Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- [3].1885
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 12)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
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13 Aegypter nach Assur; und die Aegypter mit den Assyrern dienen Gott. Jenes Tages wird Israel das dritte sein im Bunde Aegyptens und Assurs, ein Segen inmitten der Erde, welche Gott segnet mit den Worten: Gesegnet sei mein Volk Aegypten, und meiner Hände Schöpfung Assur, und mein Besitzthnm Israel." Der Prophet kann sich so wenig wie der heutige Geschichtsphilosoph 'eine Menschen weit ohne Nationalität denken. Er meint, mögen die Nationen in ihrer Verschiedenheit Weihen, wenn sie nur in dem einen, alle gleich sind, dass sie in Frieden mit einander Gott dienen. So sind sie Alle Völker Gottes, von Gott geschaffen, ihn erkennend, von ihm gesegnet. Nicht minder entschieden und klar, aber noch umfassender heisst es in einem alten prophetischen Fragment, das sich hei Jesaja und bei Micha findet: „Aber es geschieht in der Folge der Zeiten, da ragt der Berg des Hauses Gottes vor allen Gebirgen hervor und ist erhaben über alle Hügel, und es strömen zu ihm die Völker. Und es gehen die Nationen und sprechen: „„auf, lasst uns hinanziehen zum Berge Gottes, zum Hause des Gottes Jacobs; und er soll uns lehren seine Wege, und wir wollen wandeln in seinen Pfaden"". „Denn von Zion wird ausgehen Belehrung, und das Wort Gottes von Jerusalem. Und Er richtet und schlichtet zwischen den Völkern, und sie schmieden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Speere zu Winzermessern: nicht hebt Volk gegen Volk das Schwert, und nicht lernen sie fürder den Krieg."5) Anmerkungen. *) S. 4. Es ist langst allgemein anerkannt, dass das Buch Ester nach Alexander verfasst ist. Es ist jünger als die Chronik, Esra und Nehemia, wo weder der Begebenheit noch der Personen des Buches Ester gedacht wird. Andererseits ist es älter als das Buch Daniel^ dessen Abfassung in die Zeit 167—164 v. Chr. fällt. Der Verfasser lebte also, so nehme ich an, etwa um 200 v. Chr., und zwar in einem iranischen Lande in den ersten Zeiten des neu erstandenen Parther-Reiches. Nach Alexanders Tode fielen die iranischen Lander, der Kern des grossen alten Perser-Reiches, wie in eine tiefe Betäubung. Ihr ganzes Bewusstsein, das politische wie das religiöse, war desorganisirt; denn der Mittelpunkt desselben, der persische König, war vernichtet. Wenn unser Verfasser hier lebte, so erklärt sich am leichtesten, dass er verhältnismässig noch viel vom alten Persien weiss, und doch alles Geschichtliche der Grosskönige nebelhaft verschwimmt. Dort lebte er aber auch fern von dem Mittelpunkte des jüdischen Lebens. Er wusste gewiss von Jerusalem; aber die hier eifrigst betriebenen Bemühungen um Kräftigung der Religion kennt er nicht; und so denkt er gar nicht an Jerusalem, es besteht nicht für ihn. Er hat nie gebetet: „wenn ich dein vergessen sollte, Jerusalem, so verdorre meine Rechte" (Psalm 137). So hatte er auch keine Ahnung von dem Geiste, der sich bald nach ihm unter den Maccabäern erhob. Die Herrscher des ersten Parther-Reiches, die Arsaciden, waren von ganz anderer Gesinnung als Cyrus und Darius gegen die Juden. Unser Verfasser muss unter Verhältnissen gelebt haben, welche für die Juden höchst trübe waren, den Geist niederdrückend- und beengend. Wenn dieselben insofern denjenigen Zuständen sehr ähnlich waren, unter denen die Juden des Mittelalters seufzten: so fehlten ihm dagegen die vielen mächtigen religiösen und wissenschaftlichen Momente, durch welche die letzteren gestärkt wurden. . ' Das Purim-Fest war zur Zeit unseres Verfassers schon längst ein lebhaft gefeiertes Fest unter den Juden, obwohl von keiner Autorität oder Behörde eingesetzt oder auch nur anerkannt; auch wusste man weder, woher es stamme, noch auch, was der Name bedeute. Das Buch Ester sollte nun eben Namen und Bedeutung des Festes erklären und im Gcdächtniss der Juden erhalten.