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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1886-01-01 · 4.1886 · p. Seite 12

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
4.1886
Date
1886-01-01
Page
Seite 12 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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— 12 — und so gerne angewendet wurde, dass die Schulverhandlungen für „Forschen* und „Sprechen" mir „Fragen14 ansetzen,55) förderte auch die briefliche Anfrage, welche in gleicher Weise beantwortet werden musste. Diese Antwortschreiben, wie jene der Geonen des achten Jahrhunderts, erinnern durch ihre Form an die Responsen der alten römischen Rechtslehrer,56) und zum Theile auch an die Rescripte der Kirchenväter.iT) Auch vor das Forum der Bischöfe werden Fragen gebracht, welche den Kreis der religiösen, biblischen Anschauung beleuchten.5S) Wenn diese die Briefform auch künstlich gebrauchten und den Stil der Epistel wählten, um Freunden und Schülern ihre Gedanken und Ansichten mitzutheilen,59) so findet sich dieselbe Vorliebe für die Form der Responsen in der ersten Zeit der Geonen. Allerdings kann man von einem direkten gegenseitigen EinÜusse dieser Literaturen auf einander nicht sprechen. Dort, steht die hohe Autorität der Rechtslehrer, hier nur die moralische, gelehrte Reputation des jüdischen Weisen. Dort verbreitet sich der Kirchenvater über dogmatische Fragen und über Schwierigkeiten in der Erklärung der heiligen Schrift,''0) hier behandelt der Lehrer streng gesetzliche, halachische Gegenstände. Aber alle diese Response» sind eine Blüthe ihrer Zeit. Der Hauch, der^diese Jahrhunderte durchwehte, blieb nicht ohne Spuren auf die Entwickelung des wissenschaftlichen Lebens in Israel. Wie hat sich dieses wissenschaftliehe Streben, soweit es von dem Briefe und dem Responsum getragen wird, von den Tagen der letzten Amoräer bis auf die Geonen entfaltet? — Von der. Mitte des vierten Jahrhunderts ab, bis a; f die geonäisclie Zeit fehlt uns fast jede Nachricht über Responsen. Die palästinensischen Schulen sanken, um nicht wieder zur Blüthe zu gelangen. Kein schriftlicher Bescheid giebt nun Kunde von, der Meinung eines Meisters in dem Stammlande des Gesetzes. Wie aber, muss man fragen, war in der Zeit, als die Redaktion des Talmud in Angriff genommen wurde, gar kein Fall vorgekommen, über welchen man von Lehrern und Weisen schriftlichen Bescheid erbat'? Als später unter dem Drangsale harter Verfolgung die Schulhäuser zerstört wurden oder verödet blieben, als die Meister der Wissenschaft in Babylon {lachten mussten oder dem Tode anheim fielen, als man da die Licenz, die Misehna aufzuzeichnen, auch auf den Talmud auszudehnen für nothwendig erkannte, schrieb da Niemand an strebende Jünger, an Aufklärung suchende Gemeinden ein Wort der Belehrung und des Trostes? Direkt freilich, so muss die Beantwortung dieser Fragen lauten, können wir weder auf Responsen noch auf Briefe aus jenen Jahrhunderten hinweisen. Aber eine Erscheinung, welche in der späteren Literatur hervortritt, lässt uns vermuthen, dass Sendschreiben gerade in jenen Tagen, als die Kette der mündlichen Ueberlieferung bedroht war, Lehrer und Schüler, Häupter und Gemeinden in Verbindung gehalten haben. Responsen der Saburäer sind uns keine erhalten, aber mit den eisten Geonen ist der Stil des Briefes zur Blüthe gediehen und beherrscht die Literatur. Natrunai schreibt leicht und gewandt, antwortet in Bezug auf den Inhalt des vorgelegten Falles zweimal, citirt in dem späteren Schreiben sein früheres Responsum, dem er Manches hinzufügt. In einem dieser Briefe lässt er sich auf eine Ansicht ein, welche die Fragesteller ausgesprochen hatten und widerlegt dieselbe.(W) Wir haben also um die Mitte des 8. Jahrhunderts eine ausgebildete briefliche Thätigkeit vor uns, die von den kurzen, auch sachlich engen Responsen des Talmud weit absteht Ein noch älterer Gaon, Sesna, hat einen breiteren, ausgebildeten Stil.152) Wir glauben hieraus schliessen zu dürfen, es müsse eine gewisse Entwickelung vorausgegangen sein und man könne dioso Reife der brieflichen Form nur erklären, wenn man annimmt, es wäre die Correspondenz während der dunkeln Jahrhunderte, die zwischen dem Talmud und jenen Gaonen liegen, nicht

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