Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 4.1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 12)
- Language
- German
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— 13 — erloschen, obwohl deren Produkte rasch von dem damals mächtig dahinrollenden Strome der Zeit begraben wurden. Auch andere lleste, die uns von der Literatur jener Zeiten erhalten blieben, dürften unsere Ansicht bestätigen. Kurz nach Natrunai schreibt Acha aus Schabcha ein Werk; welches den Namen „Anfragen" trägt und in Fragen und Antworten Ausführungen zu den biblischen Geboten nach der Reihe ihrer Anordnung in dem Texte des Fünfbuches vorträgt. Jede Auhandlung beginnt mit dem Spruche: „Dass man verpflichtet sei.* Man wird zu ergänzen haben: „Es ist Gesetz, dass man verpflichtet sei."M) Nach einer kürzeren oder längeren Ausführung wird wieder mit einer Formel: „Jedoch erfragt man Belehrung darüberV*) die Frage, dann die Antwort, meist mit dem geläufigen: „Komm und vernimm die Lösung" angereiht. Oft sind Fragen und Antworten vervielfältiget.65) Auch ist manchmal zwischen Frage und Antwort eine längere, meist hagadische Rede eingeschoben,00) aus welcher mit den Worten: „Aber in Bezug auf die vorgelegte Frage ist zu erwidern" der üebergang zu dem Responsum erfolgt. Wir glauben, es wäre nicht richtig, die Form dieses Buches mit den in der alten Lehrhäusern üblichen Fragestellung zu begründen. Die alten Akademien waren "vernichtet und mit ihnen war auch der Ton verklungen, der in denselben vorgewaltet hatte. Die Saburäer beschäftigten sich in ihren Schulvorträgen nicht mit praktischen, lebendigen Fragen. Sie erklärten den Talmud, sie stellten die Halacha fest.07) Ihr Stil ist auch nach den uns von ihnen bekannt gewordenen Erklärungen breiter, gewundener. Wie sollte nun die Frage, •wie sollte aus dieser: saliuräischen Thätigkeit die klare, einfache und in messendem Stile erledigende Antwort, welche aus einer Beweisstelle den sicheren Sehluss zieht, erklärt werden? Viel eher vermögen wir in dieser Form die Beeinflussung einer Responsenliteratur zu erblicken. In der That sind uns auch in diesem Scheeltot-Buche zwei ältere Gutachten aufbewahrt, welche wahrscheinlich auf die Zeit der Saburäer zurückzuführen sein werden. Das eine derselben trägt «lie altübliche Formel: „Unser Meister wolle uns darüber belehren.u(lH) Diese Introduktion finden wir an der Spitze des Exordiums, welches in den sabbatlichen Honülienct>) jener Zeit .gerne benutzt wurde. Die Prediger der Geschlechter, in welchen die Schulthätigkeit eine geringe war, setzten an den Anfang ihrer Heden gerne einen gesetzverkündenden, halachischen Satz,'0) um. das Volk auf diese Weise über die religiösen Verpflichtungen aufzuklären. Da erscheint denn an der Spitze des Vortrages die Frage in denselben Worten.71) Ihr schiiesst sicli unmittelbar die Antwort des Lohres an.'2) Diese Form war so bekannt und populär, dass man sie auch da nicht fallen Hess, wenn man die Predigt mit einem geschichtlichen oder sittlich ermunternden Ausspruch eröffnete. Das Jelamdenu beherrscht fortan die Midraschsammlu'.]gen;:,) und geht auf den jüngeren Midrasch über,71) welcher an die Spitze der Frage für dieses Wort die einfache Bezeichnung „Lehrsatz" stellt.75) Sollte diese Form der öffentlichen Mittheilung ihr Vorbild nicht auch in Anfragen und Responsen gefunden haben? Es dürfte gestattet sein, diese Produkte des damaligen Schriftthumes mit den Responsen der älteren Geonen zusammenzuhalten und aus ihnen einen Sehluss auf den Geist und auf die Form der Briefe zu schliessen, welche in der unmittelbar vorhergehenden Zeit geschrieben sein mochten, und von denen wir zwei in dem Buche Acha's lesen. In den Scheeltot und in dem Jelamdenu-Midrasch sind die Fragen kurz,70) auch die Antwort giebt einer bestimmtet Weisung Ausdruck77) und beruft sich dabei auf einen Ausspruch der Mischna oder des Talmud,7*) greift auch manchmal auf die biblische Quelle zurück.'") Den Gegenstand de? midraschischen Jelamdenubelehrung bilden meist Regeln von praktischer Bedeutung, Bestimmungen zu Gesetzen, welche oft in Uebttng kamen. Die Natur.der öffentlichen Rede, der Zweck