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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1887-01-01 · 5.1887 · p. Seite 4

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
5.1887
Date
1887-01-01
Page
Seite 4 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Der ersten Epoche der karäischeu Religionsphilosophie, die wenig anders als einfach die mutazilitische ist, leuchtet ein besonderer Glücksstern. Was wir vor fünfzehn Jahren, als wir auf Grund der nur aus Uebersetzungenuns bekannten Werke Josef al-Basir's, Formund Hauptinhalt des mutazilitischen Kaläms darstellten,1) kaum zu hoffen gewagt, dass jemals ansehnliche Trümmer der religionsphilosophischen Original werke dieses Meisters, von dem die gesammte folgende karäische Literatur sich abhängig zeigt, ans Tageslicht treten würden, nachdem die vielen Citate aus diesen Schriften stets auf die hebräische Uebersetzung und niemals auf das Arabische zurückführen: das ist in den letzten Jahren in fast überreichem Maasse wirklich erfüllt worden. Nicht nur besitzt St. Petersburg Fragmente des Muhtavi, London beträchtliche Bruchstücke des Compendiums ViD Dö^HD und wahrscheinlich auch das 'Jstiana in arabischer Sprache; Herr Professor Kaufmann in Budapest war so glücklich, ein Exemplar des Muhtawi zu erwerben, dem nur Weniges zur Vollständigkeit fehlt. Der Güte dieses meines verehrten Freundes danke ich es, hier ausführlich über diesen literarischen Schatz berichten und die Aussicht eröffnen zu dürfen, dass nunmehr in nicht allzu ferner Zeit dur.ch Gegenüberstellung des arabischen Textes und der hebräischen Uebersetzung des Mubtawi ein fast vollständiges, mustergültiges Exemplar eines Kaläms hergestellt und durch eine deutsche Uebertragung auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden dürfte. Durdll die Vergleichung des arabischen Textes mit der hebräischen Uebersetzung sind wir aber auch zur Beobachtung und Würdigung des Vertenten Tobija gelangt, der, wie Vieles und Schweres auch an ihm auszusetzen sein mag, dennoch das Verdienst hat, durch seine eigene und weniger Mitarbeiter Thätigkeit in überraschend kurzer Zeit die Hauptwerke der arabischen Epoche karäischer Literatur den byzantinischen Kreisen, welche fortan die Hauptträger karäischer Bildung waren, zugänglich gemacht zu haben. Während die Originalien völlig in den Hintergrund traten, wurden die Uebersetzungen fleissig copirt und studirt. Tobija allein folgend, waren auch wir in der Lage, ein in den Hauptzügen, wie in vielen Einzelheiten zutreffendes Bild des Kaläms zu geben, an dem wir auch heute nach Kenntniss des Originals nichts Wesentliches zu ändern brauchen. Aber ein durchgängiges Verständniss aller Einzelheiten wäre ohne Heranziehung des Originaltextes unmöglich. Bekanntlich findet man in allen übersetzten karäischen Werken neben paitanischen und arabischen Wort- und Satzbildungen jenes monströse Gemengsei dreier Sprachen, des Hebräischen, Arabischen und Griechischen, das jeden nicht sehr Eingeweihten zurückstösst. Wenn wir aber in die Weise Tobija's, des Meisters karäischer Uebersetzung, der seinen Genossen als der Uebersetzer schlechtweg (p>ni?En) gilt, uns gefunden haben, dann dürfte es nicht mehr schwierig sein, Andere zu verstehen. So wären denn die aufs Allgemeine und Grosse hinzielenden Strebungen der folgenden beiden Untersuchungen, deren erste eines der bedeutendsten Werke, deren zweite einen wohlverdienten Erhalter und Förderer der karäischen Literatur zum Gegenstande hat, ins rechte Licht gestellt und wir hoffen nunmehr freundlicher Nachsicht sicher zu sein, wenn wir auf dem Gange unserer Untersuchung naturgemäss auch bei Einzelnem und Kleinem länger verweilen. Wer im Bereiche der Wissenschaft für Grosses Vertrauen gewinnen will, der muss zuvor im Kleinen als zuverlässig sich erprobt haben. Berlin, im März 1887. ©er Verfasser.

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