Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 4.1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 8)
- Language
- German
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— 9 — der Glaubenswissenschaft im Osten in brieflichem Verkehre mit Palästina. Rab wendet sich in den Zeilen seines Briefes mit der Anfrage an R. Jnda, ob die Alimentation und Ausstattungsgebuhr der Töchter als eine auf den Gütern des verstorbenen Vaters haftende Pflicht zu betrachten sei, so dass sie auch aus jenen Besitztümern zu ziehen wären, welche die Bruder, als die eigentlichen Erben des Vaters, voreilig in fremde Hände haben übergehen lassen. Chia liest den Brief und spricht vor Rabi über denselben. Dieser giebt sein Votum ab.37) R, Jochanan schreibt an Rab und Samuel: Das Exordium des Briefes an den ersten lautet: „Unserem Lehrer und Meister in Babylon." An Samuel wendet er sich mit dem Worte: „An unseren Genossen.u Samuel hinwieder will sich gegenüber Jochanan als tüchtig bewähren, sendet ihm vorerst eine kalendarische Berechnung für 60 Jahre und später 30 Rollen mit Fragen und Abhandlungen über zweifelhafte Krankheitserscheinungen im Leben der Thiere.38) Auch später senden massgebende Schulhäupter und Lehrer aus Judäa Entscheidungen und Schulnachrichten in die Perne. Manchmal sind diese brieflich abgefasst. Sabbatai und Chisdai brachten folgenden Fall vor Jose. Ein Mann sclilöss mit seiner Braut die Ehe, indem er derselben als Sponsalie eine zur öffentlichen Lection bestimmte Torarolle übergab. Der Lehrer erklärte die Ehe als nicht vollzogen. Als später über diesen Ausspruch verhandelt wird, sagt ein Lehrer: „Ich sah den Brief. Er enthielt die Worte:. Nicht nur", d. h. nicht nur gilt der Spruch Joses für den Fall, als die Rolle Gemeindegut, sondern auch dann*, wenn sie des Mannes Privateigenthum ist, da sie auch dann nur heiligen Bestimmungen gewidmet sei.39) Auch aus Alexandrien kommt eine Anfrage. Sie betrifft Fälle, welche die Reinheit zweier Familien berühren. Den einen Fall erledigt der Lehrer, indem er einen Schriftvers niederschreibt, der vom Inceste spricht, in Bezug auf den zweiten meint er, die Lauterkeit des Geschlechtes sei nicht alterirt. R. Mane schliesst sich der Meinung des Lehrers an, Berachja, entzieht sich der Mitfertigung des Schreibens- Als die Sache im .Kreise der Jünger wTeiter besprochen wird, will er zwar auch seinen Namen ansetzen, findet aber das Sendschreiben nicht mehr vor.40) Man bediente sich in der gelehrten Correspöndenz in Palästina wie in Babylon der geläufigen Schriftverse, die man sonst auch im mündlichen Verkehre gerne anwendete.41) Mar Ukban fragt bei R. Eleasar an: „Darf ich die Widersacher, die mir feindlich entgegentreten, der Regierung anzeigen, damit ihre Bestrafung erfolge?" Er erhält als Antwort den Psalmvers nach Art der heiligen Scripturen auf Linien hingezeichnet: ,Ich habe es im Gemüthe bestimmt, dass ich meinen Geist wohl beachte, niemals mit meiner Lippe' sündhaft zu sprechen. Ich halte mein Wort ängstlich zurück, wenn ich den Feind und Bösewicht auch vor mir erblicke."42) Ein anderes mal wird dem Haupte der babylonischen Juden,, das unter lautem Rausch und Sang und Klang Hofstaat hält, schriftlich die Belehrung zugemittelt: „Freue dich nicht Israel, nicht ziemt dir annoch wie den anderen Völkern die laute Freude!"43) Als die Schulthätigkeit gegen das Ende des dritten Jahrhunderts am Euphrat eine eigenthümliche Richtung nimmt, und manche Schüler nach Palästina ziehen, wird die Verbindung der Länder abermals innig und die schriftliche, epistolare Thätigkeit erblüht wieder in Judäa. Man droht dem Schulhaupte R. Juda in Pumpadita, gegen seine Entscheidungen Briefe aus Judäa vorzubringen.44) Abitur schreibt nach Babel und tadelt den Zuzug der Schüler aus diesem Lande.45) Etwas später sendet ein hervorragender Mann, der in Palästina vielfach Umfrage nach alten Lehrsätzen und Lehrmeinungen hält, Resultate seiner Studien nach Babylon. Abin ist es, der wiederholt Episteln schreibt. Diese theilen nicht *;ur bestimmte Lehrsätze 2