Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1.1874
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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16 bald vollkommen übereinstimmen, bald die Sätze in anderem Zusammenhange wieder erscheinen lassen. In vielen Stücken ist die Sprache ein untrügliches Kennzeichen tiefer Jugend, wenn sie auch kaum die Gräuze der Makkabäerherrschaft erreichen dürften. — Auch die Sprüche, als der Ausdruck des gesunden Hausverstandes, sind als Sammlung jung: der ältere Kern dürften die Cap. 10 bis 22, 21 sein, an die spätere Stücke sich anlehnen, die dann von noch späteren, einen Zusammenhang bildenden Stücken, nämlich in den neun ersten und den zwei letzten Capiteln umrahmt werden. Um den älteren Bestandteilen der biblischen Sammlung die rechte Zeit ihrer Entstehung anzuweisen und die Motive ihrer Abfassung zu erkennen, müssen wir den geschichtlichen Gang begreifen und die nationalen und geistigen Bedürfnisse kennen leinen, welche eine Befriedigung verlangten. Eine eingehende Betrachtung wird uns wohl zu den folgenden Feststellungen berechtigen. Dem ersten Vordringen einzelner Stämme aus Mesopotamien nach dem trausjordanischen Lande, wo zuerst Rüben festen Besitz fasst, wo Gad ihm nachdrängt und ihn endlich verdrängt, während weiter nördlich Machir, Gilead, Jair, die als Manasse zu einer Einheit zusammenwachsen, festen Fuss fassen, alle als Erstgeborene gelten, dieser kaum niedergeschriebenen Geschichte gehören einige ältere Lieder au, die das Buch Numeri aufbewahrt. In einer spätem Zeit dringen andere Stämme diesseits des Jordan vor. zunächst im Süden Simeon — dem Levi, wohl blos als Cultusstamm, sich anschliesst — und Juda — nach Rüben die älteren, — Dan, wiederum ein Erstgeborener, lange umherschweifend, dann aber im Norden sich festsetzend, vorzugsweise aber die Josefiten, Anfangs noch vorwiegend Manasse, welcher somit von jenseits nach dem diesseitigen Lande übergreift, dann aber von Ephraim überragt, und endlich noch Benjamin, als der jüngste, aber mit Josef eng verbunden und zugleich an Juda sich anlehnend, während andere Stämme von untergeordneter Bedeutung die genannten vorwiegenden umlagern. Diese Zeit spiegeln uns das Amaleklied in Exodus, das Deborahlied und der Jakobssegen ab, aber auch der Kern des Buches der Richter — mit Ausscheidung einzelner Zusätze und des Anhangs von c. 17 an —, in welchem Manasse so bedeutend gegenüber Ephraim im Vordergrunde steht, gehört jener Zelt an. — Die Einwirkung Benjamin1 s und SauTs, die eine Zeit laug die Hegemonie erringen, ist sicher von weit eingreifenderer Bedeutung, als die Urkunden uns berichten; einzelne Bestandteile aus dem Buche Samuel wie der Kern des Bileamliedes dürften an diese Zeit hinanreichen. Die Zeiten David's und Salomo's, also der Hegemonie Juda's über alle Stämme, erscheinen uns in den Berichten, welche einer späteren Zeit augehören, da Juda allein auf dem Schauplatze sich erhalten, in sehr idealisirter Darstellung, und schwer dürfte zu bestimmen sein, ob und wie viel Ueberreste schriftstellerischer Thätigkeit von da sich in unserm Schriftthume erhalten haben. Auf sicheren Boden gelangen wir erst in der Zeit des Doppelreiches, in der Efraim an der Spitze des umfassenderen Theiles stehend, an Einfluss und geistiger Schöpferkraft das Uebeigewicht hat. Arnos und Hosea tragen ihr scharfes Gepräge an sich, lassen uns einen Geist erkennen, der in Israel waltete, wie wir ihn aus der Geschichtserzählung nicht ahnen würden. In seiner ganzen hohen Würde, in seinem geistigen und sittlichen Adel tritt da das Prophetenthum schon auf, selbst in sich vollendet und andere vollendete Persönlichkeiten und Leistungen vorbereitend. Wenn man so ausgerüstet an die Betrachtung des Pentateuchs, zunächst der Genesis geht, da wird auf dem kritischen Gange mancher Stab dargereicht, und dennoch ist der Schritt noch unsicher. Hier gilt es die sorgsamste Detailforschung, und es wäre ungeziemend, deren Resultat hier in kurzen "Worten auszusprechen, wenn die umfassendsten Belege sie nicht begleiten. Soviel wird die Forschung, je ernster und je unbefangner sie angestellt wird, immer klarer erkennen, dass in diesem wahrhaft heiligen Schriftthume ein Geist waltet, der die ewigen Wahrheiten schöpferisch zum Bewusstsein bringt, höhere Erkenntniss und sittliche Innerlichkeit in seiner Entfaltung