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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1874-01-01 · 1.1874 · p. Seite 10

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1.1874
Date
1874-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 herrschenden Gedanken klar zur Erkenntniss zu bringen, ist die wichtigere,- welche späteren Vorträgen vorbehalten bleiben muss. — Der Bückblick wollte nur den Ernst darlegen, mit dem der Versuch unternommen worden, auf den wichtigsten Gebieten innerhalb der Wissenschaft des Judenthums, die noch unwegsam genug sind, vorzugehn, und an diesem ernsten Willen soll es auch in der Fortsetzung nicht fehlen, soweit Gott Kraft und Einsicht verleiht. 24. Februar 1873. Zweiter Bericht: Von Ostern 1873 bis dahin 1874. Im Anschlüsse an das vorangegangene Studienjahr wurden in diesem die Vorträge über die beiden Disciplinen fortgesetzt. Sie gestalteten sich a. in dem Curaus für die „allgemeine Einleitung in die Wissenschaft des Judenthums" zu (wöchentlich einstündigen) Vorträgen über Geschichte des Judenthums vom sechsten bis zum siebzehnten Jahrhundert. In b. dem Curaus für die „Einleitung in die biblischen Schriften" konnte, nachdem die Geschichte der abgeschlossenen Schriften vorangegangen war, nun in zwei wöchentlichen Stunden auf deren Werden und Entstehung, auf ihre Schicksale bis zum endlichen Abschlüsse eingegangen werden. Ausserdem wurden noch zwei neue Vorlesungen begonnen: c. die Erläuterung der Genesis in zwei und d. die des Mischnah-Tractates Aboth in einer wöchentlichen Stunde. a. In der kurzen Vorführung der innern geschichtlichen Entwicklung, welche das Judenthum in dem langen Zeiträume von elf Jahrhunderten begleitete, wurde die dritte Periode, „die Zeit der starren Gesetzlichkeit", welche sich bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts hineinzieht, nicht ganz durchmessen; dennoch bietet der Beginn des 17. Jahrhunderts einen neuen Abschnitt. Mit ihm eröffnet sich ein neues Land und eine bis dahin unbekannte Gewissensfreiheit in den Niederlanden. Einzelne ihre Zeit überragende und namentlich die Einengungen des damaligen Judenthums durchbrechende grosse Männer treten als Verkünder einer neuen Entwickelungsreihe auf. Es ist eine schickliche Zeitgränze, an der eine kurze Rast vergönnt sein möge bis zur Betrachtung des kürzeren Zeitraums, welcher die neueste Periode vorbereitet und diese selbst umfasst. In dem durchmessenen Zeitabschnitte war der Raum, welcher der Bewegung der Geister verstattet war, sehr eng umschrieben. Der Druck lähmt, die Vertreibungen reissen den Faden der Entwickelung ab, die stetige Bewegung wird gestört, das Ueberkommene wird forterhalten, ohne dass ihm das innere Leben mehr innewohnt. Früher hatte sich die Entwicklung aus dem Drange der staatlichen Kämpfe und Gestaltungen erzeugt, war von den Anforderungen des Lebens bedingt worden, sie wurde dann erst nothdürftig mit den älteren Vorschriften ausgeglichen. Nunmehr bestimmte sich das Leben nicht mehr selbst, kein unabhängiger Staat war vorhanden, der mit der Religion Hand in Hand ging, vielmehr stand der bestehende Staat mit der ganzen Lebensgestaltung dem Judenthum feindlich gegenüber, und dieses Hess sich nicht von dem ehemaligen Zuge leiten, sich in Staat und gesellschaftliche Anforderung einzuleben, vielmehr erfüllte es sich mit der Aufgabe, sich gegenüber allen äusseren Mächten zu wahren, sich vor ihnen abzuschliessen. Was frühere Entwickelung war, durfte nicht als umgestaltende Bewegung anerkannt werden, es konnte nur dann als berechtigt erscheinen, wenn es als uralte Ueberlieferung, Tradition, und vollkommen entsprechende Deutung des Schriftwortes, Interpretation, galt. Wohl fühlte man schon am Ende der babylonisch-gemaristischen Zeit die Willkür, die Incongruenz in dem herrschend gewordenen Deutungsverfahren, es klingt hie und da ein Wider-

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