um ein Endresultat herbeizuführen, und darf als ein Zeugniss einer immensen Belesenheit, eines riesenhaften Fleisses und zugleich einer eingehenden Kritik seiner Vorgänger anerkannt werden. Daneben steht er philosophischen, überhaupt wissenschaftlichen Studien fern, vielleicht feindlich3") gegenüber. Er mag gleich Isak Arama (Chasut Kaseha) und Josef Jabez (Gr ha-Chajim) das grosse Unglück, das die spanischen Juden befruften, als eine .Strafe für Beschäftigung mit profanem Wissen betrachtet haben. Er hat daher die philosophischen und astronomischen Theile des Mischne Tora ohne Commentar gelassen. Aber bei aller Abgeschlossenheit von wissenschaftlichen Grundlagen ist doch, was Klarheit der Darstellung und Durchsichtigkeit der Discussion betrifft, die Nachwirkung der spanischen Schule nicht zu verkennen, und man darf wohl sagen, dass die Arbeiten seines deutsch-polnischen Zeitgenossen Moses lsserlcs in demselben Maasse unter den entsprechenden des Josef Karo stehen, wie diese selbst unter denen des Maimoiiides. Weit geringereu Werth als dem Bot Josef legten Karo und die orientalischen Gelehrten dem Schulehau Aruch bei. Karo selbst betrachtete dies Werk nur als einen Auszug aus dem Bet Josef, den er in verhältnissmässig kurzer -Zeit hergestellt hatte. Jomtob Zahalnn (in Constantinopel um 1600) meinte gar, das Seh. A. sei nur für Kinder lind LTngeIehrte gemacht; wenn das auch zu weit geht, so ist es jedenfalls nur als ein Compendium des Bet Josef zu gebrauchen (daher es auch oft "«spn 'O genannt wird) und zur Kepetition gut zu verwenden. Die Italiener Samuel Aboab in GA. Debar Schemuel No. 251 und Lamperonti in Pachad Jizchak s. v. meinen, dass Karo seinen Schülern die Zusammenstellung des Sch. A. auf Grund des Bet Josef überlassen habe und dass daraus die häufigen, kaum zu lösenden Widersprüche zu erklären seien. Im Allgemeinen hatte man, wie auch Josua Falk in seiner Einleitung zu dem c^JJ rrpxs 'D (V"DD) ausführt, gegen das .Studium des Sch. A. dasjenige einzuwenden, was gegen den Gebrauch einer nzbn rpiDS gesagt zu werden pflegt3'); gewiss hat Karo davon keine Ahnung gehabt, dass in den Jahrhunderten nach ihm das Schulchan Aruch zu einer ersten Autorität erhoben und von einer so .mächtigen Schaar von Commentarien umgeben werden würde. Moses Isseries hat dafür gesorgt, dass der sich meist an Maimonidcs. anschliessende Gebrauch der Orientalen nicht denjenigen der europäischen Juden ganz verdecke. Noch weniger aber hatte Karo eine Ahnung davon, dass schon eine zweite Generation ihn unte/ die Kabbalisten einreihen werde, wie ein solches Schicksal ihm durch das ihm angedichtete Maggid Mescharira bereitet wurde. In keinem Literaturgebiete fehlt es an Pseudonymen Schriften, aber nicht immer sind sie der Art, dass sie das Bild, das wir von dem Autor anderswoher und aus seinen authentischen Werken haben, zerstören oder doch verwirren. Julius Cäsar auch als Schriftsteller bleibt uus derselbe, wenn das achte Buch des De hello gallico von ihm ist, ebenso Naehmanides, wenn der Commentar zum Hohcnlicde von ihm sein sollte. Aber der Sänger der Ilias und der Odyssee wäre uns ein Anderer, wenn er auch die Batrachomyomachie geschrieben, oder Mamionides, wenn er Verfasser - des Megalie Amukot wäre. Freilieh ist bei Maimonides der Betrug leichter zu erkennen, während Karo es sich gefallen lassen musste, weil man ihm das Maggid Mescharim beilegte, ein Kabbaiist, ein Schwärmer, ein Mystiker zu sein. Von allem dieseu ist nicht die Rede. Er selbst zunächst giebt in seinen umfangreichen Schriften nicht den mindesten Anlass dazu. Einfach, durchsichtig, nüchtern, bis zur Trockenheit, ist für ihn die Herausstellung der Halacha das einzig zu erstrebende Ziel. Er bringt Stellen aus dem Sohar an,

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