KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 5 (November 1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 105 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 105 die Frage gestattet, warum diese „Enthüllungen" nicht früher schon, als die verlästerte Regierung Braun- Grimme allerdings noch amtierte, gebracht wurden. Soweit man die aus dem Dunkeln geschleuderten Schmähungen entziffern kann, richten sie sich gegen einen jüdischen Arzt, der zwar gewisse Verdienste auf einem bestimmten medizinischen Gebiete habe (—verdienstvolle Juden — gibt's denn das überhaupt? —), der aber Privatdozent für ein Lehrfach geworden sei, das er gar nicht beherrsche. Nachdem dieser Fall so offen dargestellt worden ist, daß niemand ihn nachprüfen * kann, heißt es dann wenige Zeilen weiter mit noch größerer Unbekümmertheit, daß überhaupt fast nur Juden, zumeist natürlich unfähige, zu Professoren ernannt worden seien. Die „Burschensch. Bl.", die sich diese Angriffe der „Dtsch. Ztg." ersichtlich zu eigen machen, kämpfen in dieser Angelegenheit mit genau so verschlossenem Visier wie diese. Es wirkt darum etwas sonderbar, wenn in dem bewußten Aufsatz der Frontsoldatengeist beschworen wird, der mit klatschhafter Heimlichtuerei nicht recht was zu tun hat. Freilich ist dabei zu berücksichtigen, daß die wirkliche Frontgeneration ja durchaus nicht in allem so denkt, wie die heutigen Burschenschaftler; haben sich ja auch die Frontkämpfer, die einst oie „D. St." gründeten, etwas anderes darunter vorgestellt, als heute unter Mitwirkung der Burschenschaften aus ihr geworden ist. Wenn man, wie die „Bursch. Bl.", seine Vorschau auf die kommende Gestaltung mit dem Wort „Systemwechsel" bezeichnet — wäre es nicht begrüßenswert, das System des Kampfes zu ändern, und ein bißchen mehr Aufrichtigkeit und Offenheit hineinzubringen? Nationale Würde. Daß in Wien wieder Lochschulkrawalle ftattgefunden haben, ist beschämender Weise ein so alltäglicher Vorgang geworden, daß der Leser Berichte darüber vermutlich bald langweilig findet. Dieses Mal aber halten die Vorfälle einen interessanten Nachgeschmack. Im Gegensatz zu allen früheren Gewohnheiten, trat diesmal die Polizei energisch in Aktion, brachten die Aniversitätsbehörden nicht nur ein bedauerndes Achselzucken, sondern sehr großenEifer in Beteuerungen und Entschuldigungen auf, machte man mit Entschiedenheit Front gegen den Mob. Was war geschehen? Latte das Gewissen gestegt, hatte man endlich das schnöde Anrecht erkannt, das an harmlosen Mitmenschen begangen wurde, deren einzige Schuld es war, Juden zu sein? Keine Spur! Wohl aber hatte die amerikanische Gesandtschaft, weil ihre Landsleute in Mitleidenschaft gezogen worden waren, der Regierung sehr deutlich vorgehalten, daß ein derartiges Treiben zu unangenehmen diplomatischen und wirtschaftspolitischen Verwicklungen führen könne. Das half! Was kein Appell an das heimische Kulturbewußsein vermocht hatte, das vermochte der Appell an die internationalen Landelsbeziehungen. And so erlebt man das sonderbare Schauspiel, daß die altbekannten österreichischen Äochschultumulte eine Anterbrechung erfahren — infolge Drucks von außen her! Ein Kotau vor dem Auslande, wie man ihn sonst eigentlich nur bei den Lakenkreuzlern in der Tiroler Frage kennt. Professor Cohn. In Breslau ist es eigentlich nichts Neues mehr, daß ein Professor namens Cohn dort wirkt. Im Breslauer Südpark erinnert ein Standbild an die Tätigkeit des großen Botanikers Ferdinand Cohn, der trotz seines Namens ein mit Recht berühmter Mann geworden ist. Im Jahre 1932 ist es nicht mehr tragbar, daß ein Mann mit Namen Ernst Cohn an der Breslauer Lochschule liest, mag er auch ein noch so tiefgründiger Wissenschaftler und pädagogisch befähigter Lehrer sein. Die juristische Fakultät, der Leute wie Freytag-Loringhoven und Lelfritz angehören, hat einstimmig den Landelsrechtler Cohn aus Frankfurt a. M. nach Breslau zitiert. Davon können natürlich die universitätsfremden SA.-Leute nichts wissen, die berufsmäßig zum Krakeelen vor die Breslauer Anivrrsität bestellt waren. Die akademischen Radaubrüder aber, an deren Spitze sich der Breslauer Waffenring offiziell gestellt hat, hätten sich über die Vorgänge bei der Berufung Professor Cohns besser unterrichten sollen, ehe sie schlankweg die Wahrheit umdrehten und behaupteten, Prof. Cohn sei der Fakultät „aufottroyiert" worden. Die wissenschaftliche Bedeutung Ernst Cohns ist ihnen vermutlich deshalb nicht aufgegangen, weil sie sich gar nicht die