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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1888-01-01 · 6.1888 · p. Seite 4

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
6.1888
Date
1888-01-01
Page
Seite 4 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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— 4 — Je mehr seit dem vierzehnten Jahrhundert trotz des Widerspruches Verständiger in Folge der sieh immer trüber gestaltenden Zustande kabbalistische Lehren Anklang und Verbreitung fanden, desto mehr galt es, berühmte halachisehe und philosophische Autoritäten als der Kabbala zugänglich erscheinen zu lassen. Man dichtete dem Gaon Saadia abergläubische Schriften an, wie D^DlVsn |2N (Stein der Weisen). rnVrc 'C (Loosebuch) u. dgl. Besonders galt es die Hochburg der philosophischen Auffassung der Hagada, wie sie in Maimonides gipfelt, für die Kabbala zu erobern. Ein ehrlicher Kampf war es, den neben den französischen Gelehrten ein Mann wie Moses Tachau gegen die Schriften des Maimonides führte; sie waren beschränkt aber aufrichtig. Schemtoh b. Schemtob, Verfasser des Emunot, glaubt wenigstens an alte Kabbalisten, die freilich nur in den Köpfen gewinnsüchtiger Betrüger oder phantastischer Träumer existirten. Aber der Italiener Botarel erdichtet mit Bewusstsein, und kaum dürften dem Schemtob ihn Gaon, Verfasser des Migol Os, der sich sonst des Maimonides gegen Abraham b. David annimmt, mildernde Umstände zuzugestehen sein, wenn er von den „kabbalistischen Neigungen des Maimonides in seinen letzten Lebensjahren" spricht. - Die mehr oder minder ausführlichen Belehrungen von Seiten der (leonim, welche bekanntlich die ergiebigste Quelle für unsere Kenntniss der Entwickelung des Talmudstudiums und für die Kunde ihrer Zeitgeschichte bilden und die noch nicht alle gesammelt sind1), werden wohl mit den Worten eingeleitet: i:\x^ ~\2 „so entscheiden wir", dir» sich aber auch zu i:tot? "p oder ijHm ~p und noch ferner zu DCtß'n p WN"V. *p erweitern. Der Gaon versteht unter solchem Ausdruck keine unmittelbare göttliche Eingebung, sondern nur eine Andeutung, dass die Fähigkeit, verwickelte Themata zu lösen, einer auf den Schöpfer zurückzuführenden Begabung verdankt werde. Auch wenn Abraham b. David in seinen Glossen zu Sukka (Lulab) sagt: rv22 tnpn nr» JTEVi "CD CTCtiTi ]C TOI Cip^i .... lybvrA cvr ~i22? i:ä~hc, und ähnlich zu Bet ha-Bechira C>, 14: Vüüb Tl. ,l? rhu "p,- so wird uns die rulunrcdige Umschreibung der angeführten gaonäisehen Redeweise im Munde des selbstbewussten Mannes nicht gerade "Wunder nehmen, wie auch Karo zur erstgenannten Stelle andeutet; Nachmanides lässt sich dadurch nicht abhalten, seine abweichende Ansicht auszuführen. Der Talmudismus verträgt überhaupt nicht göttliche Eingebungen für religions-gesetzliehe Bestimmungen, nachdem einmal das „Gesetz" abgeschlossen worden. nr»J?E "Cl VTft *N£"1 ^"IS „Kein Prophet hat seitdem die Befugniss, ein neues Gesetz einzuführen"). JT^"'1 "^Cfi? ,N CVfXtn nh N:n"-{ s6 rPCB'C p p „Bei Gott, wenn wir Josua Sohn Nun (der unmittelbare Schüler des Moses) in seinem (nicht des Moses) Namen das sagte, ich würde ihm kein Gehör schenken T).u So wird ja das NM CW2 iö (Deuter. 30, 12) seit 'der bekannten Geschichte B. Mezia äi)b gedeutet, und auch sonst kommt man im Talmud gern auf diesen Grundsatz zurück. — Ebenso ungern wollte man dem Propheten Elia, diesem deus ex machina der Hagada, eine entscheidende Stimme in zweifelhaften oder durch den Gebrauch festgestellten Dingen zugestehen"). Daher muss aueh Maimonides in der Einleitung zur Mischnah und in Jesode Tora J), 4 den Propheten, der ein an sieh richtiges Gesetz für eine göttliche Offenbarung ausgiebt, in seiner unerbittlichen Consequenz als einen falschen Propheten des Todes schuldig erklären. Neben dieser verständigen Anschauung des Talmud NM s6, die freilich auch, wie wir eben gesehen, in ihrer starren Consequenz zu harten, glücklicher Weise nur Theorie gebliebenen Folgerungen führte, ging die in Träumen gefundene Entscheidung einher. Der Traum ist dem Talmud eine niedere Stufe der Prophetie9), in welcher Anschauung er durch mannigfache Stellen der Bibel bestärkt wurde. Aber auch ohne diese, warum sollte man dem Traumleben nicht eben so Beachtung schenken, wie es das ganze klassische Alterthum that10), und wie es bis in die

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