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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1874-01-01 · 1.1874 · p. Seite 15

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1.1874
Date
1874-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 macht sie Aenderungen aus Rüchsicht auf die Ehre Gottes und IsraePs. Auch die eiue Zeit lange gesteigerte Ehrfurcht vor dem herrschenden Priesterthume macht sich bemerklich. Die Kritik hat zum Anhalte innere und sprachliche Momente, die ihr genügende Fingerzeige geben, um das Werk der späteren Redaction zu entdecken und von dem ursprünglichen Buche zu unterscheiden. Der Einfluss des Priesterthums, der Stämme Juda und Benjamin, des davidischen Hauses macht sich auch in neuen Werken geltend. Von diesen Gesichtspunkten aus wird die alte Geschichte dargestellt in der Chronik. Sie wird geleitet von dem Bestreben, den ausgedehntesten Tempeldienst möglichst hoch hinaufzurücken, den alten Einfluss der Zadok-Familie hervorzuheben, den Zusammenhang Benjamin's mit dem judäisehen Reiche als von vornherein eng bestehend zu behaupten, Juda und David aber mit seinem Hause nach Kräften zu verherrlichen. —Die Betrachtung über Esra und Nehemia, die allerdings zeitgenössische Geschichte berichten, lässt doch andere Motive durchblicken, als sie in der Chronik sichtbar sind, so dass sie schwerlich demselben Verfasser zugeschrieben werden dürfen. Sie scheinen etwas früher abgefasst zu sein zu einer Zeit, in welcher noch Manches erkämpft werden musste, die Sabbath- und Brachjahrbeobachtung noch schwankte, die Absonderung von den umliegenden Völkerschaften noch nicht durchgedrungen war, daher die Vermischung mit fremden Frauen noch vielfach herrschte. Erst zu ihrer Zeit wurde der Kampf für alles Dieses mit Ernst aufgenommen, wobei es nicht an gegenteiligen Anschauungen fehlte, die ihre Stütze in der alten Geschichte suchten und ihre Auffassung durch Darstellungen aus dieser Vorzeit vertrateu. Diesem Bestreben verdankt ebensowohl Ruth wie Esther seine Enstehung. In jener Zeit neuen Werdens wogt es in der Brust der Vatersandsfreunde von kühnen ZukuuftshÖffnungen, aber auch Verstimmung herrscht wegen des Druckes von Aussen und der Vergewaltigung von Innen. Beides, die muthigste Zuversicht wie die schmerzliche Klage, vernehmen wir im zweiten Theile des Jesaias, von letzter Stimmung ist jedoch der ganze Koheleth eingegeben. Das klingt ferner in vielen späten Psalmen durch, das beugt schon manchmal den Jeremias, der sich jedoch dann wieder wunderbar aufrafft, das durchzieht die Klagelieder und hallet in Ezechiel nach. In erhabenem dichterischem Ringen tritt diese Zwiespältigkeit und innere Beängstigung auf im Buche Hiob, das mühevoll und gewaltsam den Zweifel niederkämpft und den persischen Geist des Bösen, den Satan, in die Weltlenkung einführt. — Dieses Hineinragen der himmlischen Fürsten in die Erdendinge, die für und wider die Menschen und die Völker Partei ergreifen, wie Daniel es so scharf ausspricht, wie Sachariah es voraussetzt, erfahren wir auch im Buche Josua, einem Buche, dass auch sonst voll ist von Nachahmungen früherer Bücher und die deutlichsten Kennzeichen später Abfassung an sich trägt. Es will eine Lücke in der Geschichte ergänzen zwischen Moses und den Richtern und verwendet dazu manche Ueberlieferungen, die im Munde des Volkes lebten. Auch die alten Prophetenbücher haben ihre späten Anhänge. Der alte prophetische Geist trieb noch neue Schösslinge, wenn auch kraftlosen Nachwuchs. Chaggai, Sachariah (bis c. 8 Ende), Maleachi bekunden sich, namentlich die beiden ersten, als Genossen ihrer Zeit, der erste und der letzte sind sprachlich unbeholfen, Sach. wohl schwungvoll, aber in kleinlich ausmalenden Gesichten hat er die persischen Monatsnamen, den Satan als bestellten Ankläger und Aehnliches. — Angehängt dem ächten Jesaias ist ein zweiter Theil von c. 40 an, der im Ganzen der Zeit um die Rückkehr nach Babel und nach derselben angehört, aber doch aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt ist. — Dasselbe gilt von Sachariah 9 bis Ende, aber der Theil ist schwerlich älter, vielmehr jünger als der erste. Ob der ganze Joel ein Werk späterer Zeit ist oder nur die zweite Hälfte, steht noch dahin; von der letzten mag Dies mit Sicherheit ausgesprochen werden. — Sammelwerke endlich, dem grossen Theile nach jung, sind die Psalmen und die Sprüche. Die ersten sind vielfach aus Volksliedern entstanden, die daher oft ihren Refrain haben, mit Sätzen aus älteren Stücken zusammenklingen, unter sich selbst

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