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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1874-01-01 · 1.1874 · p. Seite 8

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1.1874
Date
1874-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 ■sodann die Grundsätze ins Auge, welche die Punctatoren und Accentuatoren geleitet haben. Sie weist nach, dass dieselben nicht selten, von dogmatischen Ansichten veranlasst, dem Texte durch die beigesetzten Vocale und durch die vermittelst der Accente verlangte Satztheilung pine von dem ursprünglichen Inhalte abweichende Auffassung beilegen. Sie sähen sich dazu berechtigt durch die Rücksicht auf die Reinhaltung des Gottesbegriffs, durch das Bestreben, von Israel insgesammt oder von einzelnen hervorragenden Männern Herabsetzendes zu beseitigen, sie halten es für geboten, Uebereinstimmung mit dogmatischen halachischen Annahmen herbeizuführen, indecente Ausdrücke zu verhüllen. Dieser Betrachtung schliesst sich die Darlegung des Verfahrens an, wie es spätere Schulen in der kleinlichen Ausarbeitung beobachteten und die Grundlage zur Massorah legten. Die Untersuchung steigt nun höher hinauf, um einen Einblick in die Gestalt des vorthalmudischen Bibeltextes zu gewinnen. Die thalmudischen Schriften selbst geben, übereinstimmend mit anderen Zeugnissen, die sichere Thatsache an die Hand von dem ehedem abweichenden Schriftcharakter, von der andern Gestalt der Buchstaben. Die Anomalieen, welche der Thalmud überliefert, wie sie auch unser Text bietet, die Punkte über den Buchstaben, die Klammern, die schwebenden, geschlossenen, kleinen und grossen Buchstaben, die Kere und Khethib, geben Andeutungen von abweichenden Lesarten und vorgenommenen Aenderungen, die auch anderweitig unterstützt werden. Solche Vornahmen werden ausdrücklich berichtet in Betreff der Beseitigung überflüssiger Wav Clttur Soferim), es wird die Entscheidung mitgetheilt über Varianten, die sich in verschiedenen Tempelexemplaren vorgefunden, die Umgestaltung der Lesart gelehrt aus Rücksichten der Decenz, und vorzugsweise zur Reinhaltung des Gottesbegriffes (Thikkun Soferim). Endlich ist .der Bericht über die von den griechischen Uebersetzern vorgenommenen Aenderungen ein instructives Zeugniss über das alte Verfahren in der Textbehandlung. Nur leise ist in den thalmudischen Schriften berührt die an Willkür streifende Freiheit, mit welcher die Samaritaner sich den Text des Pentateuch hergestellt haben; ihr Text jedoch liegt vor, und er setzt uns in den Stand, ein Urtheil über seine Beschaffenheit und über die leitenden Beweggründe bei seiner Feststellung zu gewinnen. Ihre Absichtlichkeit tritt hervor, wenn sie Sichern und Garisim in den Vordergrund stellen, mangelhafte Sprachkenntniss verunstaltet nicht selten ihren Text. Sie verfahren jedoch im Einklänge mit der ganzen alten Zeit, wenn sie Unebenheiten glätten, Schwierigkeiten beseitigen, den Ausdruck an verschiedenen Stellen, welche dasselbe berichten und von denen man eine gleichlautende Darstellung erwartet, wirklich gleichmachen und dabei Zusätze oder Auslassungen vorzunehmen nicht scheuen. In verstärktem Masse macht sich bei ihnen geltend die Rücksicht auf die Reinhaltung des Gottesbegriffes, auf hervorragende biblische Personen, auf decenten Ausdruck. Indem sie die bei ihnen herrschende Art des Gesetzesübung, ihre halifchische Auffassung in dem Texte ausgeprägt finden wollen, inuss sich dieser derselben fügen. Wie sie darin nicht vereinzelt stehen, sondern Auffassung und Text auch von andern Vertretern der alten Zeit getheilt wird, so hat auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl anderer Varianten einen Anhalt in andern Zeugnissen. Der dritte Abschnitt behandelte die alten unmittelbaren üebersetzungen. die uns theils ihren Text theils ihr «Verfahren in der Textbehandlung erkennen lassen. Der ö/fentliehe Vortrag einer Uebersetzung in der Sprache des täglichen Verkehrs stellte sich bald als notwendig heraus und wird thatsächlich bezeugt. Das Bedürfhiss, eine solche Uebersetzung zu fixiren, /machte sich zuerst unter den griechischen Juden fühlbar; ihm verdanken wir die unter dem Namen 7 ^**-feJV jf . der Septuaginta "bekannte alejsändrinisch^griechische Uebersetzung. Aegyptisches, namentlich die Verehrung des Oniastempels, wie überhaupt die damalige Anschaungsweise machen sich

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