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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1885-01-01 · [3].1885 · p. Seite 16

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
[3].1885
Date
1885-01-01
Page
Seite 16 (sequence 15)
Language
German
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16 Uileams festsetzte, um so mehr entwickelte sich auch die Vorstellung von einer Bereitwilligkeit Bileanu» zum Fluche, einem Hasse desselben gegen Israel. Zuerst entstand die Sage von der Begegnung des Engels und dem unwilligen Esel. Bileam war auf die Einladung Balaks augenblicklich bereit. Israel zu verfluchen; erst ein Bote Gottes muss ihm entgegen treten. Nun will Bileam, da er nur zu fluchen gedenkt und dies nicht soll, umkehren, weil er nicht kann, was er will. Da gebietet ihm Gott, zwar zu Balak zu ziehen, aber nur zu sprechen, was ihm Gott heissen werde. — Nun ist der Wandel, die Verkehrung da. Bileam will fluchen, und muss gegen seinen Willen segnen. Diese Auffassung konnte sich allgemeinen Beifall nicht erwerben. Sie schien eines Mannes nicht würdig, der wiederholt bekennt: „muss ich nicht streng dasjenige sagen, was mir Gott in den Mund legt?" (23, 12). Er kann nicht gegen Gottes Willen ausgezogen sein; er muss zum Auszuge ermächtigt gewesen sein. ' Wie aber konnte er das? Man erzählt nun, dass er allerdings von Gott zuerst die Weisung erhalten hatte (22, .12): „Du sollst dem Volke nicht fluchen, denn es ist gesegnet", und dass er demgemäss sich weigerte, mit dem Boten Balaks, zu ziehen. Da langte aber die zweite Botschaft an mit der wiederholten Bitte, zum Fluche zu kommen. Wiederum erwartet er Weisung vou Gott, und nun gestattet Gott die Reise; unter derselben Bedingung, wie der hindernde Engel es gestattet hatte. — Hier erscheint Bileam schon böswilliger. Trotz der ersten Belehrung von Gott, •wünscht er ihn zum zweiten Male zu hören; denn er will fluchen. Dass aber dies nicht die ursprüngliche Form der Erzählung ist, clavon halte ich mich überzeugt. Bileam muss ja jeden Spruch, den er für irgend eine GelegeDheit sprechen soll, zunächst unbestimmt lassen und durch ein sehr feierliches Opfer Gottes Erscheinung und Kundgebung abwarten. Hätte er in seinem Hause durch eine nächtliche Offenbarung belehrt werden können, so wäre der Opfer- Apparat an Ort und Stelle unnütz und undenkbar. Und wie konnte Bileam wissen, ob er in der Nacht eine göttliche Erscheinung haben werde? und doch rechnete er mit aller Gewissheit darauf. Hatte er etwa jede Nacht eine Unterredung mit Gott? Der Widerspruch dieser Erzählung gegen den Opfer-Apparat lässt sich freilich dadurch heben, dass Bileam des letztern bedurfte, weil Gottes Weisung alles noch unbestimmt gelassen hatte. Aber damit zeigt sich nur, wie sich die ursprüngliche Erzählung mit der Hinderung durch den Engel oder m»t der doppelten Botschaft überhaupt vereinigen lassen konnte. Zu diesem Behufe sind denn auch 23, 29. 30 eingeschoben, welche dem ersten Verse des c. 24 widersprechen. In der That musste doch nun dem Bileam nach zweimaligem Opfern der Wille Gottes klar sein, und er konnte auch ohne vorgängige Beschwörungen (□'»t&TD) wissen, was Gott von ihm wünscht; aber ein so guter Wille sollte dem Bileam nicht zuerkannt werden. Die Opfer bleiben auch für den dritten Spruch nöthig, da ohne solche Bileam gar nicht hätte segnen mögen. Bemerkenswerth ist noch die Ironie, mit der Gott in der zweiten Nacht zu Bileam spricht: „Wenn dich zu rufen die Männer gekommen sind, so mache dich auf und ziehe mit ihnen; aber nur das. was ich dir sagen werde, sollst du thuna. In c. 31; 8. IG. finden wir die Falschheit Bileams völlig ausgesprochen. Hier wird er als der Verführer Israels zum Abfall von Gott und zur Hingabe an den wollüstigen Dienst des Baal-Peor hingestellt: und damit war er für immer als der Feind Gottes, der Feind der Religion und Sittlichkeit gebrandmarkt. Demgemäss ward er schon in Josua 13, 22 DDlpn genannt, d. h. der falsche, lügnerische Prophet. Dass diese Anschauung von Bileam der ursprünglichen Erzählung völlig fremd ist, liegt auf der Hand. Welchen Sinn hätte ein Segeu aus dem Munde eines so Verruchten gehabt? Wie hätte sich Gott einem solchen Bösewicht offenbaren können? Dazu kommen bestimmte Beweise, wie längst erkannt ist. Nach der ersten Erzählung zieht Bileam unmittelbar nach seinem Segen in seiue Heimath. Nach der späteren Ansicht verweilt er noch lange Zeit bis zu seinem Tode, um an der Stätte, wo er den Segen gesprochen, die Verführung zu bewirken und dann auch mit dem Tode dafür zu hfissen; aber nicht bei Balak, der ihn doch hatte kommen lassen, weilt er, sondern bei den Midjanitern. Um diesen Widerspruch auszugleichen, ward 22, 4 eingeschoben und wurden in V. 7 die Worte p~D *3ptt

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