Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- [3].1885
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 16)
- Language
- German
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17 hinzugefugt. Die Kluft aber ward damit nicht ausgefüllt; nirgends wird erzählt, dass Bileam die Verführung Israels bewirkt habe. So war denn das Wunder des Wandels eines brütenden Fluches in einen lauten Segen sehr kräftig und handgreiflich geworden — aber auf Kosten aller psychologischen Möglichkeit. Bei dieser Analyse und Construction habe ich auf die Theorie von den Quellen des Pentatcuchs keine Rücksicht genommen, nicht als ob ich sie nicht im allgemeinen billigte, sondern weil ich meine, dass, wenn für das Einzelne und Feinere noch manches zu wünschen bleibt, ich am besten meinen Beitrag so liefern kann, dass ich vorurtheilslos von einem Seitenwege ausgehe. Jetzt aber mag eine Andeutung darüber nicht fehlen, wie sich das Obige zu der erwähnten Theorie verhält. Die sogenannte Gruüuschrift (der annalistische Erzähler, der alte Elohist) stellt uns das letzte Stadium dar. So bewährt sich auch hier die Ansicht, welche jetzt immer mehr Boden gewinnt, dass die Grundschrift nur insofern so zu heissen verdiene, als der Redactor sie für seine Arbeit als allgemeinen Rahmen zu Grunde gelegt hat; principiell und chronologisch aber ist sie die jüngste Quelle. Diejenigo Fassung der Erzählung, welche ich als die älteste und einfachste herausgeschält habej mag demjenigen gehören, den man den jüngern Elohisten (den theokratischen Erzähler) nennt. Natürlich wäre er für mich der ältere Elohist. Dann aber könnte die doppelte Gesandtschaft und die doppelte nächtliche Erscheinung nicht von ihm stammen. Dass der Esel vom Jahvistcn eingeschaltet ist, dürfte auch ich annehmen, und da er jünger ist als der sogenannte jüngere Elohist, so wäre damit abermals bewiesen, dass die doppelte Gesandtschaft nicht von letzterem stammen kann. Dass 23, 29 f. in Widerspruch steht mit 2-1, l ist meines Wissens noch nicht beachtet. Ob 24, u—19 zur ursprünglichen Fassung gehört, ist mir zweifelhaft. Sie scheinen mir mit 20-24 fallen zu müssen. Aber es könnte wohl sein, dass sie älter wären, als die anderen Sprüche. Denn dass auf Dawid hingewiesen wird, ist klar; aber es ist noch ein recht empirischer Dawid. Zu Jesaja's Zeit hätte man Dawids anders gedacht; und doch vermuthe ich, dass erst zu seiner und Micha's Zeit oder kurz zuvor die Bileam-Erzählung gestaltet ward. 7) S. 12. Zu diesen gehört auch (gewiss gegen die Erwartung Vieler) Leopold Ranke, der geradezu einen religionsphilosophischen Standpunkt einnimmt. Auch für ihn handelt es sich um den Kampf und den Sieg des verschiedenen Gottes-Bewusstseins der Völker. ,s) S. 13. Micha 4, 1—3, und fast gleichlautend Jes. 2,2—4- Dadurch erweisen sich diese Verse als weder dem einen noch dem andern dieser beiden Propheten angehörend, wie längst anerkannt. Die Vermuthung Hitzigs, dass sie ursprünglich Joel gehören, ist von ihm selbst als uuerweislich zurückgezogen, und er hält sie für älter als Joel. Das scheint mir insofern richtig, als ausschliesslich an das vierte Kapitel von Joel gedacht wird, das entschieden exilisch ist, also nicht aus derselben Zeit stammt, wie die vorangehenden Stücke, die mir zum Teil entschieden älter scheinen. Aber unsere Stelle hat mit Joel überhaupt nichts zu thun. Nun sehe ich aber zu meinem Bedauern, dass ich auch mit Stade nicht übereinstimme Dieser scharfsinnige Kritiker stellt (Ztschr. f. d. alttest. .\Viss. I. S. 165 f.) jene Verse nach ihrer allgemeinen prophetischen Betrachtungsweise mit Jes. 66, 23 und Sach. 14, 16—19 zusammen. Danach wären dieselben nicht als bekanntes Citat von ile^aja und Micha in ihre Reden aufgenommen, sondern von einem Diaskeuasten dort irrthümiieh eingeschoben. Doch dagegen hätte ich nichts einzuwenden; denn sie scheinen auch mir bei Micha, wie bei Jesaja zusammenhangslos. Wovon ich mich aber nicht überzeugen kann, das betrifft die Interpretation Stade's. Kein Wort unseres Fragmentes erinnert an jene „Vergröberung des jesajanischen Gedankens von Jerusalems innerer Bedeutung" (Stade das. 166), welche sich bei den exilischen Propheten findet. Ja, die Juden scheinen mir Recht zu haben, wenn sie gewohnt sind, auf unser Fragment als auf eine Perle des Prophetenthums zu blicken. Denn kaum wüsste ich eine Stelle bei Jesaja, wo Jerusalem so klar und so rein als religiöser Mittelpunkt der' Menschheit dargestellt wird, wie hier, noch auch eine Stelle weder bei Jesaja (11, l—10) noch bei Hosea (2,20), wo der ewige Friede so allgemein und in solcher Prosa, ohne Beimischung der Phantasie, fest hingestellt würde. Was hat dieses Hinaufziehen auf den Berg Gottes zu thun mit jener Verherrlichung des Laubhüttenfestes, welche Sacharja verheisst oder gebietet? Um sich Belehrung zu holen, heisst es hier, wallfahrten sie, nicht um Geschenke nach Jerusalem zu bringen. Und . da die Völker kommen,