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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1885-01-01 · [3].1885 · p. Seite 14

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
[3].1885
Date
1885-01-01
Page
Seite 14 (sequence 13)
Language
German
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14 Woher mag Purira stammen? Dass es von den Persern aufgenommen ist, scheint zwar recht wahrscheinlich, doch dürfte es eine jüdische Vorbereitung gehabt haben. Seit der Urzeit wird man den 15. Adar (oder des 12. Monate) eben sowohl wie den 15. des 11. und des 5. Monats (Ab und Schebat) gefeiert haben, wie auch der 25. des 9. (Kislew) ein uraltes Fest war, auf welches unser Chanukka gepfropft ward. So wird auch Purim ein zwar fremder Zweig, aber einem altjüdischen Stamm aufgepfropft sein. So erklärt sich leicht, dass wiederum unter den Juden Europas die Sitten der Fastnacht auf Purim übertragen wurden, wie namentlich auch die Mummerei und die „Krüppel'4 als Fastnachts-Speise, die in Hessen und auch wohl in Süddeutschland, bei den Juden aber nicht nur in Deutschland, sondern auch in Polen üblich ist. 2) S. 5. Ich stelle liier die psychologischen Ausdrücke, die sich in Ester finden, zur leichteren Uebersicht zusammen: Jim 1,8 Gefallen, Belieben; 9,5 Gelüst (nach Rache); l,io fröhliches Heizens sein; "|Vön bv es gefallt dem König, (ihre Majestät geruhen); TOS 2tD* (318) gefallen; (]n) HÖH WW Gunst finden; "TCO 8,5 gefallen; my sich vergehen (schon netihebr.) l,w; niDJI (Hif. statt Kai) verachten, )V>D AWJ2 J^l es schien ihm verächtlich, er erachtete es zu gering; *)Sp in Zorn auffahren, Zank; non Zorn (HDD^ legte sich, mjD entbrannte, fiDi! er ergrimmte); pSNPn an sich halten; "Ip1 Ehre (ein Lieblingswort unsres Verf., das sonst nur selten begegnet; das gebräuchliche kommt bei ihm nur zweimal vor und zwar attributiv zu lü/y Reichtum; auch bedeutet 1p1 wie f6ni nur äussere Pracht); gedenken, Andenken; JTP erfahren, wissen; Man sehen, erfahren, sich überzeugen 3,4; noi wähnen; 255'n ersinnen, rOt£T!D Anschlag; ]>Dn begehren, Gefallen haben; hVd vollendet, fest beschlossen sein; fc'p? bitten, Hlt'ps Bitte, H^Kiy Bitte, pnnn anflehen; 3HK lieben (Gcschlechtsliebe), 2HN Freund; "pDJ bestürzt sein: traurig, blü t"t£CO Wehklage, jU1 Kummer; ^n/Finn erzittern, in Angst geraten; DJQJ erschrecken; ins Furcht; 121^ hoffen; nöl^ freudig, nnülP, jU2>£* Freude; Sl!» jubeln; m*« Glück; mif 7,4 ausgleichen, beachten, *b FW es gleicht mir, e,s genügt mir; mit der Ncg. es gilt mir nichts; 1H Feind; jn böse, njn Bosheit, Unglück; 312 gut; TDy bereit; Op3H sicli rächen; HC5*1 uhv? Friede u. Treue; ^IXI wohlgefällig (nur noch Deut. 33,24 also in poet. Sprache „der Liebling"). 3) S. 8. Dies ist natürlich kein historischer Bericht. Der Talmud ersehliesst die Unzufriedenheit der jüdischen Weisen gerade aus dem Schluss-Verse von Ester. Er fasste nämlich "Hin 2°lb nicht als „wohlgefällig der Menge seiner Brüder", sondern: der Majorität seiner Brüder, nämlich der Majorität der grossen Synode. Der Talmud trug sein Gefühl in den Text. 4) das. Von Ahasver, nach der Verstössung der Königin Waschti, weiss der Verf. nur zu sagen: „Nachdem sich der Zorn des Königs gelegt hatte, gedachte er an Waschti, was sie gethan hatte, und was über sie beschlossen war*; was aber im Gemüth des Königs vorging, indem er eben daran dachte, welche Leere des Herzens, welchen Schmerz, welche Sehnsucht er fühlte, diese inneren Regungen versteht er nicht darzustellen. Und selbst Esters schon angeführter herrlicher Ausdruck der Anhänglichkeit an ihr Geschlecht lusst Religion und alle geistigen Güter unerwähnt. In solchen Fällen stammelt der Verf. und redet nicht. Noch schlimmer zeigt sich dies bei einer anderen Gelegenheit. Er lässt den Mordechai zur Ester sagen, als sie sich weigerte, für ihr Volk beim König einzutreten: „So du stille sässest in dieser Zeit, so würde Hülfe und Rettung für die Juden erstehen von einem anderen Orte her" (4,u). Damit solle, meint man wohl, auf Gott hingewiesen, an Gott erinnert werden, wenn auch nur in versteckter Form. Aber wenn das richtig wäre, so müsste ich solche Hinweisung noch mehr tadeln, als die völlige Verschweigung; denn das würdo ja heissen: wenn du nicht hilfst, so wird Gott helfen; und so würde Gott neben einen Menschen gestellt. Er hätte zu sagen gehabt: so wird Gott, ein andres Werkzeug soiner Gnade finden und von anderer Seite her Rettung erwirken. Nur eine Stelle enthält eine, aber auch'hier nicht ausgesprochene Hinweisung auf Gott oder wenigstens ein Höheres, nämlich der Schluss von 4,«: „und wer weiss, ob du nicht um solcher Zeit willen zum Königthum gelangt bist". So kann aber auch ein Skeptiker reden.

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