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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1885-01-01 · [3].1885 · p. Seite 5

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
[3].1885
Date
1885-01-01
Page
Seite 5 (sequence 4)
Language
German
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und besonders in einer für die gegenwärtige Erzählung so wichtigen Angelegenheit klar zw sein. Dabei ist nicht zu verkennen, dass der heitere Eingang, in welchem Lust uud Leben herrscht einen gefalligen Contrast bildet zu den düsteren Trauerfarben in der Mitte der Erzählung! ja noch unmittelbarer zu der Verstossung der ersten Königin Wasch«, die gerade bei dem frohen Feste, das der König und auch die Königin selbst gab, in Ungnade fiel. So wird uns sogleich im Anfang der wunderbare Wechsel im Geschicke der Menschen vor Augen gefühlt, ein Wandel von Lust in Trauer, der eine Vorbereitung wird für das eigentliche Thema, einen Wandel der Trauer in Freude. Der Verfasser ist also nur ausführlich genug, um den Leser in die geeignete Stimmung zu versetzen. Wo es aber hierauf nicht ankommt, da ist er sogar sehr kurz, wie z. B. bei der von Mordechai entdeckten Verschwörung. Hier ist kein Wort zu viel; aber er sagt genau das, was er für den Gang der Erzählung braucht. Ebenso versteht er es, in aller Kürze, aber in prägnantester Weise, darzustellen, wie sich die drohende Wolke über dem jüdischen Volke zusammenballt, und wie Mordechai die Königin davon unterrichtet. Und plötzlich, da wo man schon den Blitz fürchten muss herabfahren zu sehen, tritt die unerwartete Wendung ein — in der schlaflosen Nacht des Königs. Diesem ersten Schlage auf Hamans Haupt folgt nun sogleich der andere noch wuchtigere, vernichtende; und beide Mal stellt Haman, vom Erzähler wohl motivirt, gerade da, um den Schlag unmittelbar zu bekommen; und beide Mal wird er getroffen, während er glaubte, sich des höchsten Glückes erfreuen zu können oder es erwarten zu dürfen. Diesen Contrast der Stimmung und Hoffnung des Helden gegen dessen Schicksal hütet sich der Verfasser wohl durch ein überflüssiges Wort zu schwächen. Hier zeigt er seine Meisterschaft. Wenn er nun aber gegen Ende der Erzählung wirklich breit wird, so wird dies eben durch seine bestimmte Absicht bewirkt, das Purimfest als ein nicht freiwilliges und gleichgültiges darzustellen, das vielmehr ewige Dauer haben müsse, und, da es zu seiner Zeit wohl nur von den östlichen Juden jenseit des Euphrat gefeiert ward, auch den westlichen Juden in Palästina, Klein-Asien und Aegypten zur ewigen Pflicht gemacht werden sollte. Nicht sowohl um die äussere Verkettung der einzelnen Ereignisse ist es unsrem Erzähler zu tun, als um die Motivirung aus den Charakteren. Sein Verhalten bleibt allerdings immer ein durchaus naives; nur Tatsachen stellt er dar; es fehlt fast jeder Anfang zu einer psychologischen Schilderung. Die einzigen hierher gehörenden Ausdrücke, die er kennt, sind solche, welche sämmtlich nur Gemütserschütterungen und höchst erregte Stimmungen bezeichnen, wie Trauer und Freude, Liebe und Hass u. s. w. Sehr häufig ist die Wendung: »wenn es dem König gefällt". Dagegen fehlt z. B. gehorsam, wofür er sagt: den Befehl tun. So sind es fast nur die äussern Betätigungen des Innern, welche er berichtet. In dieser Weise aber charakterisirt er vortrefflich.2) Da ist zuerst der König Ahasver: ein despotischer Automat, welchem jeder Gedanke, jeder Wille und Entschluss von seiner Umgebung eingeblasen wird, und welcher demgemäss aufbraust und bald ausgebraust hat. In einer zufälligen Laune hat er auch Haman in die höchste Würde eingesetzt: Kaman ist ohne Verdienst um den Staat; er ist aber auch kein Intrigant, er hat nur das Glück gehabt, Gunst in den Augen des Königs zu finden. Nun besitzt er leider auch die einem grundlos erhöhten Günstling gewöhnliche Eitelkeit; und "so tritt schnell der Conflict ein, der alles folgende nach sich zieht. Ihm sollte diejenige Ehrenbezeigung gewidmet werden, welche ausser den Göttern sonst nur dem irdischen Stellvertreter der Gottheit,

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