Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 6.1888
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 4)
- Language
- German
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Gegenwart die Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt? Bei Entscheidungen über Mein und Dein galt freilich das pre s6i pyc xb HCÖr. ^rs „von Traumen ist keine Entscheidung herzuleiten"1'), welchen Satz K. Moir überhaupt seinen Handlungen zu Grunde legte11'). »Sonst unter- — hielt man sich mit Erzählungen von der Wunderkraft des Traumes, da man ja selbst im wachen Zustande durch die — einer höheren Eingebung zugeschriebene — Erinnerung an Bibelstellen (Midr. Echa 1, 1(5. Gittin *>7b) «der Sinnspruche (Taanit *24b) seine Handlungen bestimmen Hess. Es kam auch vor, dass.man nach einer getroffene» Entscheidung sich im Traume auf eine Bibelsteile hingewiesen sah, wie z. B. dem IJ. Safra mit Spr. :!;>, '20 (C'hulliu 183a) und dein viel spateren Elieser b. Xatan Ol«"*) unt Arnos (J, 1 erging. Derartige Vorkommnisse können möglicherweise aus einer lebhaften Beschäftigung mit dem Gegenstande, die wohl bis in das nächtliche Traumleben reichte, erklärt werden; vielleicht Hesse sich das auch bei den Worten des David b. Simra (riT) (JA. Xo. '2'2Si> \2%b~2 ^srn geltend machen, wenn auch die Berührung auf rr?2p ^2 diese Rechtfertigung verdächtig macht13). Denn schon inv Anfang des 13. Jahrhunderts (fast gleichzeitig mit dem Tode des Maimoiiides) sucht Jakob aus (. orbeil (oder DT.CC) Entscheidungen durch Befragung der obersten Instanz „des Himmels" herbeizuführen. Seine C'Ctt'n je rvTO', abgedruckt am Ende <ler GA. des David h. Simra (Livorno 1818 fol.), sind ein sprechendes Zeugniss von der durch den Druck der Zeit und den Mangel philosophischer Bildung herbeigeführten Abwendung von den talmudischen Grundsätzen. Diese Anfragen winden durch ascetische IVbuugen und mystische Beschwörungen eingeleitet, haben aber nicht die Halacha gefördert"), da ihr Ergebnis.? doch nur aus menschlichem Wissen hervor geht. In der Mehrzahl der Fälle wird dem „den Himmelt Befragenden mit einem «der mehreren Bibelversen geantwortet, deren nicht immer zweifellose Anwendung auf die gestellte Frage an die Antworten des delphischen Orakels erinnert; hat ja der Fragende selbst einmal die Antwort nicht verstanden und noch einmal fragen müssen (Xo. 10). In seinem naiven Glauben scheut sich der Verf. auch nicht, auf eine mit besonderer Feierlichkeit au Gott gestellte, die Tefillin betreffende Frage, zu hören, dass Gott mit seiner Umgebung rh?o bv) nicht einerlei Ansicht sei (Xo. 8). In seinem vor mehr als vierzig Jahren erschienenen Buche „Zur Geschichte und Literatur" hat bekanntlich Zunz zumeist den literarischen Leistungen der deutsch-französischen Juden aus dem Mittelalter seine Aufmerksamkeit zugewendet, aus ähnlichen Intentionen, wie diejenigen, denen seine Jugendarbeit, die älter ist als sechzig Jahn*, „Salonio b. lsak genannt•'Raschiihren Ursprung verdankt. Ks bedarf keiner Anerkennung meinerseits, dass die Darstellung dieses Literaturgebietes eine mustergfdtige ist, wie .<ie nur von einem Zunz herrfihren konnte, und dass sie des Dankes aller Freunde der jüdischen Literatur in hohem Masse würdig ist. Aber man lasst es an der dein hochverdienten Meister gebührenden Verehrung nicht fehlen, oder man darf es als sein eigenes Urtheil ansehen, wenn man es ausspricht, dass die Leistungen der spanischen Juden weit über denen der deutsch-französischen sjehen15). Thatsache ist es, dass — von Poesie und Philosophie zu schweigen — für die Kenntnis.? der hebräischen Sprache in Frankreich und Deutschland fast nichts, im Verständniss der Heiligen Schrift wenig im Vergleich mit den spanischen Autoren geleistet worden. Das gilt nicht bloss von dem letzten Jahrhundert, das den Juden in Spanien gegönnt war, und das immerhin noch einen Albo, Josef b. Schemtob, lsak Arama, lsak Abravancl erzeugte, sondern auch darüber hinaus, in den von den Vertriebenen aufgesuchten Zufluehtstattcn in Afrika und dem Orient"). Auch dorthin drangen noch einzelne Iiehtstrahlen aus jener Zeit, welche das allgemach hereinbrechende Dunkel erhellten17). Auch in denjenigen Kreisen, wo man mit Ausschluss aller wissenschaftlichen Disciplinen sich blos mit den nationalen Studien, ja blos mit der Darlegung der Halacha beschäftigt, ist der Einfluss der besseren Zeit noch auf zwei