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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1885-01-01 · [3].1885 · p. Seite 11

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
[3].1885
Date
1885-01-01
Page
Seite 11 (sequence 10)
Language
German
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11 Rabbi meinte also, dass jeder Siegesjubel, so natürlich und gerechtfertigt er auch vor dort Renschen erscheinen mag, doch vor einem höheren Richterstuhle nur missfallen könne. Biesen Ausspruch fuhrt der Talmud an im Tractat über das Buch Fster (10, b), wo der Freude über den Untergang Hamans gedacht wird. Der Sinn unserer Purimfeier wird also der sein: wir danken Gott dafür, dass er so oft in der Geschichte Israels die Trauer in Freude verwandelt, unser Volk vom Untergang gerettet hat; und so ist Purim für uns heute das Fest der Emancipation. Wir freuen uns, in einem Staate zu leben, wo die Gleichheit des Rechts Geltung hat — trotz all dem und all dem. Wir werden niemals wieder verkauft werden. Und schliesslich Bileam. Wenn wir das Gotteshaus betreten, so sprechen wir sein Wort: „Wie schön sind deine Zelte, o Jacob, deine Wohnungen, o Israel!" Damit aber, das beherziget wohl, ist doch nicht der schöne Baustyl und die Pracht des Tempels, und auch nicht die harmonische Einrichtung eurer Zimmer gemeint! sondern die Anhänglichkeit an Gottes Lehre und die Sittlichkeit des Lebens: die Heiligkeit der Ehe, die Ehrfurcht der Kinder vor den Eltern und die Milde der Eltern gegen die Kinder, Harmonie und Friede in der Familie. {Nicht Küchenordnung ist gemeint und nicht Affenliebe, welche im Wahne, dem Kinde woblzuthun, ihm wehe thut, aus Eitelkeit der Eltern entspringt und Eitelkeit im Kinde nährt; sondern unbefleckte Hand und reiner Mund, treue Gesinnung und feste sittliche Zucht. „Wie schön sind deine Zelte"; damit, sagen unsere Weisen, sind die Religionsschulen und alle Lehranstalten für Wissenschaft des Judentlmms gemeint. — So lasst uns bedenken, was wir auch treiben mögen, ob unser Thun Bileams Wort bewährt? dass nicht Zwist in das Gotteshaus eingehe, dass nicht Leichtsinn oder gar Unreinheit der Sitte in unserem Hause niste,- damit nicht etwa ein Bileam, wenn er uns sieht, seinen Segen: zurücknehme und in Fluch wendet, dass er vielmehr immer und immer wieder sprechen müsse: ich habe es gesegnet, und es bleibe gesegnet, Amen! Indem ich im Vorstehenden meinen Vortrag über Haman und Bileam der Oeffentlichkeit übergebe, fällt die Beschränkung fort, die mich genöthigt hatte (vgl. S. 10), das Gegenstück zu jenen beiden, das Verhalten des jüdischen Propheten zu den anderen Völkern, den Heiden, vorzuführen: Allerdings lässt sich dieser Gegenstand, wenn er gründlich und erschöpfend behandelt' werden soll, nicht so kurz erledigen; es sollen also nur die wesentlichsten Punkte'berührt werden. Es muss vor allem die Ansicht der Propheten über gleichzeitige Völkerverhältnisse und Völkerbeziehungen gesondert werden von den Hoffnungen, die in einer idealen Zukunft erfüllt werden sollen. In ersterer Hinsicht stimmen die Propheten wohl sämmtlich im Wesentlichen mit einander überein, wie verschieden auch ihre persönliche Stimmung und ihr Temperament sein mochte. Schlechthin nämlich wird sich von den Propheten Israel-Juda's sagen lasset, einerseits dass sie die Völker allemal nur wegen bestimmter unsittlicher Thateri verultheiften, und andererseits-dass dennoch, und obwohl sie in dem Unglück, dass ein Volk'betraf, die wobt* verdiente Strafe Gottes sahen, das Herz der Propheten des Mitleids' voll „klaget 'wi£'?die 2*

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