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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1874-01-01 · 1.1874 · p. Seite 9

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1.1874
Date
1874-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 in dieser Uebersetzung geltend; ihre Wiedergabe des Texteswortes wird in weit höherem Masse beeinflusst von der angestrebten Reinhaltung des Gottesbegriffes, von dem Verlangen, die Ehre Israels und hervorragender Personen nicht zu verletzen, von der Auffassung des gesetzlichen Inhalts, von dem Versuche zur Ausgleichung verschiedener oder gar einander widersprechender Stellen, von der Bewahrung der Decenz imAusdrucke. Jedoch ist damit die Abweichung der Uebersetzung vom Originale nicht überall erklärt, und wie wir Missverständnisse der Uebersetzer, deren mangelhafte Spraehkenntniss. Vermischung späteren Sprachgebrauchs mit dem älteren Sprachcharackter zugeben müssen, so können wir auch nicht umhin zu statuiren, dass der Text ihnen in Abweichungen vorgelegen, die uns nicht selten vortreffliche kritische Anleitungen geben. Auch die späteren treueren griechischen Uebersetzer: Aquiia, Theodotion und Symmachus bieten des Belehrenden sehr viel. Der letzte, besonders hervorragend, wird vorzugsweise Führer des Hieronymus, der auch unmittelbar von jüdischen Lehrern empfängt, und so ist die Kirchen-Uebersetzung der Vulgata ein Kind der jüdischen Tradition. Eine eingehende Betrachtung verlangt nicht minder die syrische Uebersetzung, die Peschito, die nach gleichen Grundsätzen verfährt. Zu besonderer Geltung sind die Thargume gelangt, deren Anfänge hoch hinaufreichen, deren Abschluss jedoch zu der uns vorliegenden Gestalt weit jüngeren Datums ist. Das gilt ebenso wohl von dem unter dem Namen des Onkelos vorhaudenen babylonischen Thargum zum Pentateuch, wie von dem unter dem des Jonathan vorliegenden zu den Propheten, wie von den jerusalemischen zu Pentateuch und Hagiographeu, so wie von den jerusalemischen Glossen zu Pentateuch und Propheten. Auf der Gränzscheide zwischen alter Textbehandlung und beginnender wissenschaftlicher Objectivität der Exegese steht die arabische Uebersetzung des Saadias, die gerade in ihrem wichtigsten Theile, der Uebersetzung des Pentateuch, noch nicht genügend gewürdigt ist. Mit ihr aber hören die Uebersetzungen auf, selbst wenn sie unmittelbar aus einer selbstständigen Erfassung des Textes hervorgehen und sich einer treuen Wiedergabe des Textes befleissigen, kritische Zeugen zu sein. Die einftussreichen unter ihnen sind grosse geschichtliche Thatsachen bei den Wendepunkten der Bildung, und nur als solche werden die Bibelübersetzung durch Luther wie die des Pentateuch durch Mendelssohn dauernd die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch sie bekunden noch, wie Voraussetzungen die Uebersetzer beherrscht haben, und wenn in Luther die christliche Tendenz massgebend ist, so bekennt Mendelssohn seine Abhängigkeit von der thalmudischen Deutung, der er sich ebenso fügt, wenn sie gebieterisch auftritt, wie es die ihm vorangegangenen jüdischen Uebersetzer ins Deutsche aus dem siebzehnten Jahrhundert gethan. — Die drei alten grossen Sprachgruppen machen für die Uebersetzung ihre Ansprüche auch unter den Sa mar itanern geltend. Der Umfang ihrer Bücher beschränkt sich auf den Pentateuch, sie selbst sind, wie an Zahl geringer, so an Bildung dürftiger' und dennoch bieten sie uns beachtenswerte griechische Glossen, ein aramäisches Thargum, das wie seine jüdischen Genossen sich aus wohl zu würdigenden alten Bestandtheilen mit der fahrlässigen Arbeit aus der späteren Zeit tiefen Verfalls zusammensetzt, und eine arabische Uebersetzung des Abu-Said, die der samaritanischen Eigentümlichkeit folgt und dennoch die Abhängigkeit von Saadias, den sie verdrängen will, nicht verleugnen kann. — So geben uns die Ausstattung unseres Textes wie die alten Uebersetzungen Aufschlüsse über die Textesgestaltung in einer alten Zeit, zu der bestimmte Zeugnisse nicht hinanreichen. Aber mit Hülfe dieser Anleitung müssen wir uns die Grundsätze, nach welchen verfahren worden, erschliessen, wir müssen zur Zeit, da unsere biblischen Bücher abgeschlossen worden, ja noch höher hinauf zu der, da sie aus flüssiger Ineinanderarbeitung ihre Gestalt gewonnen haben, hinanzudringen suchen. Diese Aufgabe wie die andere, den Gesammtinhalt sowohl der berichteten Thatsachen als vorzugsweise der 2

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