Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 4.1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2273546-2273553--0141-2273900- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
-10mit, sondern geben auch Auskunft über Verhandlungen, welche in palästinensischen Schulen gepflogen werden.^) Es ist wahrscheinlich, dass Nachrichten dieses Lehrers, welche nur einfach als von Abin „gesendet" bezeichnet werden, ebenfalls in Briefen kamen. Sie beginnen meist mit den Worten: Ueber diese Angelegenheit fragte ich meine Lehrer... sie gaben Bericht im Namen des Meisters.^) Diese Briefe, welche in der talmudischen Zeit geschrieben wurden, lassen die Belehrung aus Judäa nach Babel fliessen. Der Brief, welcher in den Tagen des Jeremia bestimmt war, die israelitischen Bewohner beider Länder in Verbindung zu halten, knüpfte nun auch die Fäden der Lehre aneinander, und Hess das Werk der entwickelten Forschung als ein geeintes hervortreten. Das Verbot, die Halacha schriftlich zu fixiren, hielt man hierbei im Ganzen aufrecht. Man hatte nur Ausnahmen zugegeben, soweit diese für die Kenntnis des Gesetzes oder für die praktische Entscheidung nöthig waren. Wo diese Bedingungen nicht zutrafen, da wollte man gerne die alte Strenge aufrechterhalten. Einen solchen Fall bietet das schon erwähnte Vorkommnis dar. R. Dimi, der etwa im ersten Jahrzehnte des vierten Jahrhunderts nach Judäa geht, ist zur Uebermittelung gelehrter Nachrichten weniger berufen. Er erfährt in Judäa die Lösung eines Widerspruches älterer Sätze, welche nur theoretischen, aber keinerlei praktischen Werth besitzen, da sie die Ordnung der Opfer betreffen. R. Dimi sagt: Wenn ich jemanden fände, der Briefe nach Babylon schreibt, würde ich meine Nachricht ebenfalls in einem Blatte beifügen. Die Schulverhandlung führt, indem sie R. Dimi's Wort beurtheilt, aus: Selbst in diesem Falle, wenn R. Dimi in Folge seiner Stellung nicht die Aufgabe fand, Nachrichten zu übermitteln, wenn der Gegenstand selbst nur eine akademische Bedeutung hatte, mag der Mann es sich gestattet haben, an das Niederschreiben der Gesetzeserklärung zu denken, da der Brief doch die Lösung einer bisher noch nicht behobenen Schwierigkeit enthalten sollte.^) Man begegnet im Talmud wissenschaftlichen Nachrichten, die aus Palästina stammen und in die Literatur mit den Worten: „Es sandte"... „Man sandte von drüben" eingesetzt sind. Zum Theile gehen sie von solchen Lehrern aus, von denen uns auch Briefe erhalten sind. Diese Mittheilungen zeigen oft in ihren ersten Worten eine Form, welche an die Epistel denken lässt. Wir lesen den kurzen Satz: „Der Lehrer entschied". Ein anderes mal lautet der Eingang: „Nehmt Kenntnis davon." Es findet sich der Gruss. „Heil und Friede dir, theurer Genosse." Es wird auch dem Grusse ein ehrendes Wort für den Angeredeten angefügt und es erscheint der Name des Meisters, der den Bescheid giebt, an der Spitze der Nachricht. Ein Lehrer sagt, indem er die Anfrage beantwortet: „Ich bin dessen wohl nicht würdig, dass ihr mir die Zweifel vorlegt... Meine, eueres Schülers Meinung neigt sich jedoch dahin..." Man wird mit Recht vermuthen dürfen, dass manche dieser Bescheide schriftlich abgefasst waren. Die Fragen selbst, soweit sie in Briefen dem Lehrer vorgelegt wurden, dürften an ihrer Spitze die Worte: „Unser Lehrer belehre uns darüber" getragen haben. Diesen Ausdruck führen auch gelehrte Boten im Munde, welche den Zweifel des einen Meisters der nahegelegenen Schule des zweiten vorlegen. ^) III. Fast gleichzeitig streben aus dem Boden der jüdischen Schriftforschung drei Literaturen hervor, die Hagada, die halachische Mischna und die Anfänge der Epistel. Der Hagada, welche keine gesetzbestimmenden Regeln enthält und weniger geeignet war, den Geist des Forschers