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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1886-01-01 · 4.1886 · p. Seite 11

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
4.1886
Date
1886-01-01
Page
Seite 11 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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- Ii — zu beschäftigen als zur Unterlage öffentlicher Volksbelehningen zu dienen, zu solchem Zwecke eingesehen und benutzt zu werden, hatte man die schriftliche Form in weitem Masse zugestanden. Die Mischna, welche das Ergebniss der Fortbildung im Kreise des alten Gesetzes feststellte, war umfassend und ausgedehnt. Die Epistel, nur auf die Entscheidung einzelner Fälle, auf die Mittheilung nach fernen Gegenden beschränkt, blieb vorerst eine keimende, zarte Pflanze. Auch diese beiden Gattungen der Literatur hatte die Notwendigkeit ins Leben gerufen und den alten Brauch, Gesetzbestimmendes nur mündlich zu tradiren, zurückgedrängt. Als die Wandlung der Zeiten ein Zurücktreten von der früheren Gepflogenheit erwünscht erscheinen Hess, als die durch Leiden herabgekommene Schwungkraft des Geistes, der für die kühne selbstständige Forschung schon zu ermattet war, als die vermehrte Reichhaltigkeit des Stoffes, welcher das Gedäehtniss-erdrücken musste, als die in alle Länder auseinandergerückten jüdischen Gemeinden, denen das gesprochene Wort nicht mehr gleichmässig geboten werden konnte, die Sammlung der Mischna veranlassten, gab man diesen zwingenden Umständen wohl nach, behielt aber im Uebrigen die alte Uebung aufrecht, in den Schulen nur frei durch die frische Rede und durch das lebendige Wort zu lehren. Es scheint, als habe man nun, da man das Niedersehreiben der Gesetzeserklärungen praktisch aufnahm, doch gewissermassen dem alten Brauche Rechnung tragen wollen, als habe man bei der grossen Gesetzessammlung der Mischna, welche ja die Unterlage aller künftigen gelehrten Thätigkeit zu bilden bestimmt war, das Gebot, welches dem schriftlichen Fi$iren der Halacha entgegenstand, in Bezug auf das Aufzeichnen strenger, entscheidender und kurzer Halachasätze möglichst berücksichtiget und festgehalten.5'2) Die Aussprüche der Mischna R. Juda hannassi's sind weit entfernt von der imperativen Schärfe des Gesetzes, von dem bestimmenden Tone der biblischen Gebote. Der grösste Theil aller ihrer Sätze ist ausführend und ergänzend. Die Pflicht als solche, und wenn sie auch nur eine rabbinische wäre, wird vorausgesetzt. Die Ausführung und Ergänzung füllt den Rahmen der Bücher und Kapitel. Es werden auch immer widerstreitende Meinungen nebeneinandergestellt. Ueber das endgiltige' ürtheil müssen wir in einzelnen Winken der Redaktion Bescheid suchen.53) Wenn der Stil der Mischna von solchen Rücksichten, welche die Sitten der Zeit auferlegen mochten, beeinflnsst, sein eigentümliches, nicht ganz spruchsicheres Gepräge' erhielt, welches in gewissem Sinne auf den grössten Theil der halachischen Literatur der Zukunft überging,54) so war schon in den Tagen der Amoräer eine Rücksicht solcher Art bei der Epistel weder angezeigt noch geboten. Diese wurde ja nur von dem Bedürfnisse des Augenblicks erzeugt, sie war bestimmt, einem entfernt wohnenden Lehrer die erbetene Aufklärung zu geben, sie hatte nicht eigentlich den strengen Charakter eines angeschriebenen Gesetzes. Darum sind auch die Episteln, als, man sich diese in Bezug auf gesetzliche Anfragen zu schreiben erlaubte, kurz, bestimmt, streng und knapp, meist von präcisem, althalachischem Geiste. So linden wir sie zum grossen Theile noch in den Tagen der älteren Geonen. Wir wissen nicht, ob wir die in dem Kreise der jüdischen Gelehrsamkeit erwachsenen Arten des Schriftthumes mit den anderen Literaturen jener Zeit in genauen "Vergleich setzen können, da die jüdischen Lehrer damals ein so ganz eigenes, abgeschlossenes Schulleben führten. Aber wie die Hagada in ihren Deutungen so viel methodische Aehnlichkeit mit den Bibelerklärungen der christlichen Kirchenväter aufweist, so kann sich die Mischna neben die Sammlung der römischen Gesetze, so können sich auch die halachischen Briefe, welche von Palästina nach Babel ergehen, nebtn die Responsen der Juristen Roms und der Häupter des .christlichen Glaubens stellen. Die Redefigur der Frage, welche in den jüdischen Gelehrtenschulen so viel 2*

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