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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1885-01-01 · [3].1885 · p. Seite 15

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
[3].1885
Date
1885-01-01
Page
Seite 15 (sequence 14)
Language
German
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15 Am tiefsten scheint sichrer Verf. in Hamans Eitelkeit versetzt zu haben. Wenn er nicht sagen konnte, was in des Königs Gemfith nach Waschti's Verbannung vorging: so weiss er recht wohl, was Haman dachte, als ihm der König nach der schlaflosen Nacht die verfängliche Frage vorlegte (6,6). 5) das. Die alexandrinischcn Juden, welche, wenn nicht bloss, doch jedenfalls mehr ihre * griechische Uebersetzung der Bibel als das Original lasen und mit dieser Uebcrsetzung freier umgingen, hatten es leicht, sich mit dem Verf. des Buches Ester abzufinden: sie erdichteten alles, was sie darin vermissten. und schoben es ein, und so auch das unerlässliche Gebet. 6) Zu S. 9—10. Ich weiss von einer Person, Namens Bileam, nicht mehr als in den Commentaren zu der betreffenden Stelle ersehen werden kann. Die im Text gegebene Darstellung kann ich nicht anders begründen, als durch den Hinweis auf ihre innere Consequenz. So, wie ich im Text angenommen habe, lautete die ursprüngliche Gestalt der Bileam-Sage, d. h. muss sie gelautet haben, wenn man die üblichen Kriterien der Sagen- und Novellen-Kritik auch hier anwenden darf. Mag Biicam immerhin auch in der jüdisch-israelitischen Volkssage gelebt haben: so kann doch nicht bezweifelt werden, dass wir in der pentateuchischen Erzählung eine Sage haben, welche in Propheten-Kreisen gestaltet worden ist. Dass auch in diesen Kreisen Sagen entwickelt wurden, kann die Geschichte des Elija beweisen, und zwar gerade darum recht klar zeigen, weil wir hier Volks- und Propheten-Sage neben- und ineinander vor uns haben. Solche Schöpfungen der Propheten wurden aber bald schriftstellerisch festgehalten, dann aber von sich folgenden Schriftstellern aus- und umgestaltet, und das heisst gewöhnlich, wenigstens sehr oft, verunstaltet. In der Bileam-Sage, wie sie uns vorliegt, hat der Redactor mehrere Darstellungen in einander gearbeitet, und zwar derartig, dass es unmöglich ist. die älteste Fassung wörtlich auszuscheiden. Kein vom Zusammenhange geleitet, erkenne ich folgende Verse als der ursprünglichsten Darstellung angehörig: c. 22, 2. ö'J. 6. 7. 2l2). Ö6:l).40.41. c. 23, c. 24, H3- Mit den Worten: Und min fliehe, an deinen Ort endet die Erzählung. Die folgende Weissagung der Zukunft entstammt einem anderen Zusammenhange, ist von einem anderen Erzähler beigefügt, der sich nicht denken konnte, dass Biicam dem Balak nicht gerade das gesagt haben sollte, was ihm als König von Moab am wichtigsten sein musste. Nur übersah er, dass dies nicht zur Tendenz der ursprünglichen Conception gehörte, welche einzig in dem Wandel des Fluches in Segen liegt. Die Einschiebungen 22,8—20. 22—35. und 23, 29. 30. verdanken ihren Ursprung einer äusserlichen Auffassung des Wandeis. Schon in den Versen Deut. 23, 5 f., welche freilich nicht zum alten Bestände des Deuteronomiums gehören, so wenig wie der ganze Absatz 2—.0, in welchen 5b.6: wiederum erst später eingeschoben sind, liegt das Missvcrständniss ausgesprochen: „Dein Gott wollte nicht auf Bileam hören und wandelte dir den Fluch in Segen". Wie hätte denn Gott auf Bileam hören können? Hatte denn Bileam einen Fluch ausgesprochen, auf den zu hören und der zu verwandeln gewesen wäre? Bileam hat eben nicht geflucht. Nur Balak hatte den Fluch verlangt, und Bileam wäre unter Umständen bereit gewesen, ihn zu sprechen. Die richtige, echte Auflassung der Sache spricht der Prophet Micha aus (0,5): „Mein Volk,, gedenke doch, was Balak im Sinne hatte, und was ihm Bileam antwortete". Die Schwierigkeit bestand darin, zu begreifen, wie jemand, gerufen und allenfalls willig, den Fluch zu sprechen, dann doch segnen könne. Das ist freilich ein Wandel, den Gott bewirkt haben muss, nur Gott bewirkt haben kann; aber in wie weit ward der Seher von solchem Wandel ergriffen, und wie kam er ihm entgegen? Das ist aus Micha nicht ersichtlich, und von einem Wandel ist dort noch gar nicht die Rede. Jemehr sich aber die Vorstellung von einem Wandel, einem Verkehren, in der Geschichte i) Dass die Verse 2—5 nicht aus derselben Feder geflossen find, ist mir gewiss. Kein Schriftsteller beginnt: Und Balak sah und fährt fort: Und Moab fürchtete sich vor und wiederholt: und es graute Moab vor. Und wer nun V. 4 gesagt hat: Und Moab sprach, fügt nicht hinzu: Und lialak icar König von Moab. Aber V. 5. schliesst sich gut an 2, und der letztere Zusatz war nur nöthig, um die unterbrochene Satz-Verbindung wieder herzustellen. s) In V. 7 muss man freilich, andern; statt die Aeltestm von Moab und die Aeltesten von Midjan ist wie 21 zu lesen die Fürsten Moab». 3) In V. 22—33 sind verschiedene Hände zu unterscheiden; aber kein Vers davon gehört der ersten Abfassung.

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