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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1887-01-01 · 5.1887 · p. Seite 13

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
5.1887
Date
1887-01-01
Page
Seite 13 (sequence 12)
Language
German
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— 13 - habend, durch Einfügung griechischer Zusätze oder geradezu durch Ersatz eines hebräischen Wortes durch ein entsprechendes griechisches die Sache deutlicher und verständlicher zu machenV glaubte, lässt sich begreifen. Was sollen aber in der hebräischen Version die vielen aus dem\ Original stehen gebliebenen arabischen Worte und Sätze? Handelt es sich um termini technici, dann könnte es noch den Sinn haben, dass der Verteilt seine Uebertragung legitimiren wollte. Welchen Zweck aber hätte es, dass beispielsweise ]x nn N^X hunderte Male durch >d n&nn Nbn übertragen, einmal unübersetzt geblieben ist? Das Gleiche gilt von jnd v?, ticmntt. EpD. sirw und ähnlichen Gerinfügigkeiten. Was sollen die arabischen Sätzlein, die bisweilen unübersetzt geblieben, bisweilen aber übertragen sind? Zwei Annahmen, zusammengefasst, vermögen diese Erscheinung zu erklären. Zunächst muss als an das historische Moment, an den propagandistischen Eifer gedacht werden, den gerade die Schule Jeschuha b. Jehuda's an der Scheide des 11. und 12. Jahrhunderts entwickelte,, um den Karäismus von Jerusalem aus nach dem Westen zu verbreiten. Es musste mit Hast und Schnelligkeit das gesammte karäisch-arabische Schriftthum, ins Hebräische übersetzt, den Emissären in die Hand gegeben werden. Auf Eleganz der Diction kam es dabei nicht an, wenn der Stoff nur beherrscht wurde. Das Horazische „Nonum prematur in annum" konnten die propagandistischen Vertenten im Interesse ihrer Secte nicht gelten lassen; darum sind ihre Erzeugnisse so jeder Feile, bar geblieben. Zur vollen Erklärung aller Absonderlichkeiten der karäischen Uebersetzungsliterätur jedoch tritt aber noch ein zweites, philologisches Moment. Es drängt sich uns nämlich die Vermuthung auf, dass die hebräische Uebersetzung des ^nno — und ähnliche Versionen — interlinear gewesen sein dürfte. Das angeführte historische Moment erklärt aber auch das oben beleuchtete eigenthümliche Gebahren Tobija's mit dem Texte der letzten Capitel des "»Inno. War der Hauptzweck karäischer Vertententhätigkeit der, den Emissären allen bedeutsamen Stoff der arabischen Literatur ihrer Sectengenossen zu übergeben, so kam es weniger auf die Form an, unter welcher dies geschah. Der bedeutendste Verteilt, Tobija, legte auch zugleich Compilationen an, in welchen er grosse Stücke der karäischen Meister übersetzte und zusammenstellte. Auch, wo Tobija sich "iDlon nennt, d. h. Verfasser des Buches, wie in der Nachschrift zu M. S. Neubauer No. 290 ist er im Grunde doch nur der CJebersetzer, p^njJOH. Wenn er nun in seinen compilatorischen Werken ic'ru und i^c: rowo die Eschatologie gründlich behandelte und die Ansichten Josef al-Basir s unter Nennung des" Namens mit dessen eigenen Worten anführte, so glaubte er, im roWJ ")CD — Mnljtawi kürzend vorgehen zu dürfen.' Zum Schlüsse wiederhole ich, dass die Versionen die Originalien der karäisch-religionsphilosophischen Schriften Yöllig verdrängt haben. Ich hin nicht einem einzigen Citate begegnet, das aus der arabischen Urschrift des ^nno oder des Compendiums..geflossen wäre. Hadassi der Karäer in Constantinopel und der Rabbanite ibu Zaddik in Spanien, die ältesten Autoren, die dem Uebersetzer zunächst sich eingehend mit dem Basir beschäftigten, kennen nur die üebersetzungen. Wie mangelhaft diese demnach auch seien, sie waren für die Folgezeit die einzige Quelle, aus der man das System des Basir, des tonangebenden Lehrers der Karäer, kennen lernen konnte, bis es unserer Zeit beschieden war, aus dem Grabe der Vergessenheit die kostbaren Kleinodien der arabischen Originalien wieder zu neuem wissenschaftlichen Leben zu erwecken.

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