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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1874-01-01 · 1.1874 · p. Seite 14

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1.1874
Date
1874-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 in dein Humanismus, erweckend und belebend. In Italien beginnt die Kritik auch innerhalb des Judenthums ihre Schwingen zu entfalten; es sind Erstlingsversuche von glücklicher Vorbedeutung, und wenn sie nicht zu unerinüdeteni Aufschwünge fuhren können, so sind sie doch unverlorene Anfänge geblieben. In Deutschland zumal erlaugt die Kenntniss und Pflege des jüdischen Geisteserbes eine Heimath auch in der christlichen Gelehrsamkeit, die ihr eine unbefangene Pflege in Aussicht stellt, und die Kirchenspaltung, welche die Fesseln knechtender Autorität bricht, eröffnet eine neue Zeit. Eine neue Zeit! Und wie lange doch dauert's bis sie voll eintritt, eintreten wird! Wie die freie kühne That Luthers sich bald in dogmatisches Gezäuke einengt, die Mächte der Vergangenheit sich aufraffen, blutige Kriege anfachen, durch Gewalt und List neue Siege erringen, so ist auch das Judenthum nicht unmittelber von der Zeitbewegung erfrischt worden. Der heftige Streit über die Erhaltung seiner Schriften, der ausserhalb geführt wurde, ging an ihm spurlos vorüber; man wusste im Ghetto nur davon, wenn nach den Büchern gefahndet wurde. Eine geistige Betheiligung daran fand nicht Statt, umsoweniger an dem Streite, der nun innerhalb der Kirche entbrannt war und von dessen weltbewegender tiefer Bedeutung man keine Empfindung hatte. Und doch waren seltsame Ausläufer gerade von eingreifender Wirkung. Die weiterstrebenden Richtungen konnten blos in den regelloseren slavischen Ländern eine Zeit lang eine Geltung erlangen, die ihnen anderswo verwehrt wurde. Böhmen und Polen traten damals in den Vordergrund und haben einen Einfluss sich erworben, der für eine längere Zeit massgebend und anregend geblieben, aber dann auch die Bestrebungen weiter fortgeschrittener Länder gehemmt hat. So brach von Osten aus die ganze erstarrende Macht der Satzungen in dem Abschlüsse, welcben der Schulchan aruch des Josef Karo aus Safed und des Moses Isseries aus Krakau bewirkte, herein, nicht minder eine Mystik, die an Abenteuerlichkeit alles Bisherige überstieg, in Isaak Luria und seinem Anhange. Die widerstrebende Bildung konnte nur im Geheimen trauern, wenn sie nicht der verfolgungssüchtigsten Verfeliniung sich preisgeben wollte. Wir beklagen Märtyrer, deren stille Seufzer in aufgegrabenen Schriften wir heute erst vernehmen. Es ist als stünden wir an einem trostlosen Abgrunde. Und dennoch wenn wir uns dorthin versetzend angstvoll blicken, so ruht heute doch das Auge auf dem sicher gewonnenen Boden des Bürgerthums und des Geistes. Wir durchwandern noch kaum drei Jahrhunderte, und eine ungeahnte, neue Kraftentfaltung giebt auch uns den frohen Muth für die Vorbereitung einer vielverheissenden Zukunft. Ich darf es mit Freude sagen, die Macht einer lebendig erfassten Geschichtsbetrachtung hat sich an dem Kreise der Zuhörer, der sich immer vermehrend mit Ausdauer der Darstellung folgte, lohnend bewährt. b. Bei dem Fortgange der Untersuchungen zur Einleitung in die biblischen Schriften wurde der eingeschlagene Weg weiter verfolgt, rückschreitend zu den ersten Anfängen hinauf. Waren früher die Schicksale des abgeschlossenen Textes ins Auge gefasst worden, so wurde nun zunächst das Verfahren bei dem Abschlüsse betrachtet. Dieselben Motive, die später nur in abgeschwächtem Grade wirksam sind, waren w eit mächtiger, als die Bewegung erst zum Stillstände gelangte in der soferisehen Zeit, in den Anfängen der zweiten Tempelperiode bis zur Erstarkung der Makkabäer-Herrchaft. Die Redaction ergänzte in den nun zum Abschlüsse gelangenden Schriften das Fehlende, sie wiederholte ein bereits erzähltes Ereigniss, wenn ausgesagt wird, dass es weiter berichtet worden, sie belässt es nicht bei der blossen Mittheilung von Befehl oder Ausführung, sie fügt jenen oder diese ein, wenn der Schriftsteller sich bloss bei einem von beiden begnügen zu dürfen glaubte, sie macht Entlehnungen aus einer Stelle für die andere, welche sonst im Ganzen dasselbe berichtet. Aber sie fühlt auch den Drang, der geänderten sprachlichen Anschauung zu genügen, sie macht Zusätze, um den Zusammenhang herzustellen. Vorzugsweise

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