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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1886-01-01 · 4.1886 · p. Seite 15

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
4.1886
Date
1886-01-01
Page
Seite 15 (sequence 14)
Language
German
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— 15 wahren- Am Tage des Jammers blicht der Griffel und knickt dss Rohr. Aber die an die Lehrer gestellte Frage, der ernste Bescheid, das Ansuchen um Weisungen für die eingetretenen Verhältnisse, das sorgsam erwogene Responsum lassen uns oft sehr klar in die Zeiten und in den Hintergrund der Ereignisse blicken. Tausend Jahre jüdischer Geschichte sind von diesen einfachen Blättern, die den zeitgenössischen Fragestellern Aufklärung gaben, begleitet. Ein historisches Schriftthum, dessen erste Anfänge in Zeiten liegen, die den babylonischen Geonen lange vorhergehen. A n 111 o r k u n g e n. J) "!5D, welches der Ausdruck für das Schriftstück ist, wird in den altbiblischen Schriften gebraucht, um das belehrende oder gesetzbesiimmende Buch, die geschäftliche Urkunde, die gerichtliche Streitschrift (Hiob 31.35) und auch den Brief zu bezeichnen. Letzteres mit Bestimmtheit in den Büchern Sam. König. Jesaj. und Jerem. ~!2D n^D ist die grössere Schrift, die Rolle und niemals der Brief. In Ps. 40.8 scheint von einer Schrift die Rede zu sein, in welcher der Dichter seine Erlebnisse niederschreiben und die er verbreiten will, um den Ruhm Gottes zu verkünden. In den Zeiten des fhronikers wird welches ursprünglich eine andere Bedeutung hatte (II. B. M. 39.:}0), für das Schriftstück im Allgemeinen (Jesaj. 38.y, Esra' j.l, II. Chr. 35.4) und für die briefliche Zuschrift im Besonderen angewendet II. Chr. 21.12- (S. eine spätere Bedeutung des Ausdruckes M. Kclim 13.2.) Den stellenden Ausdruck für den Brief bildet jedoch in diesen Zeiten rrttN aram. {TON, namentlich für Privatbriefe, von welchen in den meisten der bezüglichen Stellen die Rede ist (Esra 4.8, 11, n; 5.<j; Nehem. 2.7—9: 0.5, 17, 19). Siehe jedoch Low. Beiträge II. 98. Man bediente sich in der späteren heb. Literatur gerne des fremden Ausdruckes, da das alte "ISO seiner vielseitigen» Bedeutung wegen für die Bezeichnung des Briefes zu .unbestimmt war. In dem Esterbuche liest man neben OnCD auch rf£N. In der Misehna bedeutet m3i* sowohl den Brief, als auch jede Art von Urkunde, deren Gattung durch ein Beifügewort bezeichnet wird. Jac. Tains Ansicht, dass das mischnische mjlX nur den Brief bedeute, kanu uicht aufrecht erhalten werden, da schon die Formel in Misch. Gittin y.3 diesen Ausdruck mit "IS-D und synonim erscheinen lässt plCB 1231 pplStf rrUKl prw Vgl. Tosafot Ketubot 100 b Schw. mipD mrx und Tos. Moe'd Eatan 18 b mjPNl. S. auch das BGA. Zadok G. in der Rechtsgutaehtensammluug rontfn mW 217. Im talmudischen Zeitalter, wo man unter "12D das heilige Buch verstaud, sah man nur in D"!iS das Aktenstück und den profanen Brief, für den letzten setzte man meist NrftfN. S. Jerusch. Ncdarim f>.5, Ketubot 2.3, Babl. B. Mczia 114 a u. a. v. a. 0. Der Ausdruck B. B. Mezia 83 b Np:nB ^rb NmaNl M»1p bedeutet wohl: Wer den Inhalt des Briefes lesen kann und versteht, der sei L'eberbringor desselben. Vgl. . wnp in B. Kiduschin 49 a. Andere Erklärungen s. Low d. 100. Die Geonen brauchten zur Bezeichnung des Briefes ebenfalls rr.i». S. Alfasi Megilla I. niiio KUpi BIMS rblO'' »xn'-|. üeber das talmudische NpDI siehe Raschi Gittin 30 a. Vgl. Kohnt.'Äruch. 2) II. Sam. 11.15. Dass die ersten Briefe, denen wir in der jüdischen, wie in der griechischen Literatur begegnen (Homer, II. C>.w.i) einem Vcrratho dienen, darf uns nicht befremden. Da man jede Sendung durch Boten bestellte, war es viel einfacher, diesem die dem Fernen mitzuthoilcnden Worte aufzutragen. Bei verrätherisehen Gedanken, die kein Dritter erfahren sollte, bediente man sich des Briefes (I. Kon. 21.8, H. Kön. 10.1—6). Die Briefe jener Zeit, welche uns die historisch-biblischen Bücher bewahren, sind kurz, bestimmt, befehlend. L'msomehr ist dies in dem Schreiben Davids der Fall, da es eine knapp gehaltene kriegerische Ordre enthält. Die weitläufige Erzählung Jos. (Antiquit. 7.7 ) und die ^hinreiche Sage, dass Joab den Brief den Offizieren des Heerlagers vorwies (Tanchuma Masse 9), sind Ausführungen einer Zeit, in der man die Briefe breiter schrieb und den mannigfachsten Gebrauch von ihnen machte.

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