Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 4.1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 7)
- Language
- German
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sich dem Patriarchen unterzuordnen.31) Anderen Mitthejlungen, die uns aus jenen Zeiten bewahrt blieben, wird man kaum den Charakter von Briefen zuschreiben können, wenn sie auch in der Anrede und in Redewendungen an die Epistel erinnern. Der Bote trug damals den Brief und dessen Ausdruck im Munde. Als der römische Landpfleger waltete, hat man doch nur mündlich aus der jüdischen Hauptstadt Juda ben Batyra nach Nisibis sagen lassen: „Heil und Friede dir, J. b. Batyra! Du bist im Auslande, und das Netz deiner Weisheit hat in Zion den Ausländer gefangen," der sich unter der Maske eines Juden zu dem Verbrüderungsopfer des Passa stahl.32) Demselben Lehrer sendet Ben-Bagbag folgende Mittheilung zu: »Ich hörte, du gestattest der Tochter eines Israeliten, die einem Aroniden angetraut wurde, aber noch nicht als Gattin in sein Haus kam, wie einer Priestersgattin, die heilige Hebe zu gemessen.14 Aus Nisibis erfolgt die Antwort: „Ich weiss es, du sollst in den Gängen der Glaubenswissenschaft heimisch sein. Diesmal weisst du die Schlussfolgerung nicht richtig anzuwenden."311) Auch diese Benachrichtigungen erfolgten wohl durch gesetzeskundige Schüler. Hingegen glauben wir, dass Gamliel Anfragen aus der Ferne schriftlich erledigt habe. Die Question erging an ihn: Wie ist es in gesetzlichen Urkunden mit dem Namen der Männer zu halten, die aus Judäa über das Meer ziehen, und da nach der Sitte des Landes, andere Namen annehmen?" Die Antwort ist uns nicht aufbewahrt, es wird nur mitgetheilt, dass Gamliel in Folge dieser Anfrage eine diesbezügliche neue, bestimmende Einrichtung traf. Er wird seine'Anordnung, wie andere gesetzliche Bestimmungen, brieflich versendet haben.3*) — Lesen wir auch in der Periode der Mischnalehrer so selten von Briefen, so kann man doch nicht den Satz aufstellen, es wäre das Niederschreiben gesetzlicher Angelegenheiten niemals in Anwendung gekommen. Wo es nöthig war, wird man schon damals Ausnahmen verstattet haben. Nahm man ja keinen Anstand, dort, wo ein anderer Verkehr ausgeschlossen war, sogar im Leben der Schule die Schrift zu benutzen. R. Natan und R. Melr werden von Gamliel aus dem Lehrhause verwiesen. Sie senden ihm ihre Fragen schriftlich.. Vermochte das Schulhaupt nicht, die Zweifel zu lösen, da schreiben sie ihre Ansicht über die Erledigung ebenfalls auf ein Blatt, und übergeben dies der Schule.35) Mit dem Augenblicke, da die Mischna in ihren Hauptformen vorlag, änderte sich das' Verhältniss des schriftlichen zu dem mündlichen Worte. Jetzt begegnet man auch dem brieflichen Verkehre schon öfter. Zwei Ursachen bewirken diesen Umschwung. Es regt sich nun, da der Anstoss gegeben ist, trotz der alten Gepflogenheit ein gewisses schriftstellerisches Streben. An der Seite der von Rabi formulirten Mischna schreiben manche der ersten Amoräer ihre Notizen, bald um das Gedächtniss in Bezug auf den sicheren Wortlaut der Sätze zu unterstützen, bald um abweichende Ueberlieferungen und Lesarten der Vergessenheit zu entreissen.36) Dass die vermehrte schriftstellerische Thätigkeit auch die Epistel fördert, ist nur natürlich. Anderseits ziehen Schüler des Verfassers der Mischna nach Babylon und gründen dort eigene .Lehrhäuser. Es versteht sich von selbst, dass sie mit den alten ehrwürdigen Lehrsitzen ihrer Meister und Genossen in Judäa nicht abbrechen. Religiöse Anfragen, von Briefen getragen, kommen vom Enphrat in die Stadt am See Tibevias, auf demselben Wege gehen die Antworten zurück. Die Correspondenz erscheint um so notwendiger, als das Stammiehrhaus in Palästina eine gewisse Präponderanz in Anspruch nimmt und behauptet, als dort alte Lehrsätze der letzten Tanaiten und ersten Amoräer bekannt und im Umlaufe sind, die man ebenso nach Babylon holen möchte, wie man die Mischna R. Judas dorthin verpflanzt hatte. Darum stehen auch die grossen Amoräer Abba (Rab) und Samuel, die Neilbegründer