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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1887-01-01 · 5.1887 · p. Seite 9

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
5.1887
Date
1887-01-01
Page
Seite 9 (sequence 8)
Language
German
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Aufenthaltsortes zwischen den beiden Aufenthaltsorten nach unserer Ansicht gemäss dessen, was die Mutakallimun von den Völkern angenommen." Sahristani's14) und al-Mgi's14) Berichte über den Anfang der mutazilitischen Secten« bildung thuen hier die vollständige Abhängigkeit al-Basir*s in Gedanken und Ausdruck dar. Und dennoch wäre nichts unrichtiger als zu glauben, al-Ba?ir wäre ein gedankenloser Nachbeter der Mutazila gewesen. Nicht die ansehnliche Zahl seiner Abhandlungen und Werke auf religionsphilosophischem Gebiete vermag als Beweis für seine Originalität angeführt zu werden. Er wird in den uns noch unbekannten Schriften gewiss eben so wenig schöpferisch gewesen sein, wie in den uns bekannten. Aber schon der Eigensinn eines Autors des 11. Jahrhunderts, der herrschenden vorgeschritteneren Richtung, Encyklopädie und Aristotelik, auch nicht den geringsten Einfluss auf sein System einzuräumen, bekundet einen nicht kleinen Grad von Selbstständigkeit. Auch begegnen wir im Muhtawi manchmal dem Gedanken, dass der arabische Sprachgeist bisweilen auch auf den Kreis arabischen Denkens eingewirkt habe, gegen welche Einwirkung — so wird entweder ausgesprochen, oder so ist hinzuzudenken —- ein am Hebräischen geschulter Geist geschützt sei. Solche Gegenüberstellung arabischer und hebräischer Denk- und Sprechweise hat freilich schon Saadia,15) welchem al-Basir hierin nur folgt. Aber manche Anwendung dieser Methode ist bei al-Basir originell. So besonders in folgender auch sonst mittheilenswerthen Stelle, deren Spitze gegen die Ansicht sich kehrt, dass Gott in seiner Beziehung zu den Geschöpfen das Beste obliege, eine Ansicht, die durch drastische Beispiele erhärtet wird, welche alle beweisen sollen, dass Gott im andern Falle ein >32, ein „Geiziger" genannt werden müsste, was natürlich eine Absurdität wäre. Dagegen' nun sagt al-Basir:16) „Und wisse, dass geizig derjenige zu nennen ist, der vorenthält, was zu geben er verpflichtet wäre. Es wäre nun für sie (sc. die Gegner) gebührend gewesen, zuerst festzustellen, dass dies für Gott nothwendig (pflichtgemäss) sei, so dass wir Gott dies Prädicat beilegen müssten, sowie wir wahrnähmen, dass er sich enthalte es zu thun. Die Araber freilich legen jedem, der nicht besonders eifrig im Einladen und in der Pflege der Gastfreundschaft sich erweist, das* Prädicat des Geizes bei, weil sie dies für etwas Pflichtgemässes halten. Sie irren aber in diesem Dafürhalten, wie sie ja auch in dem Wahne irrten, dass Götzenbildern Verehrung gebühre. Und nachdem wir durch Beweis wissen, dass Ihm vor Allen Verehrung gezieme, ist es nicht mehr statthaft einem Wesen ausser Ihm das Prädicat „Gott1* beizulegen, mit welchem Namen wir vielmehr Ihn besonderen. Ganz ebenso nun ist es, nachdem wir wissen, dass Gunsterweisung nichts Pflichtgemässes ist, nicht anfänglich, dem derselben sich Enthaltenden das Prädicat des Geizes beizulegen."17) Zwischen den beiden hier von al-Basir getadelten Schöpfungen des arabischen Sprachgenius oder des arabischen Volksgeistes besteht in Wirklichkeit für uns keinerlei Zusammenhang. Wenn auch die Ausdehnung des Begriffes Gott auf Götzenbilder zu tadeln ist, darum verdient die Hochschätzung der Preigiebigkeit und Gastfreundschaft bei den alten Arabern, wras auch immer die logischen Consequenzen derselben seien, durchaus nur Lob. Aber man erinnere sich des allgemeinen ungünstigen Vorurtheils, welches das muslimische Arabien der vormuhammedanischen Epoche entgegenbringt, die man mit dem Schimpfnamen „(yahilija* (Epoche der Unwissenheit) bedachte, und man wird sich nicht wundern dürfen, dass Bildungen des Sprach- und Volksgeistes, die aus dem dunklen Schoosse der Gahilija hervorgegangen, sich nicht des Beifalls eines scholastischen Verstandsmenschen, wie unseres Autors18) erfreuen. Eine dürre Verständigkeit, Armuth an jedwedem Schmucke des Ausdrucks sowohl, wie an jedem Aufschwung der Einbildungskraft, eine rohe Empirie in der Beweiführung neben subtiler 2

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