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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1887-01-01 · 5.1887 · p. Seite 10

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
5.1887
Date
1887-01-01
Page
Seite 10 (sequence 9)
Language
German
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— 10 — Schärfe in der Unterscheidung der Begriffe, die Nichtachtung auch der elementarsten Grundlagen einer Psychologie, neben knapper systematischer Darstellung der eigenen Lehrmeinung die eingehendste, breiteste und lebhafteste Bekämpfung fremder Ansichten lassen die Ideenwelt des Verfassers uns fremdartig erscheinen und die Form seiner Darstellung auf uns ungünstig einwirken. Und dennoch muss alles Missfallen an Inhalt und Form dieses Werkes überwunden werden, weil das Muhtawi aus einer reichen Literatur das einzige uns wunderbar erhalten gebliebene Werk ist, welches uns die rechte Vorstellung eines Kaläms aus der Schule derMutazila darzubieten im Stande ist. II. Charakteristik des karäisclien Uebersetzers Tobija liamniaatik. Der jüdische Stamm ist bekanntlich der Stamm der Uebersetzer, ein Mittler geistiger Cultur unter den Völkern. Von jener durch Sage und Ueberlieferung verklärten Zeit an, da angesehene jüdische Weise, auf der Insel Pharus, einem höheren Rufe gehorchend, die Wahrheit Sems in Japhet's schönes Sprachgewand kleideten, bis auf unsere Zeit, wo an den Centren geistigen Verkehrslebens oftmals selbst namenlose Hände emsig für Uebersetzerbureaus arbeiten, haben die Juden in hervorragendem Maasse an der Uebersetzuugsthätigkeit sich betheiligt. Welches Contingent sie zu dem Heerbann gestellt, welcher durch Uebertragung aus der einen Sprache in die andere die Verbreitung alles Wissenswerthen sich zur Aufgabe macht, lässt sich nicht feststellen. Aber eine Ahnung lässt sich gewinnen, wenn man von dem unabsehbaren Gebiete sich ein bestimmtes Gesichtsfeld abgrenzt, wie etwa wenn man die bekannten mittelalterlichen Versionen und Vertenten ins Hebräische mustert. Die Indices der Vertenten, welche neueren wissenschaftlichen Catalogen beigegeben sind, machen eine solche eingeschränkte Musterung möglich. In dem jüngsten Cataloge19) werden aus dem Besitzstande einer einzigen, freilich an Ilebraicis sehr reichen Handschriftensammlung, der Bodlejana in Oxford in dem aus den anderen Indices noch zu ergänzenden Index of Translators 89 Uebersetzer namhaft gemacht und 43 Autoren genannt, deren Werke von Unbekannten übersetzt wurden. Besonders gepflegt wurden die Uebersetzungen aus dem Arabischen ins Hebräische, welche ein weites, fruchtbares Arbeitsfeld darstellen. Die Maximen über das Uebersetzerverfahren hat in einer trefflichen Weise Jehuda ibn Tibbon, der Vater der Vertentenfamilie, in seiner Einleitung zum mas^n ni2Vl aufgestellt. Und der Preis der Meisterschaft im Uebertragen wird unbestritten dem Vertenten des Moreh, Samuel ibn-Tibbon zugesprochen. Auch die Karäer haben ihre Kräfte im Uebertragen erprobt, und wenn sie weniger, als ihre rabbanitischen Brüder an der Vermittlung der Weltliteratur sich betheiligt haben, so entfalteten sie hinwiederum in der Uebei tragung der arabischen Werke ihrer Sectengenossen ins Hebräische eine reiche Thätigkeit, die um so mehr Anerkennung verdient, als es nur wenige Schultern waren, welche .die ganze schwere Bürde dieses Geschäftes trugen. Ein ganz kleiner Kreis in Jerusalem, der Ende .des 11. Jahrhunderts zu Füssen des karäischen Meisters Jeschua b. Jehuda sitzt, aus dem uns nur wenige Namen kekannt geworden, von denen Tobija b. Mose aus Constantiuopel uns der bekannteste ist, übersetzte in wenigen Julirzehnten die Hauptwerke

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