Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1887-01-01 · 5.1887 · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
5.1887
Date
1887-01-01
Page
Seite 8 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2273546-2273555--0183-2273943
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ein ausserhalb des Islams Stehender zu einer muslimischen Religionspartei stehen kann. Es ist wiederholt schon der Wahrnehmung Ausdruck gegeben worden, dass fast jeder grösseren geistigen Bewegung innerhalb des Islams ein entsprechendes Analogon aus jüdischen Kreisen in muhammedanischen Landen sich zur Seite stellen lässt, dass wir im Besonderen der Reihe nach jüdische Mutaziliten, Encyklopädisten und Aristoteliker aufführen können. Aber so voll und ganz auf dem Standpunkte eines im Grunde doch nur entlehnten und fremden Bodens, wie dem der Mutazila, steht von den Juden allein der Karäer al-Basir. Und sollte einmal die Gefolgschaft Abu-Häsinfs ebenso auf Generationen hinaus beschrieben worden sein, wie dies mit der Schule ai-Asai-rs geschehen ist,50) der Karäer al-Basir aus dem 11. Jahrhundert wurde neben den erst durch ihn bekannt gewordenen Kadi Abu-Muhammad al-Labbäd und Ibn galläd seine Stelle in einer solchen Geschichte verdient haben. Wie sehr al-Basir mit der BahSamija in Bezug auf den hervorragendsten Punkt der Abtheilung über die Einheit Gottes (Taulüd), die Attributenfrage nämlich sicli identificirt, indem er die Zustandstheorie gegenüber ihren Gegnern von rechts und von links vertheidigt, das haben wir an seiner eigenen Darlegung gezeigt. Aber auch in metaphysischen Fragen und in Hauptpunkten des 'Adl, d. i. der Nachweisung der göttlichen Gerechtigkeit sehen wir ihn oft dem Abu-'Ali al-Gubbai und noch mehr dessen Sohne Abu-IIasim. den er übrigens meist Ibn Abi-Ali nennt, folgen. Nur einmal bei einer untergeordneten Frage scheint al-Basir seinem Meister nicht zustimmen zu wollen. Nun hatten wir aber geglaubt, dass, wie verträglich und übereinstimmend auch mit d^m mutazilitischen Kaifun das Judenthum in Bezug auf seine Lehren von der Einheit und crechtigkeit Gottes sich darstellen lasse, in eschatologischen Dingen sich doch gar bald eine Differenz herausstellen dürfte. Wohl .konnten wir erwarten, dass al-Basir in seinem Streben, ein „gäng und gäbes Wurzelbuch der Religion" nach Art der Muslimen zu schreiben, ebenso die Hoffnung auf die messianische Zeit aus diesem Buche ausschliessen würde, wie er dies in Bezug auf die Unabrogirbarkeit des mosaischen Gesetzes gethan hat. Und in der That verfuhr er auch so, ohne die Unterlassung auch nur anzudeuten oder zu rechtfertigen, wie er dies wenigstens bezüglich der ewigen Verbindlichkeit der Sendung Mose's gethan. Jedoch in dem, was er von der Eschatologie des Judenthums behandelte, erwarteten wir von dem jüdischen Darsteller eine gewisse Unabhängigkeit von den andersgläubigen Lehrmeistern. Sehen wir, wie Saadia in den bezüglichen Theilen seines Emunoth w deoth (Capp. V n. IX) zwar auch mit manchem Schlagworte und mancher Froge die Anregung der Mutazila verräth, wie er aber in den Hauptsachen eine wohl phantastische,, aber doch originell-jüdische Lösung darbietet — es sei hier z. B. auf Frage VIII und IX des IX.n) Capitels hingewiesen —, so werden wir doppelt überrascht sein, lange nach Saadia einen Juden, aber einen Karäer, über diese Frage genau in der Weise, ja genau mit den Worten des ältesten und ersten Hauptes des Mutazila,. Wäzil ibn-'Atä's, sich äussern zu sehen, ja noch mehr, ihn den Mangel einer eigenen Meinung damit rechtfertigen zu hören, dass kein Grund einzusehen sei, warum der jüdische Mutakallim nicht eben dasselbe, auf jüdische Verhältnisse übertragen, sich solle vorstellen können, was die arabischen Hutakallims in Bezug auf ihre muslimischen Verhältnisse festgestellt. Hier also, bekundet al-Ba§ir in überraschender Weise, wie tief er im Anschauungskreise der Mutazila wurzle. Er sagt nämlich:1'2) .»Und wisse, das? die Mutakallimun den schweren Sündern unter den Völkern einen dritten Aufenthaltsort (oder eine dritte Stufe) zuerkennen . . . Und nichts hindert, dass bei uns das gleiche Verhältniss, wie bei ihnen, bestehe Ferner:") „So ist dir nunmehr klar geworden die Richtigkeit der Eintheilung und die Annahme eines dritten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.