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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1888-01-01 · 6.1888 · page 2

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
6.1888
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273557--0205-2273966
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Josef Karo und das Maggid Mescharim. In meinem „Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur" S. 40(i habe ich die Ansicht ausgesprochen, dass das Maggid Mescharim nicht von Josef Karo herrühre. Die Anlage jenes Buches Hess es unthunlich erscheinen, Beweise für die IVudonymität mehr als anzudeuten, und ich benutze gern die sich mir darbietende Gelegenheit, über diesen Gegenstand mich weiter auszusprechen. Es war mir damals unbekannt,' dass Kapoport in seinem Aufsätze über Di bv2 TNO ,m\ in Kobalts Jeschurun derselben Meinung über das M. M. gewesen, und es ist mir noch jetzt unbekannt, ob und bei welchem Anlass Bapoport diese seine Meinung und zugleich die Behauptung, dass der eigentliche Verfasser des M. M. Salomo Alkabiz sei, weiter ausgeführt hat. Es wird Niemand Wunder nehmen, wenn man von einem kabbalistischen Buche aussagt, dass es nicht von demjenigen Autor herrührt, dem der Verfasser selbst oder seine Nachtret er es zugeschrieben haben wollen. Auf keinem Gebiete der jüdischen Literatur — auch die karäische nicht ausgenommen — ist die Pseudonyniitfit so an der Tagesordnung, wie in der kabbalistischen. „Seltsamer Weise" bemerkt schon Zunz1), „ist der Name Kabbala, der nur dem Ueberliefertcn " . ¥ ' gebülirt, einer Weisheit verliehen worden, in der Alles jung und neu, und jeder Autor nur ein Ueberlieferer der eigenen Ideen war." Die Seltsamkeit geht freilich, abgesehen von den unter sich differirenden Grundsätzen'-), in das Gebiet des Erklärlichen über, wenn man bedenkt, dass, um den neuen Ideen irgend welche Achtung zu verschaffen, es nöthig war, sie einer alten Autorität oder auch wohl der direkten Lehre seitens eines Engels zuzuweisen, von wo aus eine ununterbroihene Uelierlieferung sie der Veröffentlichung zugeführt hat, sei es auch im Widerspruche mit anerkannten talmudisrhen Lehren. Die lleihe solcher alten Autoritäten beginnt, da sie nicht früher beginnen konnte, mit Adam, dem Vater des Menschengeschlechts, und mit Abraham, dem Vater des israelitischen- Volkes. Diesem Patriarchen ist in Folge dessen eine Stelle unter den hebräischen Autoren bei J. A. Fabricius und J. Chr. Wolf eingeräumt worden,' welche tleissigen Bibliographen übrigens auch Isak und Jakob nicht vergessen haben. Diejenigen, -von deren schriftstellerischer Thätigkeit die biblischen Bücher_selbst berichten, sind von dieser Falschmünzerei wenig betroffen worden; denn die Schriften, welche den Namen Salomo's tragen, werden in der jüdischen Literatur gar nicht oder doch nur im Vorbeigehen erwähnt. Dagegen haben hervorragende Tannaim, wie Nechonja ben Ilakana, Jose, Ismael ben Elischa, Akiba, Simon ben Jochai, es sich gefallen lassen müssen, als Autoren von Werken, die Jahrhunderte, ja, — wie es bei dem Sohar der Fall ist —. mehr als ein Jahrtausend nach ihnen entstanden sind, genannt zu werden; ein Schicksal, das dann Amoraim und Geonim thcilen mussten.

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