Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- [3].1885
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 11)
- Language
- German
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12 Cither". Sie maassen Israel-Juda und die Völker .mit demselben ethischen Jlaasse, drohten ihnen allen in gleicher Weise mit der Strafe Gottes und fühlten mit .ihijen allen in gleichem Grads den; Schinerz. Man. lese das Sündenregister, das der Prophet. Arnos im .Beginn seiner Rede entrollt, und lese, wie er ihnen allen in denselben Wendungen die. Strafe Gottes verkündet» Damaskus, die Philister, die Phöniker, Edom, Ammon und Moab; endlich Juda und Israel, über sie alle ergeht das gleich'harte Urtheil.. Und liest man,- wie unmenschlich diese kleinen Staaten gegen einander gewüthet haben* so begreift man, wie die Propheten; in Nebukadnezar und Cyrns die Diener und Gesalbten Gottes erkannten, gesandt, um solchem grausamen Treiben ein Ende zu machen. Diese Ansicht der Propheten ist aiich die unserer heutigen Historiker* welche die Schicksale der Völker vom geschichtsphilosophischen Standpunkt aus beurteilen. 7> Die grossen Weltreiche, wie wenig auch ihre Könige und Beamten, zuweilen von ihrem Berufe wissen mochten, oder wie sehr auch der Hinweis auf ihren Beruf in ihrem $Tunde zur heuchf lerischen Phrasegeworden sein mag (wie bei den römischen Statthaltern in* den Provinzen).—» sie haben im Gange der Weltgeschichte die Mission erfüllt, den kleinlichen und deswegen um so grausameren Zänkereien und Schlächtereien unter den vielen kleinen Völkern ein Ende zu setzen. Am gründlichsten ist dies endlich dem römischen Regierungstalent gelungen: die Römer hatten die Völker des damals bekannten Erdkreises so zerstampft,. dass daraus eine einförmige Masse römischer Bürger, Unterthanen der Cäsaren, entstanden war.' Der Wein, der aus solcher Völkerpresse Alexanders und der Cäsaren gekeltert ward» ist aufgefangen in kosmopolitischen Aussprüchen der stoischen Philosophie und in dem Worte des Heidenapostels (Gal. 3,28): „Hier ist kein Jude noch Grieche,, hier, ist kein Sclave noch Freier, hier ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal Einer in Christo Jesu." Dieser Satz ist zuverlässig zu erhaben, als dass er bekämpft werden dürfte: und wenn ich ihn zu bemängeln wage, so ist es eben auch nur: die Erhabenheit selbst, auf die ich hinweise als dea Grund seines Mangels. Er ist entstanden in einer Zeit allgemeinsten Druckes und. grösstea Elends: da konnte er in seiner reinen Geistigkeit über alles Irdische hinwegheben, indem er von allem Irdischen absehen lehrte, von dem Elend auf Erden wie von aller irdischen Herrlichkeit, die zerstampft war, und die man nur noch vom Hörensagen kannte. Als sich aber nach wenigen Jahrhunderten die Zeiten änderten, und bis heute — da zeigt sich jener Spruch als anerkannt und gültig nur im Gotteshause (und kaum; denn midier, taceat in ecclesia); sobald aber der Mensch, das Kind^Christi, den Fuss aus der Kirche setzt, ist jenes Wort verklungen^ sind die Grenzen des farblosen Himmelreichs überschritten;: hier draussen empfangt sie eine irdisch bunte Welt mit ihren mannichfachen Völkern, Ständen und ihren Natureinrichtungen. Als der Prophet Jesaja sein. Amt übte, begann eben durch die Assyrer die grosse Völkerstampfe ihr Werk. Er, wie alle, folgenden Propheten,. hatte keine Ahnung von einer Welt, : wo. alle Nationalität vernichtet sein sollte. Aber er sah eine Zukunft voraus, in der alle Völker in sittlicher Friedseligkeit neben einander wohnen und, mit einander verkehren, sollten. Zu seiner Zeit waren es zwei Grossmächte, von denen Israel-Juda zu furchten hatte: eine westliche und eine östliche, Aegypter und Assyrer. Sie bekämpften einander (wie sich Asien unjl. Africa. schon Jahrtausende vorher bekämpft hatten); und Israel, in ihrer Mitte eingezwängt, ward dabei wehe genug. Da entwirft Jesaja ein Bild der Zukunft mit den Worten (19,2i-2ö): „Und kund thut sich Gott den Aegyptern; die Aegypter lernen Gott kennen jenes Tages; und schlagen wird Jahwe Aegypten, schlagen, aber auch heilen. Jenes Tages wird eine Strasse sein von Aegypten nach Assur, und Assyrer kommen nach Aegypten, und