Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- [3].1885
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 7)
- Language
- German
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8 sich, so berichtet3) der Talmud, als Mordechai die weltliche Höhe erstiegen hatte, von ihm geschieden (das. 16b). Zu allen Zeiten hat es unter den Juden Verwunderung erregt, dass im Buche Ester nirgends Gott genannt, nirgends auf das göttliche Wort und göttliches Walten hingewiesen wird. Ester bleibt auch im Hause des Königs ihrem Erzieher Mordechai gehorsam: das sagt der Verfasser; dass sie aber als Königin auch seinem und ihrem Gotte treu ergeben blieb, verschweigt er. Wie das grauenvolle Edict Hamans gegen die Juden erlassen war, da zerriss Mordechai seiue Kleider und hüllte sich in Sack und Asche und schrie laut und jammerlich; aber kein Blick nach oben, und kein Gebet entquillt der belasteten Brust. Und wenn Ester fastet, und wenn sich die Juden in Susa fastend versammeln — kein Gebet entströmt dem Munde. Und eben so wenig ertönt nach der wunderbaren Rettung ein Danklied. Nun sagt man wohl, dass sich das alles von selbst verstehe. Wenn Mordechai die Juden in der Synagoge versammelte (D1JD 4,ig), was thaten sie denn da, wenn nicht beten? und was heisst fasten, wenn nicht auch beten? Indessen für den Schriftsteller kommt es nicht darauf an, ob sich etwas von selbst verstehe, oder nicht: er muss es uns sagen, er muss uns zeigen, wie es herging, uns hören lassen, was man sprach und wie es lautete. Er darf uns auch über die Gesinnung seiner Helden nicht in Zweifel lassen; wenn Mordechai als Jude vor Haman nicht niederfallen wollte, so nmsste er sagen, was das bedeute. Nichts auf Erden, meine ich, unter welchen Umständen auch immer, hätte einen jüdischen Schriftsteller verhindern dürfen, Gott oifen zu bekennen; und in einer Schrift, welche Mordechai's Benehmen gegen Haman erzählt, welche bei den Völkern so entschiedne Missstimmung erregen nmsste, da sollte sich derjüdische Schriftsteller scheuen, seinen Gedanken, dass die Juden durch die Hülfe und das wunderbare Walten Gottes vom Untergange gerettet worden sind, klar rvtszusprecnen? Darum meine ich, dem Verfasser weniger Unrecht zu thun, wenn ich annehme, nicht dass er nicht gewollt, sondern dass er nicht gekonnt habe. So geschickt er Begebenheiten erzählt und Personen charakterisirt, so wird man doch bald finden, dass ihm für vieles Innerliche der Ausdruck nicht zu Gebote steht.4) Einer der grössten Lehrer des Talmud, Samuel, sagte: Das Buch Ester ist nicht mit dem heiligen Geiste geschrieben (Megilla 7a): .meM anpn nrn 1*6 nnos Warum die Juden dieses Buch, die Megilla, dennoch so liebten, habe ich schon gesagt; und was dem Buche fehlte, Gott und die Religion, das trugen sie aus ihrem eigenen reichen und weichen Innern stillschweigend5) in dasselbe hinein; das dort fehlende Gebet, das inbrünstige Elchen und den heissen Dank, das schufen sie hinzu in Gebeten vor und nach der Lesimg der Megilla. Da sagten sie sich: Als ein Spross frechen Uebermuths sich erhob 131 ' ' ü^y ü^p: da entknospete der Palme der Religion eine Blume, das war Ester, sie trat auf und erinnerte an den Bund Gottes mit den nW>o ms p nain \n EW "TO5? 7HOV Vätern Israels.